In Belgien gehört die Frittenbude zum Dorf wie in Berlin der Späti an die Ecke. Umso bitterer, wenn eine davon dichtmachen muss.
Dominique Lallemand hat einen Weg gefunden, das zu verhindern. Die Wirtin arbeitet jetzt zusätzlich als Angestellte. Ausgerechnet dieser Zweitjob drückt ihre Kosten so stark, dass der Imbiss überlebt.
Lallemand betreibt die Friterie La Frit’Rit in Stockay, einem Ortsteil von Saint-Georges-sur-Meuse bei Lüttich. Wie das belgische Nachrichtenportal Sudinfo berichtet, arbeitet sie seit Kurzem an zwei Tagen pro Woche für einen anderen Arbeitgeber. Den Rest der Woche verkauft sie weiter Pommes und Burger.
Ein Quartal lang ohne eigenen Lohn
Vorher stand die Friterie kurz vor dem Aus. „Im letzten Quartal habe ich nur noch gearbeitet, um die Kosten zu decken“, sagte Lallemand dem Portal. „Ich habe mich nicht einmal mehr selbst bezahlt.“
Drei Monate lang stand sie also jeden Abend am heißen Fett und ging trotzdem ohne Lohn nach Hause.
Der Trick: Imbiss nur noch im Nebenerwerb
Der Kniff steckt im belgischen Sozialrecht. Hauptberuflich Selbstständige zahlen 2026 laut dem Sozialsekretariat Acerta mindestens 917,58 Euro Sozialbeitrag im Quartal, auch wenn der Laden kaum etwas abwirft. Aufs Jahr gerechnet sind das rund 3670 Euro.
Mit dem festen Job daneben gilt die Friterie nur noch als Nebenerwerb. Liegt der Gewinn dann unter 1922,16 Euro im Jahr, verlangt die belgische Sozialversicherungsanstalt für Selbstständige (INASTI) gar keine Beiträge. Darüber gilt bis zu einer Grenze ein reduzierter Satz.
Wie viel Lallemand genau spart, nennt das Portal nicht. Ihre Abgaben seien aber drastisch gesunken, genug für die Rettung des Imbisses.
Zweitjob über Dienstleistungsschecks
Angestellt ist Lallemand über das belgische System der Dienstleistungsschecks, auf Französisch „titres-services“. Damit bezahlen Haushalte staatlich bezuschusste Hilfe, etwa beim Putzen oder Bügeln. Die Kräfte haben bei zugelassenen Firmen einen regulären Arbeitsvertrag.
In der Wallonie kostet eine Stunde für Kunden seit Juli 10,60 Euro, zumindest für die ersten 175 Schecks im Jahr. Die Region hat den Preis laut ihrer Infoseite zu den Titres-Services gerade um 20 Cent angehoben.
Welche Arbeit die Wirtin im neuen Job übernimmt, verrät der Bericht nicht.
„Viel weniger stressig“: Die Wirtin zieht Bilanz
Nach den ersten Wochen klingt Lallemand erleichtert. „Es läuft sehr gut. Ich bereue es nicht“, sagte sie. Alles sei viel weniger stressig.
Nach dem Papierkram hat La Frit’Rit wieder geöffnet, allerdings mit neuen Öffnungszeiten. Stammkunden werfen also besser erst einen Blick auf die Tür, bevor der Heißhunger zuschlägt.
Nebenberuflich selbstständig in Deutschland: Das gilt
Auch in Deutschland funktioniert das Modell grundsätzlich. Wer angestellt ist und nebenher ein Gewerbe führt, ist über den Hauptjob krankenversichert. Auf den Gewinn fallen in der Regel keine zusätzlichen Kassenbeiträge an, erklärt die Barmer.
Die Selbstständigkeit muss dafür aber Nebensache bleiben. Das prüft die Krankenkasse im Einzelfall, etwa anhand von Arbeitszeit und Einkommen. Überwiegt das eigene Geschäft, wird eine freiwillige Versicherung fällig.
Vorher lohnt ein Blick in den Arbeitsvertrag, denn dort kann eine Melde- oder Genehmigungspflicht für Nebentätigkeiten stehen. Was sonst noch anzumelden ist, fasst die IHK Ostwestfalen in einem Merkblatt zur Gründung im Nebenerwerb zusammen.
Lallemand hat ihren Imbiss am Ende gerettet, indem sie weniger Zeit darin verbringt.
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