Britpop-Stars

Mehr als eine Band – Die Oasis-Doku zementiert das gelungene Comeback

In den Neunzigern war Oasis die größte Band der Welt. Dann zerstritten sie sich – 16 Jahre Funkstille. 2025 gab es die große Reunion. Nun gibt es den Film.

Ben Bruinier
4 Min
Oasis-Fans in Deutschland können die Reunion-Tor in der Doku miterleben.

Oasis-Fans in Deutschland können die Reunion-Tor in der Doku miterleben.

© Scott A Garfitt/Invision/AP/dpa

Im Sommer 2025 kam es vielleicht zur größten Rock-Reunion aller Zeiten. Die Streithähne Liam und Noel Gallagher kündigten 16 Jahre nach ihrem eigentlich endgültigen Kontaktabbruch eine Comeback-Tour an.

Für viele Fans grenzte diese Botschaft an ein Wunder. Dass die Brüder noch einmal eine Bühne teilen würden, hatten die meisten Anhänger schon lange abgeschrieben. Insgeheim hofften noch viele. Die Gebete wurden schließlich erhört.

Die legendäre Comeback-Tour wurde dokumentiert. Der Film wurde geschrieben und produziert von Stephen Knight. Will Lovelace und Dylan Southern führten Regie. Die Doku läuft noch vereinzelt in den deutschen Kinos. Von Ende des Jahres an wird sie auf dem Streamingdienst Disney+ abrufbar sein.

Die Dokumentation erzählt die Geschichte der großen Reunion und begleitet die Band auf Tour durch die Welt. Eindrücklich wird deutlich, wie viel Oasis den Menschen bedeutet.

Manchester- Madness

Die Szenen von den Konzerten in Manchester, der Heimatstadt der Band zeigen, dass die Gallagher-Brüder weit über den Status der Britpop-Legenden hinausgewachsen sind. Oasis ist mehr. Die Band hat fast schon einen religiösen Status. In Manchester ist an jenem Tag der Rock-Messias zurückgekommen.

Wiedersehen nach „Gallagher-Art“

Besondere Momente liefert der Film allerdings bereits lange bevor die Band das erste Mal wieder zusammen auf der Bühne steht. Einblicke in die ersten gemeinsamen Proben zeigen den Moment, der ersten Begegnung nachdem Noel und Liam 16 Jahre nicht miteinander geredet hatten.

Der Moment ist herrlich lustig: Noel probt mit der Band. Dann marschiert Liam in den Raum, meckert umgehend, zögert jedoch nicht mit dem Startkommando. Die Band fängt an zu spielen, Liam schreit darauf die Songs aggressiv ins Mikrofon und haut prompt wieder ab – Noel schenkt er dabei kaum Beachtung.

Nervös, erlöst, überwältigt

Die Szenen, die das erste Konzert in Cardiff zeigen, vermitteln den Zuschauern, wie viel das Ereignis auch der Band bedeutet. Noel Gallagher räumt im Interview in der Doku ein, dass er in den ersten 40 Minuten des Auftritts völlig neben sich stand und gerne eine kleine Pause gemacht hätte. Die emotionale Wucht des Moments habe er unterschätzt.

Die Doku begleitet die Rockstars durch die ganze Welt. Geschickt beleuchtet sie dabei, was Oasis eigentlich bedeutet. Es sind die kleinen Geschichten mit großer Bedeutung. Von Oasis-Fans in der ganzen Welt, von Brasilien bis nach Tokio. Oasis ist für alle da. Ob jung oder alt, Mann oder Frau, arm oder reich.

Oasis als Zeitkapsel

Vor allem die enorme Anzahl der jungen Menschen, die die Konzerte besuchen und die Songs der Band mitgrölen, ist bemerkenswert. In den Neunzigern, als der Oasis-Zug ins Rollen kam, haben sie noch gar nicht gelebt. Doch die Songs von Oasis wurden zum Erbgut der Familien. Die erste Oasis-Generation hat sie an ihre Kinder weitergegeben. Die Musik resoniert genauso mit den jungen Menschen heute, wie damals. Sie gibt ihnen Halt, wie in der Doku zum Ausdruck kommt.

Dass die Doku im Kino funktioniert, liegt auch an der Musik. Vor allem, weil die Band wirklich gut klingt. Die Gitarrenriffs sitzen und Liams Stimme klingt rauer und energischer denn je.

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Konzert im Kinosaal

Einige der wichtigsten Oasis-Songs aus der Setlist kriegt man im Film fast in voller Länge serviert – als Live-Versionen der aktuellen Konzerte. Bei den Ekstase-Songs wie „Hello“, „Acquiesce“ oder „Supersonic“ fällt es schwer still im Kinosessel sitzen zu bleiben. Spätestens, wenn die emotionalen Hymnen wie „Live Forever“ oder „Don´t Look Back In Anger“ durch die Kinolautsprecher dröhnen kriegt man Gänsehaut.

Liam und Noel Gallagher haben schon immer polarisiert – sie können gar nicht anders. Sie waren auch schon immer arrogant und launisch. Man kann die Dickköpfe mögen oder nicht – sie geben einem auf jeden Fall genug Gründe dies nicht zu tun. Die Anerkennung für die „Versöhnungstour“ und ihren Dokumentarfilm ist trotz allem völlig verdient.

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