Kurz nach Mitternacht, die Küche ist dunkel. Dann huscht etwas über die Fliesen, das aussieht, als hätte jemand eine Spinne und eine Assel in den Mixer geworfen.
Lange Fühler, ein flatternder Kranz aus Beinen, und schon ist es hinter dem Kühlschrank verschwunden. Wer jetzt nach dem Hausschuh greift, sollte kurz innehalten.
Das Tier heißt Spinnenläufer, wissenschaftlich Scutigera coleoptrata, im Volksmund Spinnenassel. Wie t-online berichtet, wird es inzwischen auch in Berlin gesichtet. Mit Spinnen und Asseln hat es trotz des Namens wenig zu tun: Der Spinnenläufer ist ein Hundertfüßer.
Spinnenläufer: So sieht der Hundertfüßer aus
Sein Körper misst gerade einmal rund drei Zentimeter. Mit Beinen und Fühlern kommt das Tier laut der Kleintiergalerie auf bis zu 15 Zentimeter.
Ausgewachsene Tiere tragen 15 Beinpaare, gelblich-grau mit dunklen Ringen. Jungtiere oder frisch gehäutete Exemplare können rosa schimmern, heißt es in dem Artenprofil weiter.
Der eigentliche Clou sitzt am Hinterteil. Das letzte Beinpaar ist so lang, dass es wie ein zweites Paar Fühler aussieht, Biologen sprechen von Automimikry. Wer rätselt, wo bei dem Tier vorne ist, fällt also auf einen Trick der Evolution herein.
Wo ist vorne? Das letzte Beinpaar des Spinnenläufers ist so lang, dass es wie ein zweites Paar Fühler aussieht.
© Imago/Leonid Eremeychuk
Warum Spinnenläufer jetzt in die Wohnung kommen
Ursprünglich lebt der Spinnenläufer im Mittelmeerraum. Begünstigt durch den Klimawandel breitet er sich laut einem Fachbeitrag der österreichischen Naturschau Inatura zusehends in Mitteleuropa aus. Seine Hochburg in Deutschland ist der warme Südwesten.
Tagsüber versteckt er sich hinter Möbeln, Bilderrahmen oder in Mauerritzen. Erst nachts geht er auf die Jagd.
Im Herbst sieht man ihn häufiger, weil es früher dunkel wird und seine Beutetiere selbst ins Warme ziehen. Der Jäger folgt einfach dem Buffet.
Eine Invasion droht trotzdem nicht. Spinnenläufer sind Einzelgänger, meist bleibt es bei einem einzigen Tier, schreibt der Wochenblatt-Reporter.
Wie schnell ist der Spinnenläufer?
Rund 1,5 Kilometer pro Stunde schafft er, berichtet Joyn Newstime. Das klingt gemächlich.
Umgerechnet sind das aber gut 40 Zentimeter pro Sekunde. Bei drei Zentimetern Körperlänge legt das Tier also mehr als zehn Körperlängen zurück, bevor der Hausschuh überhaupt in der Luft ist.
Ist der Biss des Spinnenläufers gefährlich?
Nein. Der Spinnenläufer beißt nur, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt. Der Inatura-Beitrag schildert den Fall eines Mannes, der gebissen wurde und daraufhin beim Giftnotruf anrief.
Die Auskunft dort: ungefährlich, aber durchaus schmerzhaft. Ein Gegenmittel braucht es nicht.
Nützling im Haus: Was der Spinnenläufer frisst
Auf seinem Speiseplan stehen Spinnen, Fliegen, Motten und Silberfische. Selbst große Schaben entkommen dem Lauerjäger laut dem Fachbeitrag nicht.
Winzer in Südeuropa schätzen ihn deshalb als Schädlingsvertilger und halten ihn fast wie ein Haustier, berichtet die Zeitschrift Naturkunde aus dem Südwesten.
Spinnenläufer gefunden: Was tun?
Wer es gar nicht aushält, setzt das Tier mit Glas und Postkarte in den Keller oder ins Treppenhaus. Im Oktober vor die Haustür zu setzen, ist keine gute Idee: In kühlen Gegenden kann sich die Art nach Angaben derselben Zeitschrift nur in Häusern halten.
Am besten lassen Sie ihn einfach laufen. Wer einen Spinnenläufer erschlägt, tötet den fleißigsten Kammerjäger der Wohnung. Und der hat nicht einmal eine Rechnung geschickt.
Rente nach 45 Jahren: Warum selbst Vollzeit im Osten nicht für 1.913 Euro reicht
Halloween-Pose: Wenn Ihre Katze diesen Buckel macht, sollten Sie auf den Kopf achten
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]