Eine russische Drohne hat nach ukrainischen Angaben am Donnerstag ein ziviles Schiff im Schwarzen Meer getroffen. Der Kapitän sei bei dem Angriff getötet worden, drei weitere Besatzungsmitglieder hätten Verletzungen erlitten.
Das Schiff fuhr unter tansanischer Flagge und war auf dem Weg zu einem ukrainischen Hafen, teilte das ukrainische Infrastrukturministerium mit. Welcher Hafen angesteuert wurde, ließ die Behörde offen.
Putin warnt Europa: Truppen in der Ukraine bedeuten Krieg mit Russland
Deck und Aufbauten des Schiffes beschädigt
Der Angriff ereignete sich am Donnerstagmorgen, erklärte der Gouverneur der Region Odessa, Oleh Kiper. Die Drohne habe das Deck und die Aufbauten des Schiffes beschädigt, berichtet der ukrainische öffentlich-rechtliche Sender Suspilne. Wie schwer das Schiff getroffen wurde und ob es weiterhin manövrierfähig ist, war zunächst nicht bekannt.
Inzwischen gibt es Hinweise auf die Identität des Schiffes. Das auf Schifffahrt spezialisierte Ukrainian Shipping Magazine berichtet unter Berufung auf ägyptische Medien, bei dem getroffenen Frachter könnte es sich um die „Mariam M“ handeln. Das Schiff habe sich im Bereich des Sulina-Kanals beziehungsweise der Bystre-Mündung befunden.
Auch der Schifffahrtsdienst Vesseltracker führt die „Mariam M“ als das getroffene Schiff und berichtet, der Unterkunftsbereich sei in Brand geraten und die Schiffsbrücke vollständig ausgebrannt. Die „Mariam M“ ist nach Angaben mehrerer Schiffsdatenbanken ein 1997 gebauter Frachter unter tansanischer Flagge. Eine offizielle Bestätigung des Schiffsnamens durch die ukrainischen Behörden liegt bislang nicht vor.
Russland meldet Angriffe auf vier Schiffe in Tschornomorsk
Parallel dazu erklärte das russische Verteidigungsministerium, seine Streitkräfte hätten im Hafen von Tschornomorsk drei Massengutfrachter und eine Fähre mit Drohnen getroffen. Die Schiffe hätten nach russischer Darstellung Nachschub für das ukrainische Militär transportiert. Das Ministerium veröffentlichte nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax auch Videoaufnahmen, die die Angriffe zeigen sollen.
Moskau nannte keine Schiffsnamen und legte keine Belege für die behauptete militärische Nutzung vor. Ob zwischen diesen Angriffen und dem Treffer auf das unter tansanischer Flagge fahrende Schiff ein Zusammenhang besteht, ist offen. Die ukrainischen Behörden erklärten, das zivile Schiff sei zum Zeitpunkt des Angriffs auf dem Weg zu einem Hafen gewesen. Russland wiederum spricht von Schiffen, die sich im Hafen von Tschornomorsk befunden hätten.
Angriffe treffen ukrainische Handelsrouten
Das ukrainische Infrastrukturministerium wirft Russland vor, systematisch Häfen, Hafenanlagen und zivile Handelsschiffe anzugreifen. Solche Attacken gefährdeten Besatzungen und die internationalen Handelsrouten im Schwarzen Meer, hieß es.
Wie groß die Folgen inzwischen sind, zeigen Zahlen der ukrainischen Regierung. Seit Beginn der russischen Invasion seien 1173 Anlagen der Hafeninfrastruktur und 274 zivile Schiffe beschädigt oder teilweise zerstört worden. Seit dem 22. Juli sei der Güterumschlag in den Häfen des Großraums Odessa um mehr als das Fünfzehnfache zurückgegangen. Die Angaben zu den Schäden lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Bereits am 19. Juli trafen nach ukrainischen Angaben drei russische Marschflugkörper den unter der Flagge von Guinea-Bissau fahrenden Frachter „Golden Leo“. Das mit Mais beladene Schiff war auf dem Weg von einem ukrainischen Hafen in Richtung Rumänien. Neun Besatzungsmitglieder und ein ukrainischer Lotse starben, acht Seeleute wurden gerettet. Reuters konnte damals bestätigen, dass es sich bei dem brennenden Schiff vor Odessa um die „Golden Leo“ handelte.
Eine Woche später sank der schwer beschädigte Frachter vor der ukrainischen Schwarzmeerküste.
Russland greift Ukraine mit 157 Drohnen an
Der Angriff auf das Schiff ereignete sich nach einer weiteren massiven russischen Angriffswelle. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland in der Nacht zum Donnerstag 157 Drohnen sowie Schiffsabwehr-, ballistische und Marschflugkörper ein. 131 Flugkörper und Drohnen seien abgeschossen oder elektronisch gestört worden. Treffer wurden demnach an 36 Orten registriert.
Zu den Hauptzielen gehörten die Regionen Kiew, Saporischschja und Odessa. In Odessa wurden nach Angaben ukrainischer Behörden sieben Menschen verletzt, darunter zwei Kinder. Wohnhäuser wurden beschädigt oder zerstört.
Ob der Angriff auf das zivile Schiff Teil dieser nächtlichen Angriffswelle war, ist bislang nicht geklärt.
Deutsche „Guerilla-Einheit“ beschafft der Ukraine Waffen binnen zwei Wochen
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]