Nirgendwo ist man als Fußballer so nah am Paradies wie in Jena. Das berühmte Ernst-Abbe-Sportfeld mit seinem Stadion, in dem einst der FC Carl Zeiss Jena zu DDR-Zeiten stattliche 87 oft denkwürdige Europapokalspiele bestritt, liegt mitten in einer grünen, idyllischen Parklandschaft an der Saale, die den Namen „Paradies“ trägt. Um im Bild zu bleiben: In den 1960er- und 1970er-Jahren erlebten die Spieler aus Jena, die damals die DDR-Oberliga dominierten, fast „paradiesische Zustände“.
Sie hatten mit Georg Buschner den damals besten Trainer der DDR und sie spielten einen sehr modernen, technisch eleganten, aber auch äußerst athletischen Fußball. Die Betreuung in der Universitätsstadt durch Ärzte und Physiotherapeuten war für die Kicker zudem exzellent.
In Jena der Größte
Zahlreiche Spieler, die das Zeiss-Trikot trugen, wurden zu Nationalspielern. Doch der Größte von allen war Mittelstürmer Peter Ducke. Der auf dem Platz exzentrische Typ war kein normaler Torjäger, er besaß einen ganz eigenen, einen unverwechselbaren Stil: ballverliebt, dribbelstark, elegant, impulsiv, fast artistisch.
Als junger Bursche habe ich Ducke in Jena und bei Länderspielen oft live gesehen und bewundert. In Jena gab es einst eine Umfrage, aus der hervorging, dass im Schnitt gut 6000 Zuschauer vor allem wegen Ducke ins Stadion pilgerten! Ich gehörte dazu.
Später, als Journalist, habe ich Peter Ducke, dessen älterer Bruder Roland auch ein hervorragender Kicker war, als liebenswerten, höflichen, eloquenten und kritischen Gesprächspartner kennengelernt. Das ist bis heute so geblieben. Nun steht Peter Ducke, der am 14. Oktober – man mag es kaum glauben – 85 Jahre alt wird, vor einer außergewöhnlichen Ehrung. Dazu später.
Sogar Pele ehrte Ducke
Ducke, der dreimal mit Jena DDR-Meister wurde und dreimal den FDGB-Pokal gewann, absolvierte 351 Oberligaspiele für die Thüringer und schoss 153 Tore. Hinzu kommen 41 Europacupspiele mit 14 Treffern. In 68 Länderspielen traf er zudem 15-mal.
Der DDR-Fußball hat viele überragende Spieler hervorgebracht, etwa Abwehr-Legende Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner, Mittelstürmer Joachim Streich oder den Edeltechniker Jürgen Nöldner. Doch die größte individuelle Klasse besaß Peter Ducke, rebellisch auf dem Platz, unangepasst außerhalb der Stadien. Als das Magazin Kicker 1999/2000 Deutschlands „Fußballer des Jahrhunderts“ kürte, schaffte es Ducke als einziger Spieler aus dem Osten in die Top Ten.
Genauso bedeutend war für Ducke das riesige Lob des weltberühmten Brasilianers Pele, der für viele als der beste Fußballer aller Zeiten gilt. Als die DDR-Auswahl in den 1960er-Jahren auf Südamerika-Tour ging, hatte der große Pele auch Ducke beobachtet. „Dieser Mann gehört zu den zehn besten Stürmern der Welt“, urteilte der Weltmeister damals.
Olympiasieger Lothar Kurbjuweit, in Jena und der Nationalelf Teamkamerad von Ducke, sagte einst: „Peter war eine Wundertüte. Man wusste nie, was er mit dem Ball macht. Er wusste das oft selbst nicht genau. Er war Weltklasse!“
Eine besondere Würdigung
Peter Ducke hat in seiner Karriere viele Ehrungen erlebt: „DDR-Sportler des Jahres“ (1965) oder „DDR-Fußballer des Jahres“ (1971). Und 1989 gehörte er natürlich zur „Super-Elf“ der DDR-Oberliga. 1999 wurde er zum „Sportler des Jahrhunderts von Jena“ gekürt. Was bleibt noch, um diesen Mann und sein Lebenswerk zu würdigen?
In Jena hat man sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Die Stadionbetreiber „Elf5“, die auch das Marketing für den FC Carl Zeiss umsetzen, haben unter Regie von Michael Stolz, der Ende der 1980er-Jahre selbst für Jena spielte, die populäre Veranstaltungsreihe „Sternstunden“ ins Leben gerufen. Dort werden in der Ad-hoc-Arena, so heißt das moderne Stadion im Ernst-Abbe-Sportfeld seit 2023, bekannte Jenaer Sportler vor Publikum vorgestellt. Leichtathleten wie Olympiasiegerin Heike Drechsler oder ehemalige Fußballer wie Lutz Lindemann.
Peter Ducke ist am Ernst-Abbe-Sportfeld noch immer ein gern gesehener Gast.
© KH
Für Peter Ducke aber wechseln die Organisatoren einmalig die Örtlichkeit, ziehen am 22. September unter dem Motto: „Der Griff nach den Sternen – die Ducke-Brüder“ in den Zeiss-Demo-Dom, ein kleines Planetarium, um. Vieles, was dort genau passieren soll, ist noch geheimnisumwittert.
Ein paar Tage vor der Ehrung habe ich Peter Ducke und seine Frau Marion ans Telefon bekommen. „Wir sind im Urlaub an der Côte d’Azur, ich schaue aufs Mittelmeer und ich bin fit“, sagte Peter Ducke. Seine Stimme – fest, klar und freundlich – klingt noch wie vor zehn Jahren. Er freue sich auf die Veranstaltung in Jena. Er lasse sich überraschen.
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Durchgesickert ist bislang, dass Foto- und Filmmaterial von den oft sehr spektakulären Toren von Ducke auf den Sternenhimmel im Planetarium projiziert werden. Aber der absolute Höhepunkt wird am Ende steigen: Peter Ducke soll einen eigenen, richtigen Stern am Firmament bekommen. Die Koordinaten und der Name werden dazu bei einem europäischen Institut registriert. Wie wird dieser besondere Stern heißen? Das Geheimnis wird natürlich erst am Ende der „Sternstunde“ gelüftet.
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