Die Ölraffinerie in der südrussischen Stadt Nowoschachtinsk hat nach einem nächtlichen Drohnenangriff den Betrieb vorübergehend eingestellt. Das teilte der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, am Freitag über den Messenger Max mit. Nach seinen Angaben wurden über der Region etwa 50 Drohnen abgefangen.
Die Anlage sei beschädigt worden, Verletzte gebe es nach ersten Erkenntnissen nicht. Über Art und Ausmaß der Schäden machte Sljussar zunächst keine Angaben.
Die Raffinerie verarbeitet laut Reuters bis zu fünf Millionen Tonnen Öl im Jahr und liefert Treibstoff vor allem für den Export. Zuletzt waren auch Raffinerien bei Moskau und in Jaroslawl von Drohnenangriffen getroffen worden. Wann der Betrieb in Nowoschachtinsk wieder aufgenommen werden kann, war zunächst unklar.
Gespräche über Energieanlagen
Der Angriff erfolgt nach Gesprächen über eine mögliche gegenseitige Waffenruhe für Energieanlagen. Nach Informationen der Financial Times hatte US-Präsident Donald Trump Selenskyj bereits in einem Telefonat am Sonntag aufgefordert, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Trump habe vor einer Verschärfung der weltweiten Dieselknappheit und steigenden Preisen gewarnt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf zwei hochrangige ukrainische Regierungsvertreter. Das ukrainische Präsidialamt bestätigte das Telefonat, erwähnte eine solche Forderung aber nicht.
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Energieanlagen zuletzt verstärkt. Nach Berechnungen von Reuters mussten im September drei der sechs größten russischen Dieselproduzenten die Verarbeitung wegen Schäden deutlich verringern oder einstellen. Kiew begründet die Angriffe damit, dass der russische Energiesektor den Krieg finanziere und die Streitkräfte mit Treibstoff versorge.
Auch die Folgen für den Weltmarkt sind Teil der Debatte. Reuters berichtet über niedrige Dieselvorräte und hohe Preise. Das KSE Institute in Kiew bewertet den Einfluss der ukrainischen Raffinerieangriffe auf die Weltmarktpreise allerdings als nicht klar erkennbar. Nach seiner Einschätzung hat der Iran-Krieg die globalen Energielieferungen stärker beeinträchtigt.
Trump hatte zuvor erklärt, Russland und die Ukraine hätten sich bereits auf einen gegenseitigen Stopp von Angriffen auf Energieanlagen verständigt. Ukrainische Regierungsvertreter widersprachen: Eine solche Vereinbarung gebe es nicht. Selenskyj zeigte sich anschließend zu einem wechselseitigen Angriffsstopp bereit, sofern sichergestellt werde, dass Russland ihn ebenfalls einhalte.
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