In vier bis fünf Metern Tiefe gab die Bohrkrone auf. Das Material dort unten sei härter als Kalkstein gewesen, schreibt das US-Team Noah's Ark Scans in einer Pressemitteilung vom 23. September. Womöglich versteinertes Holz, vermutet es.
Gebohrt wird in einem Hügel im Osten der Türkei, den manche seit Jahrzehnten für die Arche Noah halten. Geologen sehen darin seit 30 Jahren eine natürliche Gesteinsfalte.
Durupınar-Formation: Ein Schiffsrumpf aus Erde nahe dem Ararat
Die Durupınar-Formation liegt knapp 30 Kilometer südlich des Berges Ararat, nahe der Stadt Doğubayazıt. Aus dem Hang wölbt sich ein rund 157 Meter langer Erdwall in Form eines Schiffsrumpfs.
Erdbeben und Starkregen legten ihn 1948 frei. 1959 entdeckte der türkische Offizier İlhan Durupınar den Umriss auf Luftbildern. Heute steht dort ein Besucherzentrum.
Laut der Bibel war die Arche 300 Ellen lang. Mit der ägyptischen Königselle von gut 52 Zentimetern ergibt das ziemlich genau 157 Meter, mit der gewöhnlichen Elle von rund 45 Zentimetern nur etwa 135.
Welche Elle die Verfasser meinten, lässt der Bibeltext offen. Die auffällige Übereinstimmung mit der Formation entsteht also erst, wenn man sich für die längere ägyptische Variante entscheidet. Mit der gewöhnlichen Elle wäre die Arche gut 20 Meter kürzer als der Erdwall.
Arche Noah gefunden? Was die Bohrungen 2026 zeigen
Erstmals seit 1988 wird an der Formation wieder mit staatlicher Genehmigung gebohrt. Die Leitung hat der Archäologe Cenker Atila von der Cumhuriyet-Universität in Sivas. Treibende Kraft ist der US-Forscher Andrew Jones, nach Angaben des Projekts selbst kein Archäologe.
Rund 20 Forschende aus fünf Ländern sammelten in etwa 90 Tagen knapp 1000 Bodenproben und fanden Keramikscherben unbekannten Alters. Das meldete die türkische Agentur İHA, wie Greek City Times berichtet.
Nach Angaben des Teams zeigt das Bodenradar Hohlräume und rechtwinklige Strukturen, die es als Decks deutet. In den bis zu 18 Meter tiefen Bohrlöchern sei man auf keinen festen Fels gestoßen.
„Ich glaube, das ist die Arche Noah“, sagt Jones. Neutral klingt das nicht.
Auffällig ist, dass die Beteiligten unterschiedliche Zahlen nennen. Das US-Team spricht von fast dreimal so viel organischem Material im Inneren der Formation wie außerhalb. Projektleiter Atila nannte der Agentur dagegen rund 40 Prozent mehr Kohlenstoff.
Bodenradar: Warum die Bilder wenig beweisen
Das Bodenradar macht Grenzen zwischen verschiedenen Materialien sichtbar, etwa zwischen feuchtem Lehm, Geröll und Fels. Auf dem Bildschirm erscheinen diese Übergänge als Linien und Flecken. Was sie im Untergrund tatsächlich darstellen, lässt sich allein aus den Messdaten nicht ablesen.
Kritiker wie der US-Theologe Jeremiah Johnston halten die Methode in bergigem Gelände für unzuverlässig. An genau dieser Stelle ist sie schon einmal gescheitert: 1987 versuchte ein Radar-Fachmann anderthalb Tage lang vergeblich, frühere „Schiffsbefunde“ zu wiederholen.
Arche Noah oder Gesteinsfalte? Was Geologen sagen
1996 beschrieben der Geologe Lorence Collins und der Bergungsexperte David Fasold die Formation in einem Fachaufsatz als Synklinale: eine natürliche Gesteinsmulde, die Erosion in Schiffsform geschliffen hat.
Die Pointe: Fasold war zuvor der bekannteste Verfechter der Arche-These. Jahrelang hatte er die Stelle untersucht, dann änderte er seine Meinung.
Selbst bibeltreue Forscher, die die Arche nur zu gern finden würden, winken ab. Der Kreationist Andrew Snelling fand eine natürliche Erklärung und verwies auf ähnliche Schiffsformen im selben Erdrutschgebiet.
Arche-Noah-Forschung mit Spendenaufruf
Unter den Bohrbefunden der Mitteilung stehen ein Bibelvers und ein Spendenaufruf für die nächste Saison. Die Spendensammlerin des Projekts argumentiert sinngemäß, kein Amerikaner bei klarem Verstand würde 30 Jahre lang einen Steinhaufen in der Osttürkei bewachen.
Wissenschaftlich belegt ist damit nichts. Aussagekräftig sind allein die Bohrkerne.
Wann kommen die Laborergebnisse?
Die Bohrkerne liegen in Laboren in Ankara. Atila rechnet im Winter 2026/27 mit Ergebnissen. Findet sich organisches Material, soll es per Radiokarbonmethode datiert werden.
Bislang stammen alle Befunde vom Forschungsteam selbst. Überprüfbar werden sie erst, wenn unabhängige Labore die Bohrkerne analysiert und die Ergebnisse veröffentlicht haben.
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