Dražen Puškaš wollte Hornhechte fangen. Was er an einem Abend im September in Rijeka aus dem Wasser zog, hatte weder er noch einer der anderen Angler am Ufer je gesehen.
Am Haken hing ein Silberstreifen-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus), rund anderthalb Kilo schwer. Sein Gift übersteht jeden Kochtopf. Zuerst berichtete das kroatische Meeresportal Morski.hr über den Fang.
Angler in Rijeka: „Ich dachte, ich hänge am Grund fest“
Eine Dreiviertelstunde lang hatte nichts gebissen. Puškaš wechselte auf einen 40-Gramm-Jig und ließ ihn bis zum Grund sinken. Nach dem dritten Wurf wurde die Leine schwer.
Er tippte erst auf einen Hänger, dann auf einen Meeraal, weil sich die Schnur ohne jedes Zucken einholen ließ. Erst kurz vor dem Ufer habe sich der Fisch gewehrt, erzählte er dem Portal. An der Oberfläche zeigte er graue Flecken auf dem Rücken.
Unbekannte Fische fasst Puškaš grundsätzlich nur mit der Zange an. Das Foto, das er danach machte, brachte ihn per Internetsuche auf den Namen.
Kugelfisch-Gift: Kochen hilft nicht
Der Fisch enthält Tetrodotoxin. Das Nervengift sitzt vor allem in Leber und Geschlechtsorganen, laut dem kroatischen Meeresforscher Pero Ugarković aber auch in Haut und Fleisch. Hitze und Frost machen es nicht unschädlich.
In einem Folgebericht des Portals widerspricht Ugarković einem Irrtum aus den Kommentarspalten. Mit der japanischen Fugu-Delikatesse habe diese Art nichts zu tun, in Japan sei ihre Zubereitung gar nicht erlaubt.
Beim Anfassen sieht er kaum Vergiftungsgefahr, solange man sich danach die Hände wäscht. Gefährlicher sind die schnabelartigen Zähne, mit denen der Fisch in Griechenland Fischernetze zerlegt.
Giftfisch landet im Museum Rijeka
Über Ugarković und den Helfer Andrej Simčić wurde das Tier noch am späten Abend am Strand abgeholt. Heute liegt es im Naturhistorischen Museum Rijeka.
Tote Exemplare dürfen nicht am Ufer liegen bleiben, warnt der Forscher, weil Hunde oder Katzen sie fressen könnten. Funde sollen dem Institut für Ozeanografie und Fischerei in Split gemeldet werden.
Zweiter Fund bei Dubrovnik: ChatGPT warnt Angler
Wenige Tage später schickte ein Leser dem Portal Fotos von der Insel Koločep bei Dubrovnik. Er hatte von der Mole aus mit Sardinenstücken auf Doraden geangelt. Der Fisch kämpfte so heftig, dass er eine Makrele vermutete.
Im Kescher sah das Tier nach nichts Essbarem mehr aus. Der Mann fotografierte es und fragte ChatGPT. Die KI stufte den Fang als hochgiftig ein und riet, ihn keinesfalls zurück ins Meer zu werfen.
Sein eigenes Fazit fällt weniger technisch aus: Die Fische seien offenbar in der ganzen Adria unterwegs.
Kugelfisch in Kroatien: Die Zahl dürfte steigen
Ursprünglich stammt die Art aus dem Indischen Ozean und dem Pazifik und kam über den Suezkanal ins Mittelmeer. In der Adria wurde sie laut dem Portal erstmals 2012 bei Dubrovnik nachgewiesen. Mit Rijeka ist sie nun auch in der Kvarner-Bucht angekommen.
Ugarković rechnet damit, dass der Fisch schon nächstes Jahr zum Problem für kroatische Fischer wird. In Griechenland ist er das längst: Seit Juni zahlt der Staat Berufsfischern auf Kreta und in der Südägäis bis zu 5,33 Euro pro Kilo Kugelfisch.
Gefahr für Badegäste an der Adria?
Die Gefahr ist gering. Die meisten Verletzungen entstehen laut der griechischen Meeresbiologin Nota Peristeraki, wenn Menschen den Fisch anfassen oder füttern wollen. Einem Hai zu begegnen, sei für Schwimmer wahrscheinlicher, sagte sie Medienberichten zufolge.
Wer beim Angeln einen silbrigen Fisch mit grauen Rückenflecken und auffälligem Gebiss erwischt, lässt die Finger davon. Das Museum freut sich trotzdem über einen Anruf.
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