Hamas-Massaker

Demos zum 7. Oktober: Israel-Hasser werben mit Bulldozer für Marsch durch Kreuzberg

Zum 3. Jahrestag des Hamas-Massakers sind in Berlin mehrere Veranstaltungen angemeldet: für die Palästinenser und auch für Israel gegen Judenhass.

5 Min
Teilnehmer einer proisraelischen Demonstrationen halten gemeinsam eine große israelische Flagge.

Teilnehmer einer proisraelischen Demonstrationen halten gemeinsam eine große israelische Flagge.

© Jörg Carstensen

Zum dritten Jahrestag des Hamas-Massakers sind mehrere israelfeindliche Demos in Berlin geplant. Aber auch israelsolidarische Kundgebungen sind angemeldet.

Besonders für einen angemeldeten propalästinensischen Aufzug wirkt die Werbung martialisch. Bei der Polizei wurde er unter dem Motto „Down with Colonialism!“ angemeldet. Im Internet wird er mit „Until total liberation!“ beworben. In dem Aufruf heißt es, der 7. Oktober sei „zu unserem Leuchtfeuer der Standhaftigkeit“ geworden.

Das Plakat, das für die Demo wirbt, zeigt einen Bulldozer, der durch einen Zaun bricht – eine klare bildliche Anspielung auf den Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 unter anderem auf mehrere israelische Kibbuzim und eine Musikveranstaltung. Bei dem Massaker wurden mehr als 1200 Menschen ermordet, die meisten von ihnen Zivilisten, und 250 in den Gazastreifen verschleppt. Noch während des Angriffs wurde das Massaker auf der Sonnenallee in Berlin-Neukölln gefeiert, es wurden Süßigkeiten verteilt.

Wegen des Plakatmotivs, das den Hamas-Angriff verherrlicht, leitete die Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts der Billigung von Straftaten ein. Die Demonstration, zu der auf dem Plakat aufgerufen wird, soll um 18 Uhr am Schlesischen Tor beginnen und über die Skalitzer Straße und das Kottbusser Tor zum Hermannplatz ziehen.

Anmelder ist laut Polizei eine Privatperson. Beworben wird die Demo von mehreren linken propalästinensischen Gruppen und Netzwerken, darunter Global South United, die Alliance of Internationalist Feminists, Palestinians and Allies sowie Young Struggle. Die Versammlungsbehörde prüfe derzeit die Anmeldung und eventuelle Auflagen für die Demoroute, sagte ein Polizeisprecher. Dem Vernehmen nach wird geprüft, ob die Demo verboten wird – wie schon im vergangenen Jahr.

Hamas-Massaker als „Leuchtfeuer der Hoffnung“

2025 hatte es einen ähnlichen Aufruf gegeben. Ein Plakat, das für eine Demo am 7. Oktober jenes Jahres warb, zeigte im Hintergrund einen Gleitschirmflieger – eine Anspielung auf die von der Hamas beim Terrorangriff genutzten Paragleiter. Der Überfall wurde in dem Aufruf als „Leuchtfeuer der revolutionären Hoffnung“ bezeichnet. Die Polizei untersagte die Demonstration, die ursprünglich auf dem Alexanderplatz stattfinden sollte. Trotzdem versammelten sich am Abend Hunderte Menschen in Mitte. Die Polizei kesselte sie ein und stellte bei vielen Teilnehmern die Identität fest.

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Unter dem Motto „3 Jahre Völkermord. Stoppt den Gaza Genozid. Stoppt den Krieg. Keine Waffenlieferungen an Israel. Kriegsverbrecher vor Gericht“ soll es ab 16 Uhr an der Zimmerstraße eine Kundgebung geben. Diese hat der Aktivist Ibrahim Ibrahim angemeldet. Er gilt als Unterstützer der linksgerichteten Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), die sich am 7. Oktober 2023 der Hamas angeschlossen hatte und an dem Terrorangriff beteiligt war.

Für Aufsehen sorgte Ibrahim Ibrahim zuletzt mit seinen Glückwünschen an die Linkspartei nach deren deutlichem Sieg bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Auf einer Wahlparty in Neukölln ließ er sich unter anderem mit dem Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak ablichten.

Israel-Fahne wird auf Brandenburger Tor projiziert

Auch Pro-Israel-Kundgebungen wird es geben. Auf dem Bebelplatz in Mitte ist ab 15 Uhr eine zentrale Gedenkveranstaltung für die Opfer des Hamas-Massakers geplant. Zu dieser rufen verschiedene Organisationen auf. Dort sprechen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), Israels Botschafter Ron Prosor und andere.

Auch auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor ist laut Versammlungsbehörde eine ganztägige Veranstaltung angemeldet. Und um 18 Uhr beten in der Gedächtniskirche Rabbiner Andreas Nachama, Pfarrerin Marion Gardei und Imam Kadir Sanci vom interreligiösen Projekt House of One gemeinsam mit Bischof Christian Stäblein und Erzbischof Heiner Koch.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg hat für 16 Uhr eine weitere Gedenkkundgebung auf dem Sderotplatz in Steglitz-Zehlendorf angemeldet.

Der Berliner Senat teilte am Montag mit, dass in der Zeit von 18.30 Uhr bis Mitternacht die Fahne Israels auf das Brandenburger Tor projiziert wird.

Elif Eralp, Wahlgewinnerin und Linken-Bewerberin für das Rote Rathaus, will am Gedenkgottesdienst in der Gedächtniskirche teilnehmen, wie der Berliner Landesverband auf Anfrage mitteilte. Die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer wollen zum Stillen Gedenken der Jüdischen Studierenden-Union am Brandenburger Tor gehen.

Rund 1000 Polizisten am 7. Oktober im Einsatz

Die Polizei wird an diesem Tag mit etwa 1000 Beamten im Einsatz sein: mit neun Einsatzhundertschaften und zwei Technischen Einsatzeinheiten, die unter anderem dafür sorgen, dass die Demostrecken ausreichend mit Pollern und Zufahrtshindernissen gesichert sind.

„Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass Israelhasser auf die Straße gehen und volksverhetzende sowie menschenverachtende Parolen grölen wollen“, erklärte der Berliner Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Stephan Weh. „Es mag den einen oder anderen geben, der sich durch das Wahlergebnis und Worte aus dem politischen Raum beflügelt sieht, öffentlich hetzen zu können.“ Die Hauptstadtpolizei sei aber demokratisch stabil und werde Extremisten in die Schranken weisen.

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