Die Lufthansa rechnet infolge des Iran-Kriegs mit noch höheren Kerosinkosten als bisher angenommen. Man wäre froh, wenn es bei der zuletzt genannten Mehrbelastung von 1,5 Milliarden Euro bliebe, sagte Konzernchef Carsten Spohr am Montagabend vor Journalisten in Frankfurt. Das berichtete am Dienstag das Fachportal airliners.de.
Anfang August hatte der Konzern für das Gesamtjahr mit Treibstoffkosten von 8,66 Milliarden Euro gerechnet, ein Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zur Herstellung des Kerosins benötigte Öl hat sich laut airliners.de durch den Krieg der USA gegen den Iran seit Ende Februar um 40 bis 50 Prozent auf über 100 US-Dollar je Barrel verteuert, weil Lieferungen aus den Golfstaaten weitgehend ausfallen.
Gewinnprognose bleibt bestehen
Trotz der höheren Kosten bestätigte Spohr die Prognose eines bereinigten operativen Gewinns von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro. Möglich sei das durch Einsparungen aus dem Sanierungsprogramm der Kernmarke Lufthansa Airline und deutlich gestiegene Ticketpreise.
Einen Teil der Mehrkosten fange der Konzern über Termingeschäfte ab, mit denen sich Preise für spätere Lieferungen im Voraus festschreiben lassen, mit einer Absicherungsquote von 86 Prozent für 2026 und gut 50 Prozent für 2027.
Die Nachfrage im Premiumsegment nannte Spohr trotz der Preiserhöhungen „erstaunlich robust“. Auf der Langstrecke erziele die Lufthansa in First, Business und Premium Economy mehr als die Hälfte ihres Umsatzes.
Ryanair kündigt höhere Ticketpreise an
Auch der irische Billigflieger Ryanair sieht die Branche unter Kostendruck. Konzernchef Michael O'Leary sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters am Rande einer Konferenz in Warschau, die Ticketpreise für den Sommer 2027 dürften wegen der Kerosinkosten um 15 bis 20 Prozent steigen. Trotz kurzfristiger Belastungen zeigte sich O'Leary insgesamt optimistisch für die Nachfrage im Luftverkehr.
Spohr erwartet, dass weitere Airlines wegen der hohen Treibstoffkosten in Schwierigkeiten geraten. Zuletzt hatten die lettische Air Baltic, an der die Lufthansa zehn Prozent hält, und die spanische Volotea Gläubigerschutz, ein gerichtliches Verfahren zur Sanierung unter Aufschub der Forderungen, beantragt.
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