Artenschutz

Illegaler Online-Wildtierhandel bedroht Tausende Arten – Primaten hoch im Kurs

Laut einer neuen Studie befeuern Anonymität und schwache Regulierung das Geschäft auf Onlineplattformen mit bedrohten Arten - und die Dunkelziffer ist hoch.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Goldkopflöwenäffchen gelten als stark gefährdet und sind durch illegalen Wildtierhandel bedroht.

Goldkopflöwenäffchen gelten als stark gefährdet und sind durch illegalen Wildtierhandel bedroht.

© Raimund Linke/imago

Der illegale Handel mit Wildtieren, Pflanzen und Pilzen über soziale Netzwerke und Online-Marktplätze hat nach einer neuen Studie ein globales Ausmaß erreicht. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Helsinki berichtet in der an diesem Montag in der Fachzeitschrift Nature Reviews Biodiversity veröffentlichten Übersicht von Tausenden betroffenen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, von denen viele als bedroht gelten.

Auch Orchideen, Frösche und Schlangen im Angebot

Neben Affen würden auch Vögel, Schlangen, Frösche, Orchideen und weitere Artengruppen zunehmend über Online-Plattformen gehandelt, teilte die Universität Helsinki mit. Studienleiter Enrico Di Minin verwies darauf, dass zahlreiche der illegal angebotenen Arten entweder stark gefährdet seien oder bislang gar nicht als Ziel des illegalen Handels galten. Als Ursachen nennen die Autoren ein geringes Entdeckungsrisiko, schwache Regulierung und die Anonymität der Plattformen.

Eine separate Untersuchung der Umweltstiftung WWF, der Tierschutzorganisation International Fund for Animal Welfare (IFAW) und des US-Zoo- und Aquarienverbands erfasste in einer sechswöchigen Stichprobe Mitte 2025 in den USA 1131 Posts, in denen 1614 Primaten auf Facebook, Instagram, TikTok und YouTube zum Verkauf angeboten wurden.

Primaten sind eine Ordnung der Säugetiere, zu der neben dem Menschen auch Affen und Halbaffen wie Lemuren, Loris und Koboldmakis zählen.

Plattformen verstärken den Schaden

Die Auswirkungen auf Tierwohl und Artenvielfalt ähnelten denen des klassischen illegalen Wildtierhandels, würden aber durch Reichweite und Geschwindigkeit der Online-Plattformen verstärkt, sagte der Ko-Autor der neuen Studie Neil D'Cruze von der englischen Hochschule Manchester Metropolitan University. Der Online-Handel laufe über komplexe, dezentrale und grenzüberschreitende Netzwerke und ergänze oder ersetze in Teilen traditionelle Schmuggelrouten.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Die Untersuchung weist auf erhebliche Wissenslücken über den tatsächlichen Umfang des Marktes hin. Nötig sei ein besseres Verständnis des Verbraucherverhaltens, um die Nachfrage einzudämmen. Ko-Autorin Annette Hübschle von der südafrikanischen Universität Kapstadt forderte abgestimmte Strategien auf mehreren Ebenen, die den Artenschutz stärken, regulatorische und technische Kapazitäten ausbauen und lokale Gemeinschaften einbinden.

Beobachter fordern bessere Datenlage

Parallel dokumentiert die in Genf ansässige Global Initiative Against Transnational Organized Crime, ein internationales Netzwerk gegen organisierte Kriminalität, mit ihrem Projekt Eco-Solve seit April 2024 den illegalen Online-Wildtierhandel. In ihrem sechsten Trendbericht vom Juli 2026 beschreibt die Organisation ein wachsendes und schwer nachverfolgbares Marktgeschehen.

Ihr weltweites Beobachtungssystem soll über nationale Datenzentren systematisch Anzeigen zu geschützten Tieren, Pflanzenteilen und Folgeprodukten erfassen und Strafverfolgungsbehörden sowie politischen Entscheidungsträgern Daten liefern.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner