Bis Ende August haben in Deutschland 12.102 Menschen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt. Das bestätigte das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben am Dienstag auf Anfrage der Funke Mediengruppe. Nach nur acht Monaten lag die Zahl damit mehr als dreimal so hoch wie im gesamten Jahr 2025, als 3879 Anträge eingingen.
Betroffen sind vor allem junge Männer. Seit Jahresbeginn schreibt der Staat jeden kurz nach dem 18. Geburtstag an und fragt das Interesse an einem Dienst in der Truppe ab. Wer den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen ablehnt, beruft sich auf das Grundgesetz.
So rasant steigt die Kriegsdienstverweigerung 2026
Die Entwicklung lässt sich fast Monat für Monat ablesen. Ende Juni zählte das Bundesamt nach eigenen Angaben 5862 Anträge, bis Ende Juli waren es bereits 8302. Allein in diesem einen Monat kamen rund 2400 hinzu.
Anstie der Kriegsdienstverweigerung im Jahresvergleich
- 2022: 951 Anträge
- 2023: 1079 Anträge
- 2024: 2249 Anträge
- 2025: 3879 Anträge
- 2026 (bis Ende August): 12.102 Anträge
Schon das erste Quartal 2026 lag mit 2656 Anträgen über dem kompletten Jahr 2024. Selbst der bisherige Höchstwert nach dem Aussetzen der Wehrpflicht – 4348 Anträge im Jahr 2011 – ist damit klar überschritten.
Warum immer mehr junge Männer den Kriegsdienst verweigern
Als Treiber gelten zwei Entwicklungen: die angespannte Sicherheitslage und das neue Wehrdienstgesetz, das am 1. Januar 2026 in Kraft trat.
Der zeitliche Zusammenhang ist eng. Mit dem Start der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zu Jahresbeginn schnellten die Antragszahlen nach oben.
Seit dem 1. Januar erhält jeder junge Mensch kurz nach dem 18. Geburtstag Post. Abgefragt wird, ob ein Dienst in der Truppe infrage kommt. Für Männer ist das Ausfüllen des Fragebogens Pflicht, für Frauen freiwillig.
Die Wehrpflicht selbst ist seit 2011 ausgesetzt und gilt nur im Verteidigungsfall. Auf freiwilliger Basis soll die Bundeswehr aber wachsen – von zuletzt 186.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten bis 2035 auf 260.000. Gelingt das nicht, hält sich vor allem die Union eine Bedarfswehrpflicht offen.
Kriegsdienstverweigerung beantragen – diese drei Dokumente braucht es
Damit über einen Antrag überhaupt entschieden werden kann, müssen laut Bundesamt drei Unterlagen vorliegen: ein kurzes, unterschriebenes Anschreiben mit Berufung auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung, ein vollständiger tabellarischer Lebenslauf, eine ausführliche, persönlich verfasste Darstellung der Gewissensgründe.
Eingereicht wird der Antrag bei den Karrierecentern beziehungsweise beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr. Die Entscheidung trifft anschließend das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln.
Eine Sprecherin betonte, das Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen nach Artikel 4 Absatz 3 bleibe unabhängig von der ausgesetzten Wehrpflicht bestehen.
Nicht nur Verweigerer – manche ziehen ihre Erklärung zurück
Anträge stellen längst nicht nur Ungediente. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland verweigern auch Reservisten und aktive Soldaten, Beratungsstellen melden wachsenden Zulauf. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion entfiel bei den 2024 erfassten Anträgen der mit Abstand größte Teil auf Ungediente, dazu kamen Reservistinnen und Reservisten, Soldatinnen und Soldaten auf Zeit sowie einige wenige Berufssoldaten.
Anstieg von Kriegsdienstverweigerungen: Das treibt die Anträge an
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Gleichzeitig gibt es eine Gegenbewegung. Unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nehmen manche ihre einmal erklärte Verweigerung zurück. Nach einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung vom April geschah das 2024 in 781 Fällen, im ersten Quartal 2026 bereits 233 Mal. 2021 waren es 304 Rücknahmen.
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