PEN Berlin

Nach Hinrichtung eines jungen Rappers: Berlin veranstaltet „Abend für den Iran“

Der PEN Berlin widmet dem Opfer einen Abend der Andacht. Ein Anlass, um die Missstände im Iran zu diskutieren – Betroffene erzählen.

Ben Bruinier
3 Min
PEN-Mitglied Daniela Sepheri fordert mehr Sichtbarkeit für die dramatische Lage im Iran.

PEN-Mitglied Daniela Sepheri fordert mehr Sichtbarkeit für die dramatische Lage im Iran.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Ein junger Musiker aus dem Iran ist tot. Opfer des eigenen Staates. Erfan Mirzaei, 21 Jahre alt und als Rapper bekannt, wurde in iranischer Haft gefoltert und schließlich möglicherweise hingerichtet.

Festgenommen wurde er ursprünglich im Zusammenhang mit den Protesten gegen das Regime am Jahresanfang. Offen bleibt bislang, ob eine Hinrichtung oder die Folter zu seinem Tod führte.

Abend der Solidarität

Diesen Freitagabend nimmt die Schriftstellervereinigung PEN Berlin den Vorfall zum Anlass, ab 19.30 Uhr einen „Abend für den Iran“ im Haus der Berliner Festspiele zu veranstalten. Der Abend soll dazu dienen, Mirzaei zu gedenken, aber auch diejenigen zu würdigen, die dem iranischen Regime immer noch die Stirn bieten.

Es ist eine Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival Berlin. Der Fokus liegt an dem Abend außerdem auf Literatur aus dem Iran.

Protest durch Musik

Der musikalische Act des Abends, Beharad Ali Konari gehört zu den Musikern der iranischen Protestbewegung. Mit seinem Rap-Song „Herr Präsident“ ging er 2020 viral. Der Text des Songs richtet sich stark gegen die Machthaber im Iran.

Neben der Musik als Form des Protest, nahm er an vielen Demonstrationen teil, auch bei den „Frau, Leben, Freiheit“-Protesten im Jahr 2022. Bei jener Protestwelle geriet er in Haft und erlitt schwere Folter im Gefängnis. Anfang 2026 konnte er mit einem Visum, das er durch eine deutsche Hilfsorganisation erlangt hatte, das Land verlassen.

Am Freitagabend steht ausgerechnet er nun auf der Bühne in Berlin und beleuchtet durch seine Musik die Geschichten der Opfer im Iran. Auch die im Exil lebende Lyrikerin Mahtab Yaghma wird von ihren Erfahrungen erzählen und aus einem ihrer Werke vorlesen. Sie entging 2024 nur knapp einem Todesurteil im Iran.

Falscher Fokus

Daniela Sepheri, Boardmitglied von PEN Berlin, übt starke Kritik an der deutschen Politik: „Während die Bundesregierung zur Menschenrechtslage in Iran schweigt und einen Tunnelblick auf die Straße von Hormus hat, verschärft das iranische Regime seine Repression in dramatischem Ausmaß. Es braucht viel mehr Sichtbarkeit für die Freiheitsbewegung im Iran.“

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