Das US-Militär hat nach eigenen Angaben fünf iranische Öltanker zerstört. Wenige Stunden später feuerte der Iran ballistische Raketen auf einen von amerikanischen Soldaten genutzten Stützpunkt in Jordanien. Die iranischen Revolutionsgarden meldeten zudem Angriffe auf zehn Schiffe in der Straße von Hormus.
Ob dabei Schiffe getroffen oder beschädigt wurden, war zunächst unklar. Eine unabhängige Bestätigung für die iranischen Angaben lag nicht vor. Der neue Schlagabtausch folgt auf einen Monat mit vergleichsweise wenigen direkten Angriffen zwischen Washington und Teheran.
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Iran-Krieg treibt Ölpreis über 100 US-Dollar
Die neuen Angriffe trieben den Ölpreis am Mittwochmorgen über eine wichtige Marke. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete im frühen Handel zunächst 99,33 US-Dollar. Im weiteren Verlauf stieg der Preis um rund 2,1 Prozent und überschritt erstmals seit Juli wieder die Marke von 100 US-Dollar.
Seit Anfang August hat sich Brent damit um rund ein Viertel verteuert. Händler fürchten, dass die Angriffe auf Tanker und Energieanlagen in Saudi-Arabien die Versorgung aus der ölreichen Region weiter einschränken könnten.
Vor Beginn des Krieges wurde etwa ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls durch die Straße von Hormus befördert. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge liegt weiterhin deutlich unter dem früheren Niveau. Am Dienstag passierten nach vorläufigen Daten des Schiffsanalysten Kpler lediglich sechs Frachtschiffe die Meerenge. Am Vortag waren es neun, der Durchschnitt der vergangenen zehn Tage lag bei etwa zwölf. Die Angaben sind allerdings unvollständig, weil einige Schiffe während der Fahrt ihre Ortungssysteme abschalten.
Bleibt der Rohölpreis dauerhaft auf diesem Niveau, können sich Benzin, Diesel und Heizöl verteuern. Auch Transport- und Produktionskosten steigen, wodurch der Konflikt den allgemeinen Preisauftrieb verstärken könnte.
USA greifen fünf iranische Öltanker an
Hintergrund: Nach Angaben des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos Centcom wurden die Tanker Kivik, Charminar, Horizon 1 und Riesco im Golf von Oman zerstört. Ein fünftes Schiff, die Derya, wurde nahe der iranischen Insel Charg angegriffen.
Die Besatzungen seien zuvor aufgefordert worden, ihre Schiffe zu verlassen, erklärte Centcom. Auch das iranische Staatsfernsehen berichtete von Angriffen auf Tanker nahe dem Hafen Dschask und der Insel Charg. Die Mannschaften seien evakuiert worden. Berichte über Tote oder Verletzte gab es zunächst nicht.
Das US-Militär veröffentlichte Aufnahmen, auf denen unter anderem der Untergang der Riesco zu sehen sein soll. Centcom bezeichnete die Tanker als Teil eines Schattennetzwerks, dessen Einnahmen die iranischen Revolutionsgarden und mit Teheran verbündete Gruppen finanzierten.
Bereits am Samstag hatten die USA drei iranische Öltanker zerstört. Damit griff das US-Militär innerhalb von vier Tagen insgesamt acht Tanker an.
Marco Rubio kündigt weitere Angriffe an
Washington begründete die jüngsten Angriffe mit zwei iranischen Versuchen, ein US-Marineschiff mit ballistischen Raketen zu treffen. Das Schiff sei den Geschossen ausgewichen und habe seine Patrouille fortgesetzt, teilte Centcom mit. Amerikanische Soldaten seien nicht verletzt worden.
US-Außenminister Marco Rubio drohte dem Iran mit weiteren Angriffen auf dessen Tanker. „Der Iran versucht weiterhin, US-Marineschiffe zu treffen. Jedes Mal, wenn er das tut oder es versucht, wird er Tanker verlieren“, sagte Rubio während eines Besuchs in Kolumbien, wie die Associated Press berichtet.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten anschließend, zwei US-Schiffe und acht Öltanker in der Straße von Hormus angegriffen zu haben. Die Schiffe hätten versucht, eine von Teheran als „verboten und unsicher“ bezeichnete Zone zu durchqueren. Das US-Militär äußerte sich zunächst nicht zu der Darstellung.
Iran greift US-Stützpunkt in Jordanien an
Der Iran feuerte zudem ballistische Raketen auf einen von US-Truppen genutzten Militärstützpunkt nahe der jordanischen Stadt Al-Azraq. Die Revolutionsgarden behaupteten, dort schwere Schäden verursacht zu haben.
Jordaniens Streitkräfte widersprachen dieser Darstellung. Die Luftabwehr habe 18 von 20 Raketen abgefangen. Zwei weitere Geschosse seien in unbewohntem Gebiet niedergegangen. Opfer habe es nicht gegeben.
Ein US-Regierungsvertreter bezeichnete den Angriff gegenüber Reuters als wirkungslos. Alle amerikanischen Soldaten seien vollzählig. Jordanien beherbergt US-Truppen und wurde seit Kriegsbeginn bereits mehrfach vom Iran angegriffen. Bei einer Attacke im Juli wurden mindestens zwei amerikanische Militärangehörige getötet.
Huthi greifen Städte und Ölanlagen in Saudi-Arabien an
Auch die mit dem Iran verbündeten Huthi weiteten ihre Angriffe auf Saudi-Arabien aus. Die Miliz erklärte, mit Drohnen und Raketen einen Luftwaffenstützpunkt in Chamis Muschait sowie Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Abha, Nadschran und Dschasan angegriffen zu haben.
Saudi-arabische Behörden meldeten Brände und 73 Verletzte. Unter ihnen seien Frauen und Kinder. Von Reuters ausgewertete Satellitenbilder der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeigten eine dichte Rauchwolke über der Raffinerie in Dschasan und Rauch über einem Ölverteilzentrum in Abha.
Der Krieg begann am 28. Februar mit gemeinsamen Angriffen Israels und der USA auf den Iran. Die Kämpfe erfassen nun erneut mehrere Länder sowie die wichtigsten Schifffahrtswege für Öl und Flüssiggas am Persischen Golf und am Roten Meer.
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