Maschinen-Athleten

Roboter springt 7,97 Meter weit – vor einem Jahr waren es 1,25 Meter

Roboter-Weltrekorde in Peking: 9,39 Sekunden über 100 Meter, 2,88 Meter im Hochsprung, 7,97 Meter im Weitsprung – erstmals ohne Fernsteuerung.

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Sprungwettbewerb bei den World Humanoid Robot Games in Peking. Vor der Tribüne stehen die Konkurrenten in einer Reihe, daneben ihre Ingenieure.

Sprungwettbewerb bei den World Humanoid Robot Games in Peking. Vor der Tribüne stehen die Konkurrenten in einer Reihe, daneben ihre Ingenieure.

© IMAGO

Sonntagabend in Pekings Olympia-Eisschnelllaufhalle. Ein humanoider Roboter nimmt Anlauf und landet bei 7,97 Metern. Er bleibt dabei stehen, und das ist der schwierigere Teil der Übung.

Gold für das Team Tianjiao, Weltrekord für die Gattung Maschine.

Wie groß dieser Sprung wirklich ist, zeigt der Blick auf das Vorjahr. Da gewann ein Roboter das Weitsprung-Finale mit 1,25 Metern. Das schaffen Grundschüler aus dem Stand.

Weitsprung-Weltrekord: Mike Powell hält 8,95 Meter

Ein Menschenrekord ist damit trotzdem nicht gefallen. Mike Powell sprang 1991 in Tokio 8,95 Meter, seine Bestmarke wird am kommenden Sonntag 35 Jahre alt. Den Maschinen fehlen 98 Zentimeter.

Berlin darf das mit einem gewissen Vergnügen zur Kenntnis nehmen. Bei der WM 2009 im Olympiastadion gewann Dwight Phillips mit 8,54 Metern, auch das liegt außerhalb der Roboter-Reichweite.

Bei den Frauen sähe die Bilanz anders aus. Der Weltrekord von Galina Tschistjakowa steht seit 1988 bei 7,52 Metern.

Warum ausgerechnet der Weitsprung den Ingenieuren so lange Mühe macht, erklärte der Hersteller Songyan Dynamics vergangenes Jahr dem Portal Beijing News: Die Gelenkmotoren müssen kurzzeitig enorme Kräfte freigeben, und die ideale Flugbahn wird vorab am Rechenmodell ermittelt und der Maschine antrainiert.

Roboter-Rekorde über 100 und 400 Meter

Auf der Bahn nebenan hält der Mensch dagegen längst nichts mehr.

Über 100 Meter lief ein Roboter des Pekinger Innovationszentrums für humanoide Robotik 9,39 Sekunden. Usain Bolts 9,58 Sekunden stammen aus dem Berliner Olympiastadion vom August 2009. Ein Modell des Handyherstellers Honor soll im Test vorab 9,32 Sekunden geschafft haben, bei einem Spitzentempo von 14,5 Metern pro Sekunde.

Im Vorjahr lag der Roboter-Bestwert über 100 Meter noch bei 21,50 Sekunden. Halbiert in zwölf Monaten – das ist die eigentliche Nachricht dieser Spiele.

Über 400 Meter siegte „Tiangong Ultra“ am Sonntag nach chinesischen Angaben in 38,15 Sekunden, die Nachrichtenagentur dpa meldete 39,70 Sekunden. Der Mensch braucht 43,03 Sekunden, aufgestellt von Wayde van Niekerk 2016 in Rio.

Beim Hochsprung aus dem Stand kam dieselbe Maschine auf 2,8843 Meter. Javier Sotomayor liegt mit vollem Anlauf bei 2,45 Metern. Auch über 400 Meter ging es zuletzt steil bergab mit den Zeiten: Der Sieger des Vorjahres brauchte noch 88,03 Sekunden.

Und im April absolvierte ein Roboter den Halbmarathon von Peking in 50:26 Minuten, schneller als der menschliche Weltrekord. Allerdings mit Akkuwechsel unterwegs, gegen Zeitstrafe.

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Roboter-WM in Peking: 2056 Maschinen, 51 Disziplinen

Die zweite Auflage läuft noch bis Mittwoch. 666 Teams aus 16 Ländern sind mit 2056 Robotern angereist, die Zahl der Wettbewerbe hat sich auf 51 fast verdoppelt.

Neu im Programm sind neben dem Weitsprung Gewichtheben, Tauziehen und Tischtennis. Am Montagabend fallen die beiden Gewichtheber-Entscheidungen.

Dazu kommen 21 Alltagswettbewerbe: Wäsche zusammenlegen, Hotelservice, Fließbandmontage, Rettungseinsatz. Dort entscheidet sich, ob die Branche ihr Versprechen einlöst.

Ein deutsches Team verlor im Fußballfinale des Vorjahres 0:1 gegen die Tsinghua-Universität.

Roboter ohne Fernsteuerung: Was die Rekorde wert sind

Die wichtigste Neuerung steht in keiner Rekordliste. Im Vorjahr steuerten viele Teams ihre Roboter noch per Fernbedienung, in diesem Jahr sind die Läufe über 400 und 1500 Meter sowie die Staffel auf vollautonomen Betrieb umgestellt.

Vorsicht bleibt trotzdem angebracht. Die Sprinter krachten nach dem Zieleinlauf in eine Schutzwand, und im Fußball fallen weiterhin ganze Mannschaften gleichzeitig um.

Unitree-Chef Wang Xingxing, dessen Firma zu den größten Herstellern des Landes zählt, sagte vergangene Woche selbst, seine Roboter arbeiteten in Fabrik und Haushalt noch ineffizienter als Menschen.

Politisch ist die Sache längst aufgeladen. Washington hat im Juli die Einfuhr neuer humanoider Roboter aus dem Ausland untersagt und Unitree auf eine Liste von Firmen mit mutmaßlichen Militärverbindungen gesetzt. An der Börse in Shanghai legte die Aktie des Herstellers beim Debüt 629 Prozent zu.

Mike Powells Rekord aber steht. Vorerst.

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