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Heimweh nach Touristen: Freigelassene Robbe paddelt sechs Tage lang zurück an ihren Lieblingsstrand

Robbe Nana in China: Die ausgewilderte Largha-Robbe schwamm nach ihrer Freilassung rund 200 Kilometer zurück zur Insel Dachangshan.

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Neugieriger Blick aus dem Wasser: Robben sind soziale Tiere. Nach langer Pflege durch Menschen suchen manche von ihnen die Nähe zu uns (Symbolbild).

Neugieriger Blick aus dem Wasser: Robben sind soziale Tiere. Nach langer Pflege durch Menschen suchen manche von ihnen die Nähe zu uns (Symbolbild).

© Imago

Die Behörden hatten sich das gut überlegt. Sie brachten die junge Robbe weit weg von Badestrand und Pensionsgästen und setzten sie im offenen Meer aus. Dort sollte sie endlich Anschluss an ihre Artgenossen finden.

Nana hatte andere Pläne. Sechs Tage später, am 13. September um 21.35 Uhr, zog sich der Robbenbulle auf einen schwimmenden Ponton am Goldenen Strand der chinesischen Insel Dachangshan. An genau die Stelle, an der er vorher monatelang Touristen besucht hatte.

200 Kilometer in sechs Tagen

Freigelassen worden war das zweijährige Tier am 7. September vor der abgelegenen Insel Haiyang. So berichtet es die Staatsagentur Xinhua, deren Angaben das Portal VnExpress International zusammengetragen hat.

Nana schwamm zunächst Richtung Festland bei Dalian und dann an mehreren kleineren Inseln vorbei zurück nach Dachangshan. Die Luftlinie beträgt nach Angaben des Robbenexperten Tian Jiashen rund 140 Kilometer. Mit allen Umwegen kam Nana auf etwa 200.

Spurlos ging der Ausflug nicht an ihm vorbei. Der Betreiber einer Pension erzählte der Zeitung Qilu Evening News, die Robbe habe bei der Ankunft heftig gehechelt und sei sichtbar abgemagert.

Ein Irrläufer von Geburt an

Übrigens ist Nana ein Männchen, auch wenn der Name in China als Mädchenname gilt. Manche Medien machen aus ihm deshalb ein Weibchen.

Geboren wurde er Anfang 2024 in der Liaodong-Bucht im Norden Chinas. Largha-Robben bringen ihre Jungen dort auf dem Meereis zur Welt.

Schon seine erste Wanderung ging gründlich schief. Im Sommer 2024 fand man ihn am anderen Ende des Landes, vor der subtropischen Küstenstadt Beihai. Er lag auf treibenden Schaumstoffplatten, hatte fünf Wunden und wog nur 35 Kilogramm.

Zweimal ausgewildert, zweimal zurück

Über ein Jahr lang wurde Nana aufgepäppelt und brachte danach 50 Kilogramm auf die Waage. Im November 2025 flog man ihn zum Auswilderungstraining nach Dalian.

Im April ließen die Behörden ihn mit vier weiteren Robben frei. Die anderen zogen mit wilden Artgenossen weiter. Nana blieb am Strand von Dachangshan und kletterte auf Paddleboards und Schnellboote.

Die zweite Auswilderung im September sollte das korrigieren. Sie hielt keine Woche.

Warum die Robbe die Menschen sucht

Tian leitet am Meeresforschungsinstitut der Provinz Liaoning ein Labor für seltene Meerestiere. Die lange Pflege habe Nana stark von Menschen abhängig gemacht, sagt er. Weil der Robbenbulle als soziales Tier nie Anschluss an eine Gruppe fand, suche er seine Sicherheit eben bei uns.

Der Meereswissenschaftler Wang Xin von der Ozean-Universität Dalian verweist gegenüber der Zeitung Science and Technology Daily auf die Lage. Das Wasser um Dachangshan sei sauber und voller Fisch und Garnelen, die Sandstrände ideal zum Ausruhen.

Nana ist also nicht verwirrt, sondern wählerisch.

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Nana bekommt ein eigenes Zuhause

Umgesiedelt wird er nun nicht mehr. „Wir respektieren die Natur, wir respektieren Nanas Entscheidung“, sagte Kreischef Zhang Shengzu der Staatsagentur.

Der Kreis Changhai baut der Robbe eine Rasthütte mit dem Namen „Nanas Zuhause“. Patrouillen sollen dafür sorgen, dass Nana trotzdem selbst jagt.

Denn der Ruhm hat eine Kehrseite. Die Behörden warnen, dass Füttern und Bedrängen das Tier stressen und seinen Jagdinstinkt schwächen. Inzwischen betreibt ein kreiseigenes Unternehmen sogar einen Social-Media-Kanal namens „Changhai Nana“.

Robbe am Strand in Deutschland: Diese Regeln gelten

Auch an der deutschen Ostsee liegen Robben regelmäßig am Strand. Die Nationalparkverwaltung Jasmund empfiehlt mindestens 100 Meter Abstand. Den Weg ins Wasser darf niemand versperren, Hunde gehören an die Leine.

Wer zu nah herangeht, riskiert einen Biss. Solche Wunden entzünden sich stark, weil gängige Antibiotika dagegen kaum helfen.

Eine Robbe, die ruhig atmet und nicht verletzt aussieht, braucht in der Regel keine Hilfe. Sichtungen an der Ostsee nimmt das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund gern entgegen.

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