Staatsbesuch

Jumbojets der Macht: Was Xis „Sondermaschine“ von Trumps Air Force One unterscheidet

Xi Jinping reist zum Staatsbesuch nach Washington, Donald Trump empfängt ihn am Flughafen. Beide setzen auf Boeing 747 – doch ihre Präsidentenreisen unterscheiden sich deutlich.

5 Min
Chinas Präsident Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan steigen Ende August in Bischkek aus ihrer Maschine. Für Auslandsreisen lässt Peking Flugzeuge aus der Air-China-Flotte für den Staatschef vorbereiten.

Chinas Präsident Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan steigen Ende August in Bischkek aus ihrer Maschine. Für Auslandsreisen lässt Peking Flugzeuge aus der Air-China-Flotte für den Staatschef vorbereiten.

© Wang Ye/imago

Noch bevor Chinas Präsident Xi Jinping in Washington aus seinem Flugzeug steigt, schwebt ein erstes Staatssymbol ein. Präsidentenmaschinen sind mehr als Transportmittel. Lackierung, Ausstattung, Sicherheitsvorkehrungen und selbst die Art, wie ein Staatschef aussteigt, gehören zur Choreografie eines Staatsbesuchs.

Bei Xi und US-Präsident Donald Trump fällt der Kontrast besonders auf. Beide Seiten nutzen für Langstreckenreisen Varianten der Boeing 747. Doch während die Air Force One zu den bekanntesten Symbolen des amerikanischen Präsidentenamts gehört, hält China selbst grundlegende Informationen über Xis Flugzeug zurück. Die South China Morning Post hat die beiden Systeme anlässlich seines Staatsbesuchs verglichen.

Xi verließ Peking am Mittwochnachmittag gemeinsam mit seiner Frau Peng Liyuan sowie hochrangigen Regierungsvertretern. Das chinesische Außenministerium schreibt lediglich, der Präsident sei mit einer „Sondermaschine“ aufgebrochen. Welches Flugzeug Xi auf dem Weg nach Washington nutzt, teilte Peking nicht mit. Trump will ihn persönlich auf der Joint Base Andrews begrüßen. Für einen US-Präsidenten ist eine solche Begrüßung auf dem Rollfeld ungewöhnlich.

China besitzt keine eigene Air Force One

China hält keine Maschine dauerhaft ausschließlich für seinen Staatspräsidenten bereit. Stattdessen werden für Xis Auslandsreisen Flugzeuge aus der Flotte von Air China vorbereitet. Zu Beginn seiner Amtszeit waren dies vor allem Boeing 747-400. Bei jüngeren Langstreckenreisen kam auch die modernere Boeing 747-8 Intercontinental zum Einsatz.

Wie eine solche Maschine für den Staatschef umgebaut wird, beschrieb der frühere chinesische Protokolldiplomat Lu Peixin bereits 2013. Demnach wurden Sitze entfernt und unter anderem durch Sofas und Betten ersetzt. Im vorderen Bereich entstanden ein Wohnraum, ein Büro und ein Schlafzimmer für den Präsidenten. Dahinter folgten Bereiche für Minister, weitere Beamte, Mitarbeiter und Journalisten. Nach der Reise wurde das Flugzeug wieder für den regulären Linienbetrieb umgerüstet.

Lu begründete den Verzicht auf eine eigene Präsidentenmaschine mit geringeren Kosten und einer besseren Auslastung des Flugzeugs. Gleichzeitig unterliegen die Präsidentenflüge strengen Sicherheitsverfahren. Über die heutige technische Ausstattung veröffentlicht Peking allerdings kaum Einzelheiten. Angaben zu geschützten Kommunikationssystemen, Abwehrtechnik oder medizinischen Einrichtungen an Bord sind nicht öffentlich bekannt.

Air Force One ist fliegendes Kommandozentrum

Ganz anders präsentieren die Vereinigten Staaten ihre Präsidentenflugzeuge. Air Force One ist streng genommen kein Flugzeugname, sondern das Funkrufzeichen jedes Flugzeugs der US Air Force, sobald der Präsident an Bord ist.

Seit Jahrzehnten stehen dafür vor allem zwei stark modifizierte Boeing 747-200B mit der militärischen Bezeichnung VC-25A bereit. Sie tragen die Hecknummern 28000 und 29000. Allein die öffentlich bekannte Ausstattung zeigt, wie weit die Umbauten gehen.

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Air Force One über dem Trump International Golf Links im irischen Doonbeg im September 2026. Die US-Präsidentenmaschine ist für Reisen, Krisenfälle und geschützte Kommunikation umfangreich ausgerüstet.

Air Force One über dem Trump International Golf Links im irischen Doonbeg im September 2026. Die US-Präsidentenmaschine ist für Reisen, Krisenfälle und geschützte Kommunikation umfangreich ausgerüstet.

© imago

Auf drei Ebenen stehen rund 372 Quadratmeter zur Verfügung. Der Präsident besitzt einen eigenen Bereich mit Büro, Waschraum und Konferenzraum. Hinzu kommen Räume für Berater, Secret Service und mitreisende Journalisten. Eine medizinische Einheit kann im Notfall als Operationssaal dienen, ein Arzt ist ständig an Bord. Zwei Küchen können Essen für bis zu 100 Menschen gleichzeitig zubereiten.

Noch wichtiger ist die Technik: Die Maschinen können in der Luft betankt werden, verfügen über geschützte Kommunikation und gehärtete Elektronik zum Schutz vor elektromagnetischen Impulsen. Im Ernstfall soll Air Force One als fliegendes Kommandozentrum der amerikanischen Regierung funktionieren.

Trump fliegt mit einem 400-Millionen-Dollar-Geschenk aus Katar

Seit diesem Sommer nutzt Trump zudem eine Boeing 747-8I, die zuvor der katarischen Herrscherfamilie gehörte. Der rund 400 Millionen US-Dollar teure Jumbojet wurde den Vereinigten Staaten geschenkt und von der US Air Force für Präsidentenflüge umgebaut. Als VC-25B Bridge soll er die Zeit bis zur Auslieferung der verspäteten neuen Air-Force-One-Maschinen überbrücken.

Trump nutzte die Maschine erstmals am 1. Juli als Präsidentenflugzeug. Schon wenige Wochen später wurde sie jedoch erneut für zusätzliche Sicherheitsaufrüstungen aus dem Betrieb genommen. Trump kündigte an, ihre Fähigkeiten nun vollständig ausbauen zu lassen.

Das Geschenk sorgte in Washington für heftige Kritik. Gegner warnten vor Interessenkonflikten, ausländischer Einflussnahme und Sicherheitsrisiken. Trump wies die Vorwürfe zurück und erklärte, es wäre „dumm“, ein derart wertvolles Geschenk abzulehnen.

Warum Xi nicht mit Chinas C919 fliegt

China investiert Milliarden in eine eigene Luftfahrtindustrie und vermarktet die C919 des Staatskonzerns Comac als heimische Alternative zu Boeing und Airbus. Für Xis Reise nach Washington kommt sie allerdings schon wegen ihrer Reichweite kaum infrage. Die C919 schafft laut Hersteller je nach Version maximal 5555 Kilometer und ist als Mittelstreckenflugzeug konzipiert.

So treffen beim Staatsbesuch zwei politische Großmächte aufeinander, die um technologische und wirtschaftliche Vorherrschaft konkurrieren, ihre Präsidenten auf interkontinentalen Reisen aber weiterhin mit amerikanischen Boeing-Jumbos befördern.

Wenn Xi in Washington landet, wartet Trump persönlich auf dem Rollfeld. Am Donnerstag folgen die offizielle Begrüßung am Weißen Haus, Gespräche und ein Staatsdinner.

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