Die Huthi-Rebellen haben nach Angaben jemenitischer Militärkreise am Donnerstag die Hafenstadt Mokha am Roten Meer eingenommen. Vier Vertreter der Regierungstruppen bestätigten den Fall der Stadt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Auch jemenitische und saudische Regierungsvertreter erklärten dem Wall Street Journal, Mokha befinde sich nun unter Kontrolle der mit dem Iran verbündeten Miliz.
Zwei Einwohner berichteten der Nachrichtenagentur AP, Huthi-Kämpfer hätten sich nach ihrem Einmarsch an wichtigen Kreuzungen verteilt. In den Straßen seien Fahrzeuge der Miliz zu sehen gewesen. Geschäfte hätten geschlossen und sämtliche Straßen von der Westküste nach Mokha seien gesperrt worden. AP konnte diese Angaben nicht unabhängig überprüfen.
Mokha liegt rund 80 Kilometer von der Meerenge Bab al-Mandab entfernt und war bislang von Truppen der international anerkannten jemenitischen Regierung gehalten worden. Die Stadt ist ein wichtiger Versorgungsstützpunkt für deren Verbände an der Westküste. Zuvor hatten die Huthis bereits das Gebiet Al-Shaqira erobert, über das Nachschubwege zwischen der Provinzhauptstadt Taiz und der Küste verlaufen.
Regierungstruppen ziehen sich zurück
Nach Angaben von Reuters zogen sich Regierungseinheiten und ihre Verbündeten entlang der Küste nach Süden in Richtung Dhubab zurück, um sich dort neu zu formieren.
Die Huthis greifen nach Angaben jemenitischer Militärvertreter inzwischen auch die strategisch wichtigen Hanisch-Inseln im Roten Meer an. Dhubab liegt unmittelbar am Bab al-Mandab gegenüber der Insel Perim. Die Kontrolle über beide Orte gilt als entscheidend, um die Meerenge militärisch zu beherrschen.
Die Einnahme Mokhas sei ein schwerer strategischer Rückschlag für die Nationalen Widerstandskräfte und die von Saudi-Arabien geführte Koalition, sagte der Golfexperte Umer Karim von der Universität Birmingham dem Wall Street Journal. Ein weiterer Vormarsch würde den Einfluss der Huthis auf den Schiffsverkehr durch die Meerenge erheblich vergrößern.
Wichtige Route für Ölexporte
Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean. Durch die auch als „Tor der Tränen“ bezeichnete Meerenge werden Öl und Treibstoffe aus der Golfregion in Richtung Mittelmeer sowie Waren nach Asien transportiert.
Die Route ist für Saudi-Arabien wichtiger geworden, seit der Iran-Krieg den Verkehr durch die Straße von Hormus massiv eingeschränkt hat. Vor dem Krieg wurden dort rund 20 Prozent des weltweit verbrauchten Öls transportiert.
Am Mittwoch durchquerten nach vorläufigen Schiffsdaten lediglich sieben Schiffe die Straße von Hormus, halb so viele wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Tage. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent lag am Donnerstag bei mehr als 100 Dollar, umgerechnet rund 86 Euro.
Bürgerkrieg flammt wieder auf
Der Fall Mokhas folgt auf tagelange Gefechte und wochenlangen Beschuss. Der Hafenbetrieb war bereits Mitte August eingestellt worden, nachdem innerhalb weniger Tage mehr als 25 Raketen eingeschlagen waren. In dieser Woche griffen die Huthis zudem Energieanlagen und einen Militärstützpunkt im Süden Saudi-Arabiens mit Raketen und Drohnen an. Dabei wurden Dutzende Menschen verletzt.
Regierungstruppen griffen nach Angaben von AP Huthi-Verstärkungen westlich von Taiz aus der Luft an. Der von den Huthis kontrollierte Fernsehsender Al-Masirah meldete zugleich rund 40 Luftangriffe in den Provinzen Taiz, Al-Dschauf, Hodeida und Marib. Unabhängig bestätigt wurde diese Zahl zunächst nicht.
Die Kämpfe sind die schwersten im Jemen seit Jahren. Eine von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenruhe hatte die größeren Gefechte im Jahr 2022 weitgehend beendet, aber keine dauerhafte politische Lösung gebracht. Die Huthis kontrollieren seit der Eroberung der Hauptstadt Sanaa im Jahr 2014 große Teile des Nordens.
Von den Huthis veröffentlichtes Bild eines mutmaßlichen Raketenangriffs auf Militärtransporter im Jemen am 7. September 2026.
© Houthi Group Press Service/imago
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