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Niederländer spricht mit seinen Zwillingen nur Spanisch – warum das klüger ist, als es klingt

Ein Niederländer spricht mit seinen Zwillingen nur Spanisch. Was sagt die Forschung zu zweisprachiger Erziehung und Vorteilen fürs Gehirn?

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Beim Vater Spanisch, bei der Mutter Niederländisch: So wachsen die Zwillinge von Dirk Lotgerink auf. (Symbolbild)

Beim Vater Spanisch, bei der Mutter Niederländisch: So wachsen die Zwillinge von Dirk Lotgerink auf. (Symbolbild)

© Imago/Anastasiya Amraeva

Am Frühstückstisch in Beek bei Nijmegen will Thorre die Milch. Er fragt seinen Vater auf Niederländisch. Der Vater reagiert nicht.

Dirk Lotgerink (40) hat eine eiserne Regel: Seit der Geburt seiner Zwillinge Thorre und Lizzie vor drei Jahren spricht er mit ihnen nur Spanisch. Die Mutter Kayleigh bleibt beim Niederländischen.

Spanische Wurzeln hat Lotgerink keine, seine Eltern stammen aus den Niederlanden. Manche Leute fänden das deshalb seltsam, schreibt er in seiner Kolumne für das niederländische Elternmagazin „Ouders van Nu“.

Spanischlehrer und Fußball-Dolmetscher

Ganz zufällig ist die Wahl nicht. Lotgerink unterrichtet Spanisch und dolmetscht im internationalen Fußball, laut seiner Website unter anderem schon für Feyenoord und den FC Barcelona.

Rund acht Jahre hat er in spanischsprachigen Ländern verbracht. Durch Mexiko fuhr er einmal 30.000 Kilometer in einem roten VW Käfer, Baujahr 1993.

Also fragt er am Frühstückstisch auf Spanisch zurück, ob Thorre Milch möchte. Der Dreijährige ruft lachend: „Sí, sí.“

Was die Forscher in Nijmegen dem Vater sagten

Vor etwa anderthalb Jahren nahmen die Zwillinge an einer Studie des Baby and Child Research Center der Radboud-Universität teil. Das Zentrum erforscht, wie Kinder in den ersten Lebensjahren denken und sprechen lernen.

Im Gespräch danach hätten ihm die Forscher erklärt, dass zweisprachige Kinder oft schneller Zusammenhänge erkennen. Das ständige Umschalten zwischen zwei Sprachen trainiere die geistige Flexibilität. So gibt Lotgerink das Gespräch aus der Erinnerung wieder.

Zweisprachig und klüger? Die Studienlage ist dünn

Große Auswertungen sind da vorsichtiger. Eine Metaanalyse im Fachjournal „Psychological Bulletin“ verglich 2020 in 143 Gruppenvergleichen ein- und zweisprachige Kinder bei Aufgaben zu Konzentration und Selbstkontrolle.

Der Vorteil der zweisprachigen Kinder war winzig. Außerdem fanden die Autoren Hinweise, dass Studien mit positivem Ergebnis eher veröffentlicht werden.

Eine zweite Auswertung von 2021 mit doppelt so vielen Daten rechnete diese Verzerrung heraus. Danach war vom Vorteil statistisch nichts mehr übrig.

Ein Befund aus der Analyse von 2020 dürfte den Vater trotzdem freuen. Beim schnellen Wechseln zwischen Aufgaben blieb ein kleiner Vorsprung auch nach der Korrektur bestehen. Genau davon hatten die Forscher in Nijmegen gesprochen.

Warum der Vater stur bleiben muss

Die wichtigere Frage lautet ohnehin: Sprechen die Kinder am Ende wirklich beide Sprachen? Die Sprachwissenschaftlerin Annick De Houwer hat dazu fast 1900 Familien in Flandern befragt, in denen mindestens ein Elternteil eine weitere Sprache sprach.

Niederländisch konnten alle Kinder. Die zweite Sprache sprach längst nicht jedes Kind. Am besten klappte es, wenn beide Eltern sie zu Hause nutzten. Die beliebte Regel „ein Elternteil, eine Sprache“ war keine Garantie.

Familie Lotgerink hat also die schwierigere Ausgangslage. Der Vater ist die einzige spanische Stimme im Haus, spanischsprachige Großeltern gibt es nicht. Deshalb kommen oft spanischsprachige Freunde zu Besuch. Und deshalb überhört er jede niederländische Frage am Frühstückstisch.

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Spanisch ab der ersten Klasse in Berlin

In Berlin gibt es für solche Familien ein eigenes Schulmodell. Die Staatliche Europa-Schule Berlin unterrichtet seit 1992 durchgehend in zwei Sprachen, die Kombination Deutsch-Spanisch kam 1994 hinzu.

Nach Angaben der Senatsverwaltung lernen dort mehr als 6000 Kinder und Jugendliche an 18 Grundschulen und 15 weiterführenden Standorten. Schulgeld wird nicht erhoben. Übersteigt die Nachfrage die Plätze, entscheidet das Los.

Papa sagt pájaro

Ob die Zwillinge einmal schneller denken als ihre Freunde, weiß niemand. Ihre zwei Sprachen haben sie aber schon sauber sortiert.

Neulich pickte ein Rotkehlchen am Vogelhäuschen vor dem Fenster. Lizzie schaute hinaus, dann sagten beide Kinder denselben Satz: „Papa sagt pájaro, Mama sagt vogel.“

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