Die ifo Niederlassung Dresden hat eine Landkarte der Angst vor Kriminalität in Deutschland vorgelegt. Am meisten fürchten sich Menschen in Teilen Ostdeutschlands und in Berlin, am wenigsten im Norden.
Besonders auffällig ist ein Vergleich: Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt verzeichnen mit jeweils etwa 8000 Straftaten je 100.000 Einwohner ähnlich viele Delikte. Trotzdem ist die Furcht im Norden gering und im Osten hoch.
Wo die Angst vor Kriminalität am größten ist
Die höchste Kriminalitätsfurcht messen die Forscher in Sachsen-Anhalt, in weiten Teilen Sachsens rund um Leipzig und Chemnitz sowie in Berlin.
Am anderen Ende der Skala steht der Norden. In Schleswig-Holstein, in weiten Teilen Niedersachsens mit den Regionen Braunschweig, Weser-Ems und Lüneburg sowie im hessischen Regierungsbezirk Kassel ist die Sorge am geringsten.
„Die Angst vor Kriminalität hängt jedoch nur begrenzt mit der tatsächlichen Kriminalität zusammen“, sagt Grega Ferenc, Doktorand der ifo Niederlassung Dresden.
Als Beispiel nennt er zwei Länder mit ähnlicher Belastung: In Schleswig-Holstein sei die Furcht sehr gering, in Sachsen-Anhalt dagegen „erstaunlich hoch“ – bei jeweils etwa 8000 Straftaten je 100.000 Einwohner.
Deutschland gilt als sicher – trotzdem ist die Sorge groß
Deutschland zählt laut der ifo-Analyse zu den sichersten Ländern der Welt. Die Mord- und Mordversuchsrate lag 2023 bei 0,91 pro 100.000 Einwohner und damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt.
Im Global Peace Index 2024 rangiert Deutschland unter den 20 sichersten Staaten. Dennoch überschätzen viele Menschen ihr persönliches Risiko erheblich.
Zwei Arten von Angst: Gefühltes Risiko und verändertes Verhalten
Die Auswertung unterscheidet zwei Formen der Angst. Die erste ist die Einschätzung des eigenen Risikos, in den nächsten zwölf Monaten Opfer zu werden – etwa durch Wohnungseinbruch, Diebstahl, Körperverletzung, sexuelle Gewalt, Hasskriminalität oder digitalen Identitätsdiebstahl.
Die zweite Form erfasst, wie stark Menschen ihr Verhalten anpassen: ob sie bestimmte Orte meiden, Schutzmaßnahmen ergreifen oder ihren Alltag umstellen.
„Nicht immer passt das Verhalten zur tatsächlichen Gefahr, Opfer eines Verbrechens zu werden“, sagt Marcel Thum, Leiter der ifo Niederlassung Dresden.
Am stärksten verändern Menschen ihren Alltag demnach in den Regionen um Hannover und Leipzig. Am wenigsten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen sie in Oberbayern und Oberfranken.
Wer sich am meisten fürchtet
Die Angst verteilt sich auch zwischen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich. Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss fürchten sich im Schnitt stärker als Menschen mit höherem Abschluss. Mit steigendem Alter nimmt die Furcht tendenziell ab.
Beim Einkommen zeigen sich keine Unterschiede. Auch zwischen Männern und Frauen ist die Angst insgesamt ähnlich stark ausgeprägt.
Bei einzelnen Delikten trennen sich die Wege: Frauen haben mehr Angst vor Sexualstraftaten und zeigen deutlich häufiger Vorsichtsverhalten. Sie meiden abends öfter Straßen, Plätze, Parks und öffentliche Verkehrsmittel und verlassen das Haus bei Dunkelheit eher nur, wenn es unbedingt nötig ist.
Die Auswertung beruht auf der ersten Welle des Panels zur Wahrnehmung von Kriminalität und Straftätern (PaWaKS) des Zentrums für kriminologische Forschung Sachsen aus dem Frühjahr 2022. Rund 5200 Personen nahmen teil. Die regionale Auswertung erfolgte auf Ebene der NUTS-2-Regionen, die in größeren Bundesländern den Regierungsbezirken entsprechen.
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