Der Förderverein Bitterfelder Innenstadt hat das für den 4. bis 6. September 2026 geplante Stadtfest in Bitterfeld abgesagt. Als Grund nennt der Veranstalter eine aus seiner Sicht nicht mehr beherrschbare Sicherheitslage. Parallel zum Familienfest und zur sachsen-anhaltischen Landtagswahl am 6. September ist in der „Grünen Lunge“ sowie auf dem Robert-Schuman-Platz ein mehrtägiges Protestcamp unter dem Motto „Schlechte Grüße aus Bitterfeld“ angemeldet.
Nach Einschätzung des vom Förderverein beauftragten Sicherheitsdienstes lasse sich selbst mit deutlich erhöhtem Personaleinsatz kein störungsfreier Ablauf für Besucher, Familien, Vereine und Händler garantieren. Der Verein spricht von bis zu 3.000 erwarteten Teilnehmenden aus der „linken Szene“, die laut Mitteilung auch in der „Grünen Lunge“ campieren dürften.
Die Verantwortung für die Situation weist der Förderverein der Stadtverwaltung Bitterfeld-Wolfen unter Oberbürgermeister Armin Schenk sowie dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld und Landrat Andy Grabner zu. Das Protestcamp sei bereits seit November 2025 angemeldet gewesen, die Planungen für das Stadtfest liefen seit Januar 2026. Eine offizielle Information über das Camp habe die Stadt erst am 9. Juli 2026 erteilt – und auch das nur auf Nachfrage des Vereins. Zu diesem Termin sei erstmals auf die Notwendigkeit eines erhöhten Sicherheitskonzepts hingewiesen worden, ohne dass konkretisiert wurde, was dies bedeute.
Eine Verlegung des Stadtfestes sei durch die späte Information nicht mehr möglich gewesen, da Künstler, Gastronomen und der Rummel seit Monaten fest gebucht seien. Über mögliche Vertragsstrafen herrsche noch Unklarheit. Der Verein verweist auf Erfahrungen aus Leipzig-Connewitz mit Ausschreitungen und Sachbeschädigungen und erklärt, solche Zustände wolle man in Bitterfeld nicht. Das nächste Stadtfest auf dem Bitterfelder Marktplatz ist bereits fest für den 3. bis 5. September 2027 eingeplant.
Organisatoren des Camps weisen Vorwürfe zurück
Die Aktionsgruppe 37a, die das Protestcamp organisiert, widerspricht der Darstellung des Fördervereins. Von dem Camp gehe nach Kenntnis der Organisatoren keine besondere Gefahrenlage aus. Das Motto „Schlechte Grüße aus Bitterfeld" sei eine kulturelle Referenz und keine Ankündigung von Gewalt oder Krawall – das Camp richte sich gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit.
Zusätzliche Sicherheitsauflagen für das Stadtfest seien der Gruppe nicht bekannt. Zum Zeitpunkt der Absage sei das Stadtfest nach ihrer Kenntnis bei der Stadt noch nicht entsprechend angemeldet gewesen.
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Die Absage fällt in einen sensiblen Kontext: Am gleichen Wochenende findet in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl statt.
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