Bildungsstudie

Trotz Pisa-Debakel: Warum die OECD Deutschlands Bildungssystem jetzt lobt

Bei Mint-Abschlüssen und Kita-Besuch liegt Deutschland laut OECD international vorn. Doch mehr als jede zweite Schule klagt über Lehrermangel.

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Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung und Kompetenzen

Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung und Kompetenzen

© Wolfgang Kumm/dpa

Trotz zuletzt schwacher Pisa-Ergebnisse hat das deutsche Bildungssystem laut einer neuen OECD-Studie in mehreren Bereichen Fortschritte gemacht. Bei den Abschlüssen in Mathematik und Naturwissenschaften liegt Deutschland demnach international an der Spitze.

Nach dem Bericht „Bildung auf einen Blick 2026“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) entfallen 34 Prozent der Hochschulabschlüsse in Deutschland auf sogenannte Mint-Fächer wie Mathematik und Naturwissenschaften – der höchste Anteil im OECD-Vergleich. 41 Prozent der jungen Menschen erreichten inzwischen einen Hochschul- oder höheren beruflichen Abschluss, elf Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren. 96 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besuchten einen Kindergarten, im OECD-Durchschnitt seien es 90 Prozent.

Prien mahnt bessere Unterrichtsqualität an

„Da kann man eben sehen, dass wir in Deutschland in vielen Bereichen gut vorangekommen sind“, sagte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) in Berlin. Zugleich verwies sie auf die zuletzt historisch schwachen Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften bei der Vergleichsstudie Pisa.

Deutschland gebe im OECD-Vergleich pro Schüler viel Geld für Bildung aus, sagte Prien. „Aber wir sind nicht effektiv.“ Aus ihrer Sicht müsse die Qualität des Unterrichts verbessert werden. Auch in den Kitas müssten Kinder stärker an Bildung herangeführt werden.

Lehrermangel als Schwerpunkt der Studie

Ein Schwerpunkt der Studie ist der Lehrkräftemangel, der viele Länder betrifft. Für Deutschland lägen vergleichsweise wenige Daten vor, sagte OECD-Bildungsforscher Andreas Schleicher. 55 Prozent der Kinder und Jugendlichen besuchten Schulen, deren Leitung angibt, dass Lehrermangel den Lernerfolg beeinträchtige. Der Anteil von Lehrkräften mit nicht passender oder nicht abgeschlossener Ausbildung liege mit 18,6 Prozent vergleichsweise hoch.

Zugleich verließen viele ausgebildete Lehrkräfte den Beruf, sagte Schleicher. Fast die Hälfte von ihnen arbeite nicht in der Schule. Er schlug eine gezieltere Auswahl von Studierenden für das Lehramtsstudium vor sowie eine andere Organisation des Schulalltags. Aufgaben wie Unterrichtsvorbereitung sollten Lehrende im Team in der Schule erledigen und nicht allein zu Hause. (mit dpa)

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