Iran-Krieg

USA fliegen erstmals wieder Angriffe auf Iran – Trump behauptet Zerstörung von Ölzentrum Kharg

Die USA und Iran greifen sich erstmals seit Wochen wieder direkt an. Zugleich deutet Donald Trump einen folgenschweren Schlag gegen Irans Ölexporte an.

5 Min
Die Insel Kharg. Die dortigen Anlagen gehören damit zu den wichtigsten Bestandteilen der iranischen Energieinfrastruktur.

Die Insel Kharg. Die dortigen Anlagen gehören damit zu den wichtigsten Bestandteilen der iranischen Energieinfrastruktur.

© Nasa/imago

Die USA und der Iran haben sich erstmals seit mehr als einem Monat wieder gegenseitig angegriffen. US-Streitkräfte beschossen nach Angaben des Zentralkommandos Centcom zwei iranische Raketenwerfer auf der Insel Larak in der Straße von Hormus. Der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf zwei von den USA genutzte Luftwaffenstützpunkte in Jordanien.

Für zusätzliche Unruhe sorgte US-Präsident Donald Trump mit einer Äußerung zur iranischen Insel Kharg. „Kharg Island wird in Schutt und Asche gelegt“, schrieb Trump am Sonntag (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social. Weitere Angaben machte er nicht. Dem Beitrag war ein Video mit schweren Explosionen beigefügt, das offenbar mithilfe von Künstlicher Intelligenz erzeugt worden war.

Unabhängige Hinweise auf einen Angriff gegen Kharg lagen zunächst nicht vor. Weder das Weiße Haus noch das US-Verteidigungsministerium beantworteten entsprechende Anfragen von Reuters.

Auch iranische Medien reagierten zunächst nicht auf Trumps Beitrag. Damit blieb unklar, ob der Präsident einen tatsächlichen Militäreinsatz verkünden, einen bevorstehenden Angriff andeuten oder lediglich den Druck auf Teheran erhöhen wollte.

Kharg ist für Irans Ölexporte entscheidend

Ein Angriff auf Kharg hätte weitreichende Folgen. Über die Insel wurden vor Beginn des Krieges am 28. Februar rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt. Die dortigen Anlagen gehören damit zu den wichtigsten Bestandteilen der iranischen Energieinfrastruktur.

Eine Beschädigung des Terminals könnte Irans wichtigste Einnahmequelle erheblich schwächen und die wirtschaftliche Krise des Landes verschärfen. Zugleich drohten weitere Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte. Iran ist der drittgrößte Erdölproduzent der Organisation erdölexportierender Länder Opec.

Kharg liegt rund 660 Kilometer westlich von Larak, dem Ziel des bestätigten US-Angriffs. Die kleine Insel Larak befindet sich nahe der Hafenstadt Bandar Abbas am Eingang zum Persischen Golf. Ihre Lage ermöglicht es den iranischen Revolutionsgarden, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu überwachen.

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USA melden „unmittelbare Bedrohung“

Nach Darstellung des US-Militärs hatten die Revolutionsgarden auf Larak Vorbereitungen getroffen, Raketen mit Seeminen in die Meerenge abzufeuern. Centcom bezeichnete den Angriff deshalb auf X als „begrenzte und präzise“ Maßnahme gegen Minenleger, von denen eine unmittelbare Gefahr ausgegangen sei.

„Iran hat die Bedrohung geschaffen, und das US-Militär hat sie beseitigt, um zivile Seeleute, die Handelsschifffahrt und den freien Welthandel zu schützen“, erklärte das Kommando in dem Post. Iranische Staatsmedien berichteten unterdessen von Toten und Verletzten unter Angehörigen der Revolutionsgarden und Zivilisten. Unabhängig bestätigt wurden diese Angaben zunächst nicht.

Die Revolutionsgarden bezeichneten den neuen US-Angriff laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars als „strategischen und tödlichen Fehler“ der Regierung Trump. Wenig später erklärten sie, die Luftwaffenstützpunkte al-Asrak und King Hussein in Jordanien mit Raketen und Drohnen angegriffen zu haben. Nach iranischer Darstellung wurden technische Einrichtungen, Wartungsanlagen und Stellungen von Kampfflugzeugen getroffen.

Jordanien teilte dagegen mit, seine Luftverteidigung habe acht in den Luftraum eingedrungene Raketen abgefangen und zerstört. Sie seien ausgeschaltet worden, bevor sie Menschen oder Gebäude gefährden konnten. Berichte über größere Schäden an den US-Stützpunkten gab es zunächst nicht. In Jordanien sind nach Angaben des Wall Street Journal fast 4000 amerikanische Soldaten stationiert.

Minenstreit löst neue Eskalation aus

Der Angriff auf Larak war der erste bestätigte US-Militäreinsatz gegen Iran seit dem 29. Juli. Trump hatte die Angriffe damals auf Bitten arabischer Verbündeter vorerst einstellen lassen, um den diplomatischen Bemühungen eine weitere Chance zu geben.

Erst wenige Tage vor dem neuen Schlag hatte der Präsident erklärt, die internationalen Schifffahrtsrouten in der Straße von Hormus seien vollständig von Minen geräumt. Zugleich warnte er Teheran, jedes Schiff oder Boot, das neue Minen ausbringe, werde „sofort und systematisch zerstört“.

Die iranischen Revolutionsgarden widersprechen Trumps Darstellung, wonach die Meerenge wieder geöffnet sei. Nach ihrer Auffassung bleibt die Durchfahrt für Schiffe ohne iranische Genehmigung gesperrt.

Am Wochenende sank die Zahl der anhand ihrer Ortungssysteme sichtbaren Frachtschiffe in der Straße von Hormus laut Reuters auf fünf pro Tag. Tatsächlich könnten es mehr gewesen sein, da manche Besatzungen ihre automatischen Identifikationssysteme aus Sorge vor Angriffen abschalten.

Vor dem Krieg wurden durch die Meerenge fast ein Fünftel der weltweiten Transporte von Rohöl und Flüssigerdgas abgewickelt. Die Nachricht von den neuen Angriffen ließ die Preise erneut steigen: Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Sonntag um 2,8 Prozent auf 90,57 Dollar je Barrel. US-Rohöl legte um 2,7 Prozent auf 85,64 Dollar zu.

Washington erhöht auch wirtschaftlichen Druck

Die militärische Eskalation durchbricht eine Phase, in der Washington vor allem auf Sanktionen und die Blockade iranischer Häfen gesetzt hatte. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte gegenüber Reuters an, künftig voraussichtlich jede Woche neue Sekundärsanktionen zu verhängen. Zunächst sollen Banken getroffen werden, die iranisches Geld verwahren oder Geschäfte mit Teheran ermöglichen.

Als möglichen nächsten Schritt nannte Bessent den vollständigen Ausschluss eines Finanzinstituts aus dem dollarbasierten Zahlungssystem. Die USA hatten zuvor bereits die Niederlassungen der ägyptischen Banque Misr in den Vereinigten Arabischen Emiraten wegen angeblicher Verbindungen zum Iran mit Sanktionen belegt.

Diplomatische Fortschritte sind weiterhin nicht erkennbar. Das Weiße Haus erklärte zuletzt, zwischen Washington und Teheran fänden derzeit keine Verhandlungen statt. Iran und Oman sprechen zwar weiter über eine Regelung zur Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Teheran macht deren Umsetzung jedoch von weitergehenden Vereinbarungen mit den USA und von der regionalen Sicherheitslage abhängig.

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