Energiewende

Leipziger BMW-Werk bekommt als erstes weltweit eine Wasserstoff-Pipeline

Der Bund setzt bei der Energiewende auf grünen Wasserstoff: Das Leipziger BMW-Werk wird die weltweit erste Autofabrik mit eigener Wasserstoff-Pipeline.

4 Min
Seit 2022 werden in der Lackiererei des Leipziger BMW-Werkes Brenner auch mit Wasserstoff betrieben, der bald per Pipeline ins Werk kommt.

Seit 2022 werden in der Lackiererei des Leipziger BMW-Werkes Brenner auch mit Wasserstoff betrieben, der bald per Pipeline ins Werk kommt.

© Jan Woitas/dpa

Im BMW-Werk Leipzig ist am Mittwoch der symbolische Baubeginn einer rund zwei Kilometer langen Wasserstoff-Pipeline gefeiert worden. Damit wird der Standort nach Angaben des Unternehmens die weltweit erste Automobilfabrik, die direkt über eine Pipeline mit Wasserstoff versorgt wird. Die Fertigstellung und der Anschluss der Leitung sind für das erste Halbjahr 2028 vorgesehen.

BMW nutzt am Standort Leipzig bereits seit 2013 Wasserstoff in der internen Logistik. Derzeit sind auf dem Werksgelände 230 Gabelstapler und Routenzugschlepper mit Brennstoffzellenantrieb im Einsatz. Auch in der werkseigenen Lackiererei wird das Gas verwendet. Perspektivisch soll die neue Pipeline besonders energieintensive Prozesse versorgen, etwa die Trockner in der Lackiererei.

Kretschmer sieht Leipzig als Ankerpunkt

Beim symbolischen Baubeginn war auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vor Ort. Er würdigte das Engagement von BMW in Mitteldeutschland und hob die technologieoffene Strategie des Unternehmens hervor. „BMW zeigt seit Jahren, wie Wasserstoff in der industriellen Produktion eingesetzt werden kann. Mit der neuen Pipeline wird Leipzig zum Ankerpunkt für die Wasserstoffwirtschaft und zu einem der ersten sächsischen Industriestandorte am Wasserstoff-Kernnetz“, sagte Kretschmer. Das stärke die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und schaffe die Grundlage dafür, dass Wasserstoff dort ankomme, wo er für die Produktion gebraucht werde.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Werksleiterin Petra Peterhänsel und Christian Hirte (CDU), Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr beim symbolischen Baubeginn.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Werksleiterin Petra Peterhänsel und Christian Hirte (CDU), Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr beim symbolischen Baubeginn.

© Jan Woitas/dpa

Kretschmer sprach sich zudem für den weiteren Ausbau der Windkraft in Sachsen aus, wünschte sich dabei jedoch mehr Flexibilität und Mitwirkungsmöglichkeiten für die Menschen vor Ort. Wasserstoffprojekte in der Region seien eine Chance, neue Anwendungen praktisch zu erproben. Zugleich betonte er, dass der Chemiepark in Leuna wettbewerbsfähige Kosten benötige und Synergien – auch bei der Wasserstoffnutzung – ausgeschöpft werden müssten. Ebenfalls anwesend war Christian Hirte (CDU), Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr.

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Grüner Wasserstoff kommt aus Bad Lauchstädt

Der grüne Wasserstoff für die BMW-Pipeline soll aus dem rund 40 Kilometer entfernten Energiepark Bad Lauchstädt westlich von Halle (Saale) stammen. Das großtechnische Reallabor bildet die gesamte Wertschöpfungskette – Erzeugung, Speicherung, Transport und industrielle Nutzung – ab. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 208 Millionen Euro. Getragen wird das Vorhaben von einem Konsortium aus VNG, Uniper, Terrawatt, VGS und dem DBI-Gastechnologischen Institut. Auch der Gasnetzbetreiber Ontras, der am Bau der BMW-Pipeline beteiligt ist, gehört dem Konsortium an.

Die Energiebasis liefert ein im Mai 2024 fertiggestellter Windpark mit acht Anlagen und einer Gesamtleistung von 50 Megawatt. Der Ökostrom speist über ein autarkes Arealnetz eine 30-Megawatt-Großelektrolyseanlage. Der erzeugte Wasserstoff kann in einer unterirdischen Salzkaverne mit einem Volumen von bis zu 50 Millionen Normalkubikmetern zwischengespeichert werden, um wetterbedingte Schwankungen auszugleichen. Für den Weitertransport haben die Projektpartner eine 25 Kilometer lange, ehemalige Erdgaspipeline umgebaut, die bereits im April 2025 technisch in Betrieb genommen wurde. Sie führt zum Hauptabnehmer, der TotalEnergies-Raffinerie im Chemiepark Leuna. Derzeit befindet sich das Reallabor in der Phase der Inbetriebnahme.

Bund treibt Wasserstoff-Infrastruktur voran

Im Zuge der Energiewende hat der Bund die Förderung von grünem Wasserstoff deutlich verstärkt. Als „grün“ gilt Wasserstoff, der durch die Elektrolyse von Wasser hergestellt wird und für den ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Photovoltaik eingesetzt wird. Das geruchlose Gas gilt als Energieträger der Zukunft und könnte etwa in Fabriken, Handelsschiffen oder Flugzeugen zum Einsatz kommen. Ein Nachteil: Für die Herstellung wird deutlich mehr Ökostrom benötigt, als am Ende als Nutzenergie zur Verfügung steht.

Für eine CO₂-neutrale Industrie – etwa in der Chemie oder der Stahlproduktion – werden große Mengen an grünem Wasserstoff benötigt. Die Herstellung von „grauem“ Wasserstoff aus Erdgas kostet meist zwischen 1,50 und 2,50 Euro pro Kilogramm, grüner Wasserstoff liegt je nach Region und Strompreis derzeit bei 4,00 bis 8,00 Euro pro Kilogramm. Bis 2032 sollen bundesweit rund 9.000 Kilometer Leitungen entstehen, die Industriezentren, Speicher, Erzeugungsanlagen und Importpunkte miteinander verbinden.

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