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Eskalation

Nach Angriff auf Ölpipeline: Saudi-Arabien soll Trump um Militärhilfe gebeten haben

Der Irak bestätigt, dass die Drohnen von seinem Staatsgebiet gestartet wurden, und entlässt einen Kommandeur. Zugleich nehmen die Huthis eine strategische Insel am Bab al-Mandab ein.

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Schwarzer Rauch nahe der saudischen Ost-West-Pipeline südöstlich von Medina.

Schwarzer Rauch nahe der saudischen Ost-West-Pipeline südöstlich von Medina.

© Copernicus Sentinel Data/AFP

Saudi-Arabien hat seine zentrale Ost-West-Ölpipeline nach einem Drohnenangriff vorsorglich stillgelegt. Kronprinz Mohammed bin Salman soll US-Präsident Donald Trump daraufhin um militärische Hilfe gebeten haben. Das berichtet Reuters unter Berufung auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen.

Demnach telefonierte der Kronprinz am Donnerstag mindestens zweimal mit Trump. Die USA seien derzeit nicht zu einem direkten militärischen Eingreifen bereit, wollten Saudi-Arabien aber mit Geheimdienstinformationen und bei der Auswahl möglicher Ziele unterstützen.

Das Weiße Haus bestätigte die Telefonate zunächst nicht. Ein Vertreter erklärte lediglich, Washington stehe im ständigen Austausch mit der saudischen und der international anerkannten jemenitischen Regierung.

Irak entlässt Kommandeur nach Drohnenangriff

Die Drohnen hatten am Donnerstag Pumpstationen in den saudischen Regionen Riad und Medina getroffen. Dabei entstanden mehrere Brände, einige Menschen wurden verletzt. Das Energieministerium in Riad erklärte, die rund 1200 Kilometer lange Pipeline sei vorsorglich außer Betrieb genommen worden. Wie schwer die Anlagen beschädigt wurden und wann die Leitung wieder genutzt werden kann, blieb zunächst offen.

Die Regierungen Saudi-Arabiens und des Iraks erklärten inzwischen, die Drohnen seien vom irakischen Staatsgebiet aus gestartet worden. Nach Angaben aus Bagdad lag der Startort in der südöstlichen Provinz Maysan, die an den Iran grenzt. Dort sind mehrere mit Teheran verbündete schiitische Milizen aktiv.

Der irakische Ministerpräsident entließ daraufhin den für die Provinz zuständigen Militärkommandeur. Zudem ordnete die Regierung eine groß angelegte Suche nach den Verantwortlichen an. Nach Angaben irakischer Sicherheitskreise wurde auch der Grenzübergang Schalamtscheh zum Iran vorübergehend geschlossen.

Bislang hat keine Gruppe den Angriff auf die Pipeline für sich reklamiert. Ein direkter Zusammenhang mit den Huthis im Jemen ist nicht belegt.

Saudi-Arabien habe auf Bitte des irakischen Ministerpräsidenten zunächst von einem Gegenschlag abgesehen, berichtet Reuters. Riad behalte sich jedoch weitere Maßnahmen vor.

Pipeline umgeht die Straße von Hormus

Die Ost-West-Pipeline verbindet die saudischen Ölfelder am Persischen Golf mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer. In den vergangenen Monaten wurden nach Angaben von Reuters täglich zwischen vier und fünf Millionen Barrel durch die Leitung transportiert. Das entspricht etwa vier bis fünf Prozent des weltweiten Ölverbrauchs.

Die Pipeline ist derzeit besonders wichtig, weil sie die Straße von Hormus umgeht. Seit Israel und die USA den Iran angreifen und Teheran mit Attacken auf Schiffe und Energieanlagen reagiert, ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge stark eingebrochen.

Saudi-Arabien konnte einen Teil seiner Exporte deshalb nach Yanbu verlagern. Durch die Stilllegung der Pipeline fällt nun auch diese Ausweichroute zumindest vorübergehend aus.

Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur sank die saudische Rohölversorgung im August um 2,3 Millionen Barrel pro Tag auf sechs Millionen Barrel. Das wäre der niedrigste Stand seit mehr als drei Jahrzehnten.

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Huthis nehmen Insel am Bab al-Mandab ein

Gleichzeitig verschärft sich die Lage am südlichen Zugang zum Roten Meer. Huthi-Kämpfer haben nach übereinstimmenden Angaben mehrerer jemenitischer Regierungsvertreter die strategisch wichtige Insel Mayun eingenommen. Die auch als Perim bekannte Insel liegt in der nur rund 28 Kilometer breiten Meerenge Bab al-Mandab.

Die Huthis hatten zuvor bereits den Hafen von Mokha und weitere Küstengebiete erobert. Damit wächst ihr Einfluss auf eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Europa. Ein Vertreter der Huthis bestätigte die Einnahme der Insel gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Die Gruppe erklärte, die Passage bleibe für die internationale Schifffahrt geöffnet. Saudische Schiffe seien davon jedoch ausgenommen. Nach Angaben des Branchendienstes Lloyd’s List Intelligence ist der Verkehr durch den Bab al-Mandab seit Beginn der Huthi-Angriffe Ende 2023 bereits um rund 60 Prozent zurückgegangen.

Reuters hatte zuvor unter Berufung auf zwei iranische Quellen berichtet, die iranischen Revolutionsgarden hätten die jüngsten Vorstöße der Huthis begleitet. Teheran bezeichnet die Gruppe als Verbündeten, bestreitet jedoch, ihre militärischen Operationen zu steuern.

Ölpreis bleibt über 100 US-Dollar

Die Angriffe auf die saudische Infrastruktur und der Vormarsch der Huthis halten die Ölpreise auf hohem Niveau. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent schloss am Freitag bei 104,61 US-Dollar. Damit legte er innerhalb einer Woche um mehr als acht Prozent zu.

Der Preis für US-Öl der Sorte WTI lag bei 100,05 US-Dollar. Zwischenzeitlich erreichten beide Sorten den höchsten Stand seit Mitte Mai.

Für Montag sind nach bisherigen Berichten Gespräche im omanischen Salalah geplant. Vertreter des Irans, der Golfstaaten und des Iraks wollen dort über eine vorübergehende Vereinbarung für sichere Transporte durch die Straße von Hormus beraten. Auch die Außenminister Saudi-Arabiens und des Irans sprachen am Donnerstag miteinander und erörterten nach iranischer Darstellung Wege zur Wiederherstellung der Stabilität.

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