Nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China ist die Gefahr weiterer Überschwemmungen gestiegen. Ein durch Geröll und Schlamm aufgestauter See auf der tibetischen Seite beginnt überzulaufen, teilten chinesische Behörden laut Reuters mit. Der Rettungseinsatz in dem betroffenen Gebiet wurde zeitweise unterbrochen.
Auch die nepalesischen Behörden warnten vor weiteren Überschwemmungen. Die nepalesische Armee entsandte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP ein Team, um die Lage am Fluss Bhotekoshi nahe der Grenze zu China zu überprüfen.
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Zahl der Todesopfer steigt
Unterdessen steigt die Zahl der Todesopfer. Die nepalesische Polizei meldete am Freitagabend nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP mindestens 584 Tote, mindestens 2482 Menschen werden noch immer vermisst, darunter hunderte ausländische Touristen.
In Nepal laufen die Such- und Rettungsarbeiten unter schwierigen Bedingungen weiter. Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde wurden mehr als 3200 Menschen mit Hubschraubern aus dem Katastrophengebiet ausgeflogen, wie AP berichtet. Unter den Vermissten sind demnach auch zahlreiche Ausländer.
Ein Armeesprecher teilte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit, dass eine vierköpfige deutsche Familie gerettet worden sei. Sie hatte angesichts von Erdrutschen auf halbem Weg kehrtgemacht.Zusammen mit anderen Geretteten wurde die Familie per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht, hieß es. Die Bundesregierung sprach dem Bericht zufolge von einer „niedrigen zweistelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger“, die vermisst werden.
Nepal lehnt Hilfe aus dem Ausland ab
Besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach Menschen, die in einem Tunnel einer Baustelle am Fluss Trishuli eingeschlossen sein sollen. Die nepalesische Armee versuchte nach Angaben von AP und AFP, etwa 100 Menschen zu erreichen. Der Zugang zu dem Tunnel sei durch Schlamm und Geröll blockiert.
Nepal will die Such- und Rettungsmaßnahmen unterdessen ohne ausländische Einsatzteams durchführen. Das Außenministerium erklärte am Freitag, die eigenen Sicherheitskräfte seien mit den Arbeiten betraut und benötigten derzeit keine Unterstützung aus dem Ausland, wie Reuters berichtet. Mehrere Staaten hatten Nepal demnach Hilfe angeboten. Das südkoreanische Außenministerium erklärte, weiter mit Nepal über den möglichen Einsatz eigener Rettungskräfte zu verhandeln.
Die Sturzflut hatte am Mittwoch im Himalaya-Grenzgebiet schwere Verwüstungen angerichtet. Wassermassen, Schlamm und Geröll rissen Gebäude, Brücken und Fahrzeuge mit. Als mögliche Ursache wird ein Gletscherabbruch genannt. Von AP zitierte Wissenschaftler vermuten, dass ein Abbruch von Gestein unterhalb des Gletschers gemeinsam mit Schmelzwasser die Wassermassen anschwellen ließ.
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