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1. FC Union Berlin: Horst Heldt ist gleich in zwei Personalien gefragt

Der 1. FC Union Berlin blickt nach dem Pokal-Erfolgserlebnis nach vorne. Vor allem zwei Personalien beschäftigen den Klub.

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Horst Heldt (l., hier mit Union-Präsident Dirk Zingler) bekommt auf den letzten Metern des Sommer-Transferfensters noch ordentlich zu tun.

Horst Heldt (l., hier mit Union-Präsident Dirk Zingler) bekommt auf den letzten Metern des Sommer-Transferfensters noch ordentlich zu tun.

© O. Behrendt/imago

Nach seinem bislang besten Auftritt im Trikot des 1. FC Union Berlin blieb Marin Ljubicic bescheiden. Fast schon ein wenig demütig gab er in der Mixed Zone des Braunschweiger Eintracht-Stadions jedem einzelnen Journalisten erst einmal die Hand, bedankte sich für die Glückwünsche zu seiner spielentscheidenden Leistung und beantwortete dann geduldig die Fragen zu seiner Person, vor allem aber die zu seiner langen Leidenszeit in den zurückliegenden Monaten.

Ziemlich genau eine Stunde war zwischen Braunschweig und den Köpenickern gespielt, da beorderte Trainer Mauro Lustrinelli den kroatischen Angreifer zu sich an die Seitenlinie, um ihn für den bemühten, aber insgesamt sehr glücklosen Emmanuel Latte Lath in die Partie zu bringen. Nicht absehbar war, dass Ljubicic die etwas mehr als 30 Minuten, die ihm noch blieben, derart effektiv nutzen würde. Zunächst bereitete er den 2:2-Ausgleichstreffer von Tom Rothe nach einem Eckstoß von Josip Juranobic per Kopf vor, dann traf er selbst noch doppelt zum 4:2-Endstand.

Die Köpenicker hatten die für ein Erstrunden-Match im DFB-Pokal ziemlich hoch gehängte Hürde übersprungen – Ljubicic sei Dank. „Ich bin sehr glücklich für die Mannschaft, den Verein und auch für mich selbst. Unser Ziel war es, die nächste Runde zu erreichen. Das haben wir geschafft und deswegen war es für uns ein guter Start, bevor es nächste Woche in der Bundesliga losgeht“, wollte der 24-Jährige auch unter dem Eindruck seiner wichtigen Tore nicht allzu viel über sich selbst sprechen.

„Speziell das letzte Jahr war nicht einfach für mich“, sagte er aber dann doch auf Nachfrage zu einer für ihn enttäuschenden Saison. „Erst habe ich lange nicht gespielt bei Union, dann habe ich mich in Düsseldorf auch noch verletzt. Jetzt will ich einfach nur nach vorne schauen und zeigen, dass ich der Mannschaft helfen kann.“

Zwei wichtige Joker-Tore im Januar

In Berlin hatte Ex-Trainer Steffen Baumgart für ihn kaum eine Verwendung, im Januar dieses Jahres wurde Ljubicic dann aber plötzlich doch wichtig. Bei den zwei Remis gegen Mainz (2:2) und in Augsburg (1:1) erzielte er jeweils kurz vor Schluss die Tore zum Endstand. Wenige Tage später wurde er trotzdem an den damaligen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf verliehen, dem er erst aufgrund einer Verletzung nicht auf dem Rasen helfen konnte und dann in einer völlig verunsicherten Mannschaft eine sportliche Katastrophe erlebte. Als Aufstiegsanwärter gestartet, stieg die Fortuna in die 3. Liga ab. Ljubicic kehrte im Sommer zu Union mit fast null Chancen auf Einsatzzeit zurück.

Mit Fortuna Düsseldorf stieg Marin Ljubicic in die 3. Liga ab.

Mit Fortuna Düsseldorf stieg Marin Ljubicic in die 3. Liga ab.

© Schreyer/imago

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In der Vorbereitung zeigte er sich aber treffsicher. Zwar schoss er seine Tore gegen unterklassige Gegner, Selbstvertrauen gaben ihm die persönlichen Erfolgserlebnisse dennoch. Auch weil mit Andrej Ilic und dem noch länger ausfallenden Oliver Burke in Braunschweig gleich zwei Stürmer der Köpenicker nicht mitwirken konnten, war Ljubicic beim zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand erster Einwechselspieler und zahlte Lustrinellis Vertrauen vollständig zurück.

Der Schweizer erlebte damit ein gelungenes erstes Pflichtspiel im deutschen Profifußball. Zwar war von dem Fußball, den Lustrinelli künftig gerne spielen lassen möchte, nur in manchen Phasen der Begegnung etwas zu sehen, die Moral stimmte aber in Reihen der Gäste. Gegen unangenehme Gastgeber, die auch spielerisch einen formidablen Eindruck hinterließen, biss sich Union regelrecht in den Pokalfight. Lohn dafür ist der Einzug in die zweite Runde, die am 5. September ausgelost und Ende Oktober stattfinden wird. Rani Khedira, der die Mannschaft in Braunschweig als Kapitän aufs Feld geführt hatte, wollte dafür keinen Wunsch äußern: „Wir nehmen es, wie es kommt.“

Es bleibt die Frage, was aus Ljubicic wird. Kann der Pokal-Matchwinner auch im Ligaalltag eine ernst zu nehmende Alternative werden? Nicht erst seit Montag dürfte die Diskussion zu dieser Personalie hinter den Kulissen Fahrt aufgenommen haben. Der englische Premier-League-Aufsteiger Hull City hat nämlich ein Angebot für Ilyas Ansah abgegeben. Der Verein, der am ersten Spieltag überraschend Manchester United mit 2:0 bezwang, soll bereit sein, eine Ablöse von 22 Millionen Euro zu zahlen. Ansah will in die stärkste Liga der Welt wechseln und hat den Verantwortlichen dies auch schon mitgeteilt.

Aus sportlicher Sicht wäre der Abgang des ehemaligen Paderborners ein großer Verlust. In der abgelaufenen Saison hatte er an den ersten vier Spieltagen vier Treffer erzielt, bevor er auf dem Platz in einigen Situationen nicht immer die beste Entscheidung traf. Mit Spannung und ziemlich viel Hoffnung war erwartet worden, wie sich der 21-Jährige in seinem zweiten Bundesliga-Jahr schlagen würde.

Ilyas Ansah steht offenbar vor einem Wechsel zu Premier-League-Aufsteiger Hull City.

Ilyas Ansah steht offenbar vor einem Wechsel zu Premier-League-Aufsteiger Hull City.

© Ayman Alahmed/imago

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bleibt den Köpenickern aber kaum eine andere Gelegenheit, als das Angebot von der Insel anzunehmen. Ansah würde damit Taiwo Awoniyi als Rekordabgang in der Vereinsgeschichte ablösen. Der Nigerianer, der inzwischen für Coventry City spielt, war vor vier Jahren für 20 Millionen Euro zu Nottingham Forest gewechselt. Manager Horst Heldt dürfte also genau abwägen, welche Entscheidung die beste für den Verein ist.

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