1.913,40 Euro Rente im Monat: Diese Zahl steht seit der Rentenerhöhung zum 1. Juli 2026 in fast jedem Ratgeber. Sie gilt als die Rente nach 45 Arbeitsjahren.
Erreichen kann sie nur, wer 45 Jahre lang so viel verdient hat wie der Durchschnitt aller Versicherten. Nach heutigem Maßstab sind das rund 4.329 Euro brutto, jeden Monat, ohne Lücke.
Mit dem Mindestlohn landet man nach 45 Jahren bei gut 1.000 Euro. Und selbst ein typisches Vollzeitgehalt im Osten reicht nicht. Das zeigen Berechnungen der Berliner Zeitung.
Standardrente 2026: So entstehen die 1.913,40 Euro
Die Standardrente, auch Eckrente genannt, ist eine Rechengröße der Rentenversicherung. Sie unterstellt 45 Entgeltpunkte und einen Rentenbeginn ohne Abschlag.
Jeder Entgeltpunkt bringt seit Juli 42,52 Euro Monatsrente, vorher waren es 40,79 Euro. Mal 45 ergibt das die 1.913,40 Euro brutto.
Wann die Standardrente erstmals die Marke von 2.000 Euro knacken könnte, hängt an der nächsten Rentenerhöhung im Juli 2027.
Entgeltpunkte berechnen: Ein Arbeitsjahr ist nicht ein Punkt
Viele setzen ein Arbeitsjahr mit einem Entgeltpunkt gleich. Einen vollen Punkt gibt es aber nur, wenn das beitragspflichtige Einkommen exakt dem Durchschnittsentgelt des Jahres entspricht.
Für 2026 liegt dieser Wert vorläufig bei 51.944 Euro. Wer die Hälfte verdient, bekommt einen halben Punkt, wer doppelt so viel verdient, fast zwei.
Bei der Beitragsbemessungsgrenze von 101.400 Euro im Jahr ist Schluss. Mehr als knapp 1,95 Punkte lassen sich 2026 nicht erarbeiten.
Rente nach 45 Jahren Mindestlohn: rund 1.065 Euro
Der Mindestlohn liegt 2026 bei 13,90 Euro pro Stunde. In Vollzeit mit 40 Stunden kommen rund 2.409 Euro brutto im Monat zusammen, knapp 28.900 Euro im Jahr.
Damit sammelt man pro Jahr etwa 0,56 Entgeltpunkte. Nach 45 Jahren wären es gut 25 Punkte, also rund 1.065 Euro Bruttorente.
Für ein volles Berufsleben in Vollzeit ist das kaum mehr als die Hälfte der Standardrente. Die Rechnung setzt voraus, dass der Abstand zum Durchschnittslohn über die Jahre gleich bleibt.
Medianlohn im Osten: 170 Euro unter der Standardrente
Auch ein ganz normales Gehalt ist keine Garantie. Die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten verdiente 2025 laut Statistischem Bundesamt mehr als 54.066 Euro, die andere Hälfte weniger. Dieser Medianlohn brachte bundesweit 1,07 Entgeltpunkte.
In Ostdeutschland ohne Berlin lag der Medianlohn nur bei 46.013 Euro. Wer genau so viel verdient, kommt auf 0,91 Punkte im Jahr.
Auf 45 Jahre hochgerechnet ergibt das rund 1.744 Euro Rente. Ein typischer Vollzeitbeschäftigter im Osten verfehlt die Standardrente damit um knapp 170 Euro, ohne einen einzigen Tag Teilzeit oder Arbeitslosigkeit.
Teilzeit und Kindererziehung: So verändert sich die Rente
Wer 20 Jahre in Vollzeit zum Durchschnittslohn arbeitet und danach 25 Jahre mit halber Stelle, kommt auf 32,5 Punkte. Die Rente liegt dann bei rund 1.382 Euro brutto, gut 530 Euro unter der Standardrente.
Für Kinder gibt es einen Ausgleich. Pro Kind, das ab 1992 geboren wurde, rechnet die Rentenversicherung drei Erziehungsjahre an, jedes zählt wie ein Jahr mit Durchschnittsverdienst.
Das sind derzeit knapp 128 Euro Monatsrente pro Kind. Für ältere Kinder werden bislang zweieinhalb Jahre angerechnet.
Durchschnittsrente 2025: 1.195 Euro statt 1.913 Euro
Wie weit Modell und Wirklichkeit auseinanderliegen, zeigt die Statistik. Ende 2025 lag der durchschnittliche Zahlbetrag aller Altersrenten laut Deutscher Rentenversicherung bei 1.195 Euro. Männer bekamen 1.449 Euro, Frauen 994 Euro.
Ganz vergleichbar sind die Werte nicht. Im Zahlbetrag sind Kranken- und Pflegebeitrag schon abgezogen, außerdem zählen Mini-Renten von Menschen mit, die später Beamte oder Selbstständige wurden.
Aussagekräftiger ist die Gruppe mit tatsächlich 45 Beitragsjahren. Männer mit der sogenannten Rente mit 63 erhielten 2025 laut einer Antwort der Bundesregierung im Schnitt 1.846 Euro, Frauen 1.469 Euro.
Selbst nach 45 Jahren fehlen Frauen damit fast 380 Euro auf die Männer. Als politische Messlatte taugt die Standardrente, für die eigene Planung nicht.
Standardrente netto: rund 1.677 Euro vor Steuern
Pflichtversicherte zahlen von ihrer Rente Kranken- und Pflegebeiträge, beim durchschnittlichen Zusatzbeitrag und mit Kindern zusammen 12,35 Prozent. Von der Standardrente bleiben so rund 1.677 Euro, bei Kinderlosen etwa 1.666 Euro.
Warum Rentner einen höheren Zusatzbeitrag ihrer Krankenkasse oft erst spät bemerken, haben wir aufgeschrieben. Ob Steuern anfallen, hängt vom Rentenbeginn und weiteren Einkünften ab, bis zu welcher Rente kein Cent ans Finanzamt geht.
Renteninformation: So finden Sie Ihre Entgeltpunkte
Versicherte ab 27 Jahren bekommen jedes Jahr eine Renteninformation. Darin steht, wie hoch die Rente nach dem bisherigen Stand wäre.
Teilt man diesen Betrag durch den Rentenwert, der auf dem Schreiben steht, kennt man die eigene Punktzahl ungefähr. Genauer ist der Versicherungsverlauf, den die Rentenversicherung kostenlos verschickt.
Fehlen dort Ausbildungsjahre oder Erziehungszeiten, lohnt ein Antrag auf Kontenklärung. Jeder nachträglich anerkannte Punkt bringt derzeit 42,52 Euro mehr Rente, jeden Monat bis zum Lebensende.
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