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Oktoberfest bis November: Berlin kopiert die Wiesn und macht dabei alles falsch

Oktoberfest in Berlin 2026: Warum die Wiesn an der Spree peinlich ist, was die Maß kostet und wie lange in der Hauptstadt gefeiert wird.

4 Min
Wiesn-Stimmung unter dem Regenschirm in Asphaltwüste: Noch Fragen?

Wiesn-Stimmung unter dem Regenschirm in Asphaltwüste: Noch Fragen?

© Wolfgang Maria Weber/imago

Am 19. September stand Frank Zander im Hofbräu am Alexanderplatz, hob den Holzhammer und rief: „O'zapft is!“ Der Mann, dem Hertha ihre Stadionhymne verdankt, eröffnete die bayerische Saison. Spätestens da hätte jemand eingreifen müssen.

Es griff niemand ein. Seitdem wird vom Alex bis nach Spandau angezapft, und das Uglymeter zeigt Werte, die wir zuletzt beim Matcha Latte gemessen haben.

Kulturelle Aneignung: Beim Dirndl endet Berlins Empfindlichkeit

Berlin kann in fünf Minuten erklären, warum ein Sombrero auf der Uni-Party problematisch ist. Beim Dirndl fällt der Stadt nichts auf.

Dieselbe WG, die im Frühjahr noch über Kostüme als Klischee diskutiert hat, schnürt sich im September die Mieder. Die Schleife sitzt dabei irgendwo – während ihre Position in Bayern eine wichtige Bedeutung hat: Sitzt sie links, ist man „zu haben“, rechts ist man „vergeben“. Aber das weiß hier ohnehin keiner.

In Oberbayern wird ein Dirndl vererbt oder beim Trachtenschneider genäht. In Berlin ist es ein Polyester-Teil aus dem Karnevalsregal, das nach dem dritten Liter mit Senf bekleckert in der Altkleidertonne landet.

Bei den Männern sieht es nicht besser aus. Die Lederhose kommt samt Karohemd aus dem Onlineversand, statt Haferlschuhen trägt man weiße Sneaker. Auf der Theresienwiese würde man so vermutlich freundlich, aber bestimmt zur nächsten Tram begleitet.

Man stelle sich den umgekehrten Fall vor: Tausende Münchner ziehen Trainingsjacken an, essen Currywurst aus der Pappschale und pöbeln sich auf der Theresienwiese an, weil das angeblich Berliner Brauchtum sei. Berlin hätte binnen einer Stunde eine Petition online. In Bayern hat man für solche Gäste ein Wort: Preißn. Gemeint ist jeder nördlich des Weißwurstäquators, der trotzdem glaubt, er könne schuhplatteln.

Maßpreis in Berlin höher als in München

Wenigstens günstig müsste die Kopie sein. Im Hofbräu am Alex zahlt man für einen Tisch 39 Euro pro Person, inklusive zwei Maß. Rechnerisch sind das 19,50 Euro für den Liter. Auf der Münchner Wiesn kostet die Maß in diesem Jahr höchstens 15,90 Euro, wie die Stadt München mitteilt. Berlin verlangt also einen Aufschlag dafür, dass es nicht Bayern ist. Für den Aufpreis gibt es immerhin Blick auf den Fernsehturm, den die DDR 1969 an den Alex gestellt hat. Die Münchner haben dafür nur ihre Bavaria.

Oktoberfest in Berlin: gefeiert wird bis November

Das Original dauert 16 Tage und endet am 4. Oktober. Die Spreewiesn feiert bis zum 1. November, in Zehlendorf wird sogar noch eine Woche länger ausgeschenkt. Eine Stadt ohne Sperrstunde sieht eben nicht ein, warum ausgerechnet ein Volksfest enden sollte. Entweihung qua Verwässerung.

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Gleich zwei Berliner Veranstalter beanspruchen übrigens, das Original zu sein. Die Spreewiesn nennt sich so, die Fischerhütte am Schlachtensee will die Wiesn als Erste in die Hauptstadt gebracht haben. Bei einer Kopie ist das eine beachtliche Leistung.

Warum Berlin sich das antut

Die ehrlichste Erklärung ist die einfachste. Im Oktober wird Berlin grau, und die Lederhose ist die einzige Ausrede, am Donnerstag um sechs schon beim zweiten Liter zu sein. Für die vielen Zugezogenen aus dem Süden kommt ein Bonus dazu. Einmal im Jahr darf man in Prenzlauer Berg laut Dialekt sprechen, ohne dass sich jemand bei der Hausverwaltung beschwert. Dabei hätte die Stadt ein eigenes Getränk für genau diesen Zweck. Die Berliner Weisse mit Schuss, grün oder rot, serviert in einer Art Suppenschale. Sie ist hässlich, aber sie gehört uns.

Das Uglymeter-Urteil

Berliner Oktoberfeste sind ein Kostümball für eine Stadt, die sich sonst über Kostüme empört. Und sie kosten mehr als das Original.

Uglymeter: 9 von 10. Einen Punkt gibt es für die Brezn. Die kann man selbst an der Spree nicht ganz ruinieren.

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