Bei der Verleihung des Preises des Westfälischen Friedens an die NATO haben am Donnerstag in Münster 30 bis 40 Demonstranten den Auftritt von Kanzler Friedrich Merz, NATO-Generalsekretär Mark Rutte und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gestört.
Zum Abschluss der Feier zeigten sich Merz, Rutte und Wüst auf dem Balkon des Historischen Rathauses. Eine Blaskapelle spielte die Nationalhymne und die Europahymne, gestört von etwa 30 bis 40 Demonstranten, die „Mörder“ und „Blut an euren Händen“ riefen. Das zeigen mehrere Videos in sozialen Netzwerken. Auch aus einem Bericht der dpa geht das hervor.
Nato erhält Friedenspreis: Ein Hoch auf die Kriegstüchtigkeit – und die eigenen Kriegsverbrechen
Der Protest hatte Stunden vorher begonnen. Auf dem Domplatz versammelten sich am frühen Nachmittag rund 150 Menschen zur Kundgebung „Frieden statt NATO – Kein Friedenspreis fürs Militär!“. Gegen 15.30 Uhr stand die Menge direkt an den Absperrungen am Prinzipalmarkt, nur wenige Meter vom Rathaus entfernt, und rief „Blut, Blut, Blut an euren Händen!“. Die Polizei hatte den Bereich weiträumig abgeriegelt und die Presse mit Hunden auf Taschen kontrolliert.
Im Festsaal blieb es dagegen ruhig. Merz und Rutte wurden dort mit Applaus empfangen. In seiner Laudatio nannte Merz Russlands expansiven Großmachtanspruch die größte Gefahr für den Frieden und warb für weitere Hilfe für die Ukraine. „Wankt Deutschland, wankt Europa, wankt auch die Ukraine“, sagte er. Die AfD und ihre Ukraine-Politik griff er direkt an. Die Rede nutzte er auch, um die Entscheidung für die Preisvergabe zu verteidigen. Schon bei der Pressekonferenz hatte er gesagt, ein Friedenspreis für eine Militärallianz wirke auf den ersten Blick widersprüchlich, sei aber folgerichtig.
EU-Kommissarin stellt klar: „Keine Abkürzung“ für Ukraine-Beitritt
Die Wahl der NATO war von Anfang an umstritten. Verliehen wird der Preis von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe. Der Jury gehören laut Programmheft unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Merz und Wüst an. Friedensinitiativen kritisieren, dass ein Militärbündnis geehrt wird, und fordern mehr Diplomatie, Abrüstung und zivile Konfliktlösung.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]