Selten kommt es vor, dass in diesem Land eine Bahnstrecke, die einmal verschwunden ist, wiederbelebt wird. Greifswald und Lubmin bewiesen am 11. Juli 2026, dass es auch anders gehen kann. Erstmals seit 27 Jahren gab es im Sommer wieder eine direkte Bahnverbindung von der Universitätsstadt zum Seebad und zurück.
Sieben Wochenenden lang rollte die Sommerlinie RB29 zwischen beiden Orten - betrieben von der Pressnitztalbahn im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Verkehrsminister Wolfgang Blank, der bei der Jungfernfahrt dabei war, bezeichnete die Reaktivierung als wichtiges Zeichen für den öffentlichen Nahverkehr im Land und als Teil einer breiteren Mobilitätsoffensive. Es war der Versuch, ob eine alte Verbindung in neuer Zeit wieder eine Zukunft haben kann.
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Fast 1.000 Fahrgäste an guten Tagen
Nun ist der Testbetrieb vorbei und eine entscheidende Frage steht im Raum. Bleibt die Bahn auch künftig? Die erste Bilanz fällt jedenfalls nicht ganz schlecht aus. An die 8.200 Fahrgäste nutzten das Angebot während der Testphase. Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Bündnis90/Grüne) wertet das als klares Signal für die Wirtschaftlichkeit der Strecke und will sich gemeinsam mit den Partnern für eine Fortsetzung einsetzen.
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MehrFür die Stadt ist das Ziel klar: Aus der saisonalen Verbindung soll perspektivisch ein regulärer Zugverkehr zwischen Greifswald und Lubmin werden. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn fordert, die Strecke in den regulären Personenverkehr zu übernehmen.
Das Verkehrsministerium des Landes zieht ebenfalls eine positive Bilanz. „Die Sommerlinie zwischen Greifswald und Lubmin wurde von den Fahrgästen gut angenommen“, teilte es auf Anfrage der OAZ mit. Gleichzeitig dämpft das Ministerium allzu große Euphorie. Denn die Zahlen zeigen auch, wie abhängig die Nachfrage vom Wetter war. An besonders schönen Tagen stiegen knapp 1.000 Fahrgäste in die Züge, bei schlechtem Wetter waren es dagegen weniger als 300. Genau diese Schwankungen dürften bei der Entscheidung über eine dauerhafte Verbindung eine Rolle spielen.
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Jetzt sitzen Land und Kommunen am Tisch
Wie es weitergeht, soll nun gemeinsam mit den Akteuren vor Ort besprochen werden. Dazu gehören der Landkreis Vorpommern-Greifswald, die Hansestadt Greifswald und das Seebad Lubmin. Erst danach wird über die Zukunft der Sommerlinie entschieden, heißt es.
Das Land macht dabei keinen Hehl daraus, dass eine dauerhafte Verbindung an zwei Voraussetzungen hängt. Zum einen müsse es genügend Fahrgastpotenzial geben, zum anderen die Finanzierung geklärt sein.
Und gerade beim Geld liegt der Knackpunkt. Denn der Schienenpersonennahverkehr wird aus Regionalisierungsmitteln finanziert, die der Bund den Ländern zur Verfügung stellt. Nach Angaben des Ministeriums reichen diese Mittel schon heute bei Weitem nicht aus. Gleichzeitig sind die Trassenpreise der DB InfraGO stark gestiegen. Die Länder setzen sich deshalb für höhere Regionalisierungsmittel ein und gehen gegen die gestiegenen Trassenpreise sogar gerichtlich vor.
Eine dauerhafte Bahnverbindung nach Lubmin müsste sich demnach in einem ohnehin angespannten Finanzierungssystem behaupten, und zwar gegen andere Verkehrsprojekte.
Rund 8.200 Fahrgäste nutzten in der Testphase die Bahnverbindung zwischen Greifswald und Lubmin.
© Danilo Vitense/Ostdeutsche Allgemeine
Es geht nicht nur um den Zug, Infrastruktur kostet auch
Es geht aber nicht nur darum, einen Zug fahren zu lassen. Laut Ministerium müssen auch mögliche Investitionen in die Infrastruktur berücksichtigt werden. Bei einer Verbindung, die vor allem touristisch genutzt wird, stellt sich zudem die Frage, ob sich die Kommunen finanziell beteiligen. Das Verkehrsministerium deutet damit an, dass eine dauerhafte Lösung möglicherweise nicht allein aus Landesmitteln bezahlt werden kann.
Damit ist die Ausgangslage klar. Die Testphase hat ein Argument für die Bahn geliefert und gezeigt, dass die Strecke angenommen wird. Sie hat allerdings noch nicht gezeigt, ob sich ein dauerhafter Betrieb wirtschaftlich und finanziell darstellen lässt.
Der Fahrgastverband Pro Bahn lässt sich von den offenen Finanzierungsfragen jedoch nicht bremsen. Der Landesvorsitzende Marcel Drews verlangt nicht nur den Fortbestand der Verbindung Greifswald-Lubmin, sondern weitere Reaktivierungen und eine bessere Vernetzung der Regionen. Als Beispiele nennt der Verband unter anderem die Strecke Barth–Prerow. Auf der Wunschliste steht auch eine Direktverbindung zwischen Rostock und Neubrandenburg.
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Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zuletzt mit erheblichen Summen vorangetrieben. Nach früheren Angaben des Verkehrsministeriums flossen zwischen 2023 und 2025 rund 120 Millionen Euro in die Verbesserung der Mobilität. Für 2026 sind weitere rund 60 Millionen Euro vorgesehen.
Die temporäre Rückkehr der Bahn nach Lubmin ist somit auch ein Testfall dafür, wie viel sich das Land zusätzliche Bahnverbindungen künftig leisten kann.
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