Entdeckung

Orange Lippen, wilder Schopf: Neue Affenart in Afrika entdeckt

Nur Bewohner weniger Dörfer kannten den seltenen Affen namens Likweli. Nun soll die neu beschriebene Art bereits als stark gefährdet eingestuft werden.

4 Min
Der Colobus congoensis ist eine neu entdeckte Affenart im Kongobecken (undatierte Aufnahme).

Der Colobus congoensis ist eine neu entdeckte Affenart im Kongobecken (undatierte Aufnahme).

© Daniel Rosengren/dpa

Orangefarbene Lippen, ein schwarzer Schopf und große, gefaltete Ohren: Im Regenwald der Demokratischen Republik Kongo haben Forscher eine bislang unbekannte Affenart beschrieben. Das Tier trägt den wissenschaftlichen Namen Colobus congoensis und ist erst die fünfte neue afrikanische Affenart, die innerhalb der vergangenen 75 Jahre entdeckt wurde.

Vorgestellt wird der Primat in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie im Fachjournal „PLOS One“. Genetische Untersuchungen sowie Vergleiche von Körperbau, Schädeln, Fellen und Rufen bestätigten demnach, dass es sich um eine eigenständige Art handelt.

Ein unscharfes Foto gab den ersten Hinweis

Die Geschichte der Entdeckung begann bereits 2008. Mitglieder der Lukuru Wildlife Research Foundation fotografierten damals hoch in den Baumkronen am Ostufer des Lomami-Flusses einen unbekannten Affen. Auf dem teilweise verdeckten und unscharfen Bild war nur ein Teil des Tieres zu erkennen. Das Forschungsteam vermutete dennoch, dass es keiner der bereits bekannten Arten der Region angehörte.

Danach fehlte von dem Tier zehn Jahre lang jede Spur. Erst im November 2018 fotografierte eine Patrouille im später eingerichteten Lomami-Nationalpark erneut einen schwarzen Affen. Auf dem deutlich besseren Bild waren die helle Mundpartie und ein weißer Fleck am Hinterteil zu erkennen. In den folgenden zehn Monaten gelangen an sieben weiteren Orten Aufnahmen.

Eine spätere Durchsicht älterer Patrouillenfotos ergab, dass die Art bereits im August 2018 fotografiert, damals jedoch falsch bestimmt worden war.

Vier bis sechs Zentimeter lange Gesichtshaare

Besonders auffällig ist das fast vollständig schwarze Gesicht. Um Mund und Oberlippe liegt eine unbehaarte Hautpartie, deren Farbe die Forscher als rosa bis orangecremefarben beschreiben. Bei manchen Tieren reicht sie bis an die Nasenflügel, bei anderen bleibt sie auf den Mundbereich begrenzt. Stirn und Gesicht werden von vier bis sechs Zentimeter langen schwarzen Haaren eingerahmt. Auf dem Kopf trägt Colobus congoensis zudem einen Schopf, den die Forscher mit einer Krone vergleichen. Das schwarze Fell kann im Licht glänzen und wirkt bei einigen Tieren an Schultern und Rücken wie ein Umhang. Hinzu kommen große schwarze Ohren mit deutlich gefalteten Rändern.

Mit diesen Merkmalen erinnere die Art äußerlich teilweise an asiatische Schlankaffen, schreiben die Wissenschaftler. Für einen Vertreter der afrikanischen Stummelaffen sei Colobus congoensis ungewöhnlich klein.

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Sein nächster bekannter Verwandter ist der Schwarze Stummelaffe mit dem wissenschaftlichen Namen Colobus satanas. Dessen Verbreitungsgebiet liegt jedoch mehr als 1200 Kilometer entfernt in Westzentralafrika und auf der Insel Bioko. Den genetischen Analysen zufolge trennten sich die beiden Entwicklungslinien bereits vor vier bis fünf Millionen Jahren.

Selbst in den Dörfern kaum bekannt

Wie verborgen der Affe lebt, zeigen Befragungen in 52 Ortschaften am Rand seines Verbreitungsgebietes. Nur Bewohner von acht Dörfern kannten das Tier und konnten es korrekt beschreiben.

Angehörige der Balanga nennen den Affen „Likweli“. Diesen Namen empfehlen die Autoren der Studie nun auch als gebräuchliche Bezeichnung für die Art. Bei den Mituku ist er als „Kasaba nkoni“ bekannt, was übersetzt „der Astschüttler“ bedeutet. Anwohner beschrieben ihn als still, schwer zu entdecken und auf ein kleines Gebiet beschränkt.

Meist halten sich die Tiere in den Kronen alter, geschlossener Wälder auf. Beobachtet wurden Gruppen mit einem bis 20 Mitgliedern, im Durchschnitt waren es gut sechs Tiere. Häufig bewegten sie sich gemeinsam mit anderen Affenarten durch den Wald.

Neue Affenart könnte bereits stark gefährdet sein

Zwischen 2018 und 2022 registrierten die Forscher 114 Sichtungen oder Rufe. Das bekannte Verbreitungsgebiet umfasst lediglich etwa 1700 Quadratkilometer zwischen den Flüssen Lomami und Lilo. Die meisten anderen Arten dieser Gattung kommen laut Studie auf Flächen von mehr als 60.000 Quadratkilometern vor. Die Wissenschaftler schlagen deshalb vor, Colobus congoensis auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „stark gefährdet“ einzustufen. Zwar werde der Affe nach Angaben befragter Bewohner bislang nicht gezielt gejagt. Waldverlust, wachsende Siedlungen und zunehmender Jagddruck könnten den kleinen Bestand jedoch bedrohen.

Allein zwischen 2015 und 2023 entstanden nach Angaben der Forscher mindestens 15 neue Dörfer innerhalb oder unmittelbar am Rand seines Verbreitungsgebietes. Ein Großteil des bislang bekannten Lebensraums liegt allerdings im geschützten Lomami-Nationalpark.

„Diese Entdeckung ist ein wissenschaftlicher Triumph und zugleich eine ernüchternde Erinnerung daran, dass einige der seltensten Tiere der Erde verschwinden könnten, bevor die Welt überhaupt von ihrer Existenz erfährt“, sagte Studienleiterin Kate Detwiler laut einer Mitteilung der Florida Atlantic University.

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