Der Ölpreis liegt über 100 Dollar, der Konflikt mit dem Iran ist festgefahren, die Inflation steigt. Und Gold? Kostet fast exakt so viel wie an Neujahr.
Am Mittwochmorgen zahlten Anleger für eine Feinunze rund 3680 Euro. Am 1. Januar waren es etwa 3690 Euro.
Seit Jahresbeginn liegt Gold in Euro laut dem Vergleichsportal Gold.de knapp im Minus. Wer an Neujahr gekauft hat, hat bis heute nichts verdient. Gemessen an den gestiegenen Preisen im Supermarkt und an der Tankstelle hat er sogar verloren.
Goldpreis aktuell: tiefster Stand seit Anfang August
Den jüngsten Rückschlag gab es zum Wochenstart. Am Montag rutschte Gold um fast vier Prozent ab, nach Daten der Nachrichtenagentur Reuters fiel die Feinunze zeitweise auf 4110 Dollar. So billig war Gold zuletzt am 5. August.
Am Dienstag erholte sich der Kurs leicht, am Mittwochmorgen stand er bei rund 4180 Dollar. Im September hat Gold in Euro damit gut vier Prozent verloren, in Dollar mehr als sechs.
Goldpreis 2026: vom Rekord zurück auf Start
Begonnen hatte das Jahr spektakulär. Ende Januar erreichte Gold mit rund 5600 Dollar sein Allzeithoch. In Dollar gerechnet waren das fast 30 Prozent mehr als an Neujahr.
Diesen Vorsprung hat das Metall komplett wieder abgegeben. Am schwersten wogen März und Juni, in Euro ging es jeweils fast zehn Prozent abwärts. Das kräftige Plus im August hielt nur wenige Wochen.
Warum Gold trotz Iran-Krise und Ölschock fällt
Ausgelöst hat den Einbruch am Montag der Ölpreis. US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus abgelehnt, meldet die österreichische Agentur APA. Die Nordseesorte Brent kletterte daraufhin auf mehr als 106 Dollar je Barrel.
Teures Öl treibt die Inflation, und die bekämpft die US-Notenbank mit höheren Zinsen. Am 16. September hob die Fed den Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Es war die erste Erhöhung seit 2023.
Weitere dürften folgen. 16 von 18 Notenbankern erwarten mindestens eine zusätzliche Anhebung noch in diesem Jahr. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren so hoch wie seit fast 19 Jahren nicht mehr.
Genau das bremst Gold aus. Ein Barren im Tresor bringt keinen Cent Zinsen. Wer bei sicheren Staatsanleihen gut vier Prozent bekommt, fragt sich, warum er sein Geld in Metall parken soll.
Gold als Inflationsschutz: 2026 hat es nicht funktioniert
Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im August laut Statistischem Bundesamt um 2,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Energie verteuerte sich um 10,5 Prozent, vor allem wegen des Ölpreises.
Mit dieser Teuerung hat Gold in diesem Jahr nicht Schritt gehalten. Für alle, die das Metall als Krisenversicherung gekauft haben, ist das eine unbequeme Lektion: Steigen die Zinsen schneller als die Sorgen, verliert Gold seinen Reiz als sicherer Hafen.
Wer schon länger Gold besitzt, kann trotzdem gelassen bleiben. Im Jahr 2025 legte der Goldpreis in Euro um mehr als 47 Prozent zu. Auf Sicht von zwölf Monaten steht der Dollarkurs laut dem Datendienst Trading Economics weiter rund acht Prozent im Plus.
Goldpreis-Prognose: Diese Termine entscheiden
Am Mittwochnachmittag veröffentlicht die US-Regierung die PCE-Preisdaten für August, das wichtigste Inflationsmaß der Fed. Am Freitag folgt der Arbeitsmarktbericht für September.
Fallen beide Zahlen stark aus, steigt der Druck auf die Notenbank und damit auf Gold. Der nächste Zinsentscheid der Fed fällt am 28. Oktober.
Rückenwind könnte aus China kommen. Am 1. Oktober beginnt dort die „Goldene Woche“, traditionell der Auftakt der wichtigsten Kaufsaison. Chinas Goldimporte erreichten nach Zolldaten in den ersten sieben Monaten einen Rekord von 1000 Tonnen.
Charttechniker achten auf die Marke von 4000 Dollar. Darunter liegen die jüngsten Tiefs um 3950 Dollar. Bricht auch diese Zone, droht laut dem Finanzportal Finanzmarktwelt ein neuer Abwärtsschub.
Gold verkaufen: Diese Frist sollten Anleger kennen
Wer jetzt nervös wird, sollte vor dem Verkauf aufs Kaufdatum schauen. Gewinne aus Barren und Anlagemünzen sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, so regelt es Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes.
Neujahrskäufer haben ohnehin keinen Gewinn zu versteuern. Bei ihnen kommen Aufgeld beim Kauf und Abschlag beim Verkauf hinzu. Das Vergleichsportal nennt dafür meist zwei bis sechs Prozent. Die günstigsten Händler lagen am Dienstag allerdings nur knapp ein halbes Prozent neben dem Börsenkurs.
Preise zu vergleichen lohnt sich also. Denn eines hat dieses Jahr gezeigt: Gold ist kein Selbstläufer, sobald die Zinsen steigen.
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
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