Wer je in einer WG gewohnt hat, kennt ihn: den Milchkarton, der seit Wochen hinten im Kühlschrank vor sich hin gärt. Forscher aus Kalifornien haben seine Entsorgung jetzt einem Roboter übertragen.
Ein humanoider Roboter vom Typ Unitree G1 sollte in einer Küche Kaffeetüten auf der Kücheninsel sammeln und verdorbene Milch- und Saftkartons wegwerfen. Er hat es geschafft, obwohl er die Küche vorher nie gesehen hatte.
Das System dahinter heißt HomeBody und kommt vom Movement Lab der Stanford University und vom Caltech. Das Denken übernimmt GPT-6 Astra, das neue Spitzenmodell von OpenAI.
Roboter erkundet die fremde Küche selbst
Zuerst schickt das Team den rund 1,30 Meter großen G1 auf Erkundungstour. Die Anweisung lautet sinngemäß: Du bist ein Küchenroboter, erkunde den Raum.
Wohin er dabei schaut, entscheidet Astra. Kameras und ein Laserscanner vermessen währenddessen den Raum.
Aus diesen Daten baut die KI einen digitalen Zwilling der Küche in Nvidias Simulationssoftware Isaac Sim. Der Zwilling dient als Gedächtnis: Der Roboter weiß, wo Dinge liegen, auch wenn sie längst außer Sicht sind.
Medikamente aus der Schublade holen
Die zweite Aufgabe klingt schon nach Pflegealltag. Übersetzt lautet sie: „Ich habe meine Medikamente vergessen, kannst du sie mir holen? Und wirf dabei den schlechten Karton weg.“
Wo die Tabletten liegen, sagt ihm niemand. Der Roboter durchsucht seine gespeicherten Bilder, findet die Schublade und zieht sie mit der rechten Hand auf.
Er reicht die Tabletten der Person. Den Karton entsorgt er anschließend mit links.
Kein Training für die neue Küche nötig
Normalerweise sitzt zwischen Sprachmodell und Motoren ein eigens trainiertes Steuerungsmodell. Es übersetzt Anweisungen in Bewegungen und braucht dafür große Mengen Beispieldaten.
HomeBody verzichtet auf diese Zwischenschicht. Astra ruft direkt fünf Fähigkeiten ab, etwa Greifen oder Schublade-Öffnen, und bestimmt nur, was passieren soll und wo. Wie sich der Arm bewegt, berechnet ein Gaming-Laptop mit RTX-4090-Grafikkarte.
Trainingsdaten aus der fremden Küche brauchte das System laut den Forschern nicht. Trägt das Prinzip auch außerhalb des Labors, müsste ein Haushaltsroboter nicht mehr für jede Wohnung neu angelernt werden.
Neue Fähigkeiten lassen sich über dieselbe Schnittstelle einklinken. Astra kombiniert sie dann mit den vorhandenen.
Wenn der Roboter danebengreift
Greift die Hand ins Leere, versucht der Roboter einen anderen Griff oder stellt sich neu hin. Hilft das nicht, meldet er Astra das Problem, und die KI plant um.
Die Videos auf der Projektseite laufen übrigens meist beschleunigt. Der Griff in die Schublade samt Fehlversuchen ist phasenweise 14-fach schneller abgespielt.
Überhitzte Finger und lange Denkpausen
Die Schwächen nennen die Forscher selbst. Astra läuft in der Cloud und braucht Bedenkzeit, zwischen den Handgriffen steht der Roboter deshalb still.
Die Servomotoren in den Fingern überhitzen bei längerem Einsatz. Der Aufbau des digitalen Zwillings kostet außerdem Zeit und API-Gebühren, und die sind bei Astra nicht niedrig: OpenAI verlangt bis zu 50 Dollar pro Million ausgegebener Tokens.
GPT-6 Astra: eigentlich für den Computer gebaut
OpenAI hat Astra am 3. September vorgestellt und bewirbt das Modell vor allem als KI, die selbstständig Computer bedient. Von Robotern war dabei kaum die Rede.
Dass Astra mit Maschinen umgehen kann, zeigte schon ein anderer Test. Laut einer Auswertung der Non-Profit-Organisation RoboCurve, über die das Portal Ecosistema Startup berichtet, legte Astra mit zwei Roboterarmen in 19 von 20 Versuchen einen roten Klotz in eine Schüssel.
Das Konkurrenzmodell Claude Fable 5.1 von Anthropic schaffte das demnach nur achtmal. Bei einer kniffligeren Aufgabe scheiterte allerdings auch Astra fast immer: zwei Treffer in 20 Versuchen.
Wann kommt der Haushaltsroboter?
Das Team um die Stanford-Informatikerin C. Karen Liu hat bisher zwei Aufgaben in einer einzigen Laborküche gezeigt. Weitere sollen folgen.
Der Code ist auf GitHub angekündigt, aber noch nicht veröffentlicht. Das Repository enthält bislang nur eine Beschreibung und Grafiken.
Die vergammelte Milch bleibt also vorerst Menschensache. Absurd klingt der Gedanke, sie eines Tages einem Roboter zu überlassen, aber nicht mehr.
Wohnungsnot treibt westdeutsche Studenten in den Osten
Zeitumstellung 2026: Uhr vor oder zurück? An diesem Sonntag im Oktober beginnt die Winterzeit
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]