Europas Gaspreise liegen inzwischen mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr: Am Mittwoch kostete der europäische Gasrichtwert rund 77 Euro je Megawattstunde. Einer der Hauptgründe: Die Krise in der Straße von Hormus beeinträchtigt weiterhin den weltweiten Handel mit Flüssigerdgas (LNG). Zwar passieren wieder mehr Ladungen die Meerenge. Ob sich die Erholung über den Winter fortsetzt, bleibt jedoch unsicher, wie Reuters unter Berufung auf Branchenanalysten berichtet.
Für einige Gasunternehmen außerhalb des Persischen Golfs eröffnet der angespannte Markt dagegen lukrative Geschäfte. Der amerikanische LNG-Exporteur Venture Global erzielt deutlich höhere Gewinne, der norwegische Energiekonzern Equinor profitiert von höheren europäischen Gaspreisen. Beim US-Produzenten APA sorgt ein langfristiger Vertrag dafür, dass das Unternehmen an hohen internationalen LNG-Preisen mitverdient. Zu den Profiteuren zählen auch Unternehmen, die deutsche Energieversorger mit Gas beliefern.
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Venture Global steigert Gewinn um 266 Prozent
Besonders deutlich fällt der Gewinnsprung bei Venture Global aus. Der amerikanische Flüssigerdgasexporteur erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Nettogewinn von rund 1,35 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Plus von 266 Prozent. Der Umsatz stieg um 48 Prozent auf knapp 4,6 Milliarden Dollar, wie aus dem im August veröffentlichten Quartalsbericht hervorgeht.
Venture Global verkaufte sowohl mehr LNG als auch zu besseren Konditionen. Vor allem die schrittweise Inbetriebnahme des Projekts Plaquemines erhöhte die Verkaufsmengen. Zugleich blieb dem Unternehmen bei bestimmten LNG-Verkäufen mehr Geld nach Abzug der Kosten für das eingekaufte Erdgas. Der Gewinnsprung beruht damit auf einer Kombination aus wachsendem Geschäft und höheren Margen.
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MehrDer Konzern baut zugleich sein Geschäft mit deutschen Abnehmern aus. Im selben Bericht meldete Venture Global einen neuen Vertrag mit EnBW: Ab 2026 soll der deutsche Energieversorger für fünf Jahre rund 820.000 Tonnen LNG jährlich erhalten.
Equinor verdient an Europas hohen Gaspreisen
Auch Equinor profitiert von den höheren europäischen Gaspreisen. Im zweiten Quartal erzielte der norwegische Konzern für sein Gas in Europa durchschnittlich 15,80 Dollar je Million britischer Wärmeeinheiten – rund 32 Prozent mehr als die zwölf Dollar im Vorjahresquartal. Höhere europäische Gaspreise und höhere Ölpreise stützten das Ergebnis, während niedrigere US-Gaspreise einen Teil des Effekts abschwächten, heißt es im aktuellen Quartalsbericht von Equinor.
Das ausgewiesene operative Ergebnis stieg gegenüber dem Vorjahresquartal von 5,72 auf 12,99 Milliarden Dollar. Dazu trugen neben höheren Energiepreisen auch positive Bewertungseffekte aus Finanzinstrumenten und der Verkauf von Vermögenswerten in Argentinien bei. Der Anstieg lässt sich somit nicht allein dem Gasgeschäft oder der Hormus-Krise zuschreiben.
Für deutsche Käufer bietet norwegisches Pipelinegas einen Vorteil: Es erreicht Europa ohne Passage durch die Straße von Hormus. Uniper und Equinor vereinbarten im August einen weiteren langfristigen Liefervertrag. Von 2027 bis einschließlich 2041 soll Equinor jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas an Uniper liefern, wie der deutsche Energieversorger mitteilte. Damit sichert Uniper einen Bezugsweg außerhalb des Persischen Golfs.
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APA nutzt das Preisgefälle zwischen den Gasmärkten
Beim amerikanischen Produzenten APA funktioniert das Geschäft anders. Das Unternehmen kauft Gas an der US-Golfküste und verkauft es über einen langfristigen Vertrag an den LNG-Exporteur Cheniere weiter. Die Verkaufspreise orientieren sich nach Abzug bestimmter Kosten an internationalen LNG-Preisen. Der Vertrag läuft seit August 2023 und endet im Dezember 2037, wie aus APAs Investorenpräsentation zum zweiten Quartal hervorgeht.
APA kann dadurch Gas in den USA einkaufen und an höheren Preisen auf den internationalen Märkten verdienen. Die Präsentation zeigt: Steigen die globalen LNG-Preise, während die übrigen Bedingungen gleich bleiben, erhöht sich der erwartete Geldzufluss aus diesem Geschäft.
Für sein gesamtes Portfolio aus Gashandel und Transportgeschäften erwartete APA für 2026 rund 950 Millionen Dollar Geldzufluss vor Steuern. Die Prognose basiert auf den Terminmarktpreisen vom 29. Juli und umfasst auch Geschäfte außerhalb des LNG-Vertrags. Es handelt sich somit um eine Jahresprognose für mehrere Geschäftsbereiche, nicht um einen bereits erzielten Gewinn.
Wie lange die Anbieter von der angespannten Lage profitieren, hängt auch davon ab, ob wieder zuverlässig mehr Gas aus dem Persischen Golf auf den Weltmarkt gelangt. Im September registrierte S&P Global Energy 19 LNG-Ladungen durch die Straße von Hormus, Kpler kam auf 21. Beide Zählungen zeigen zwar eine Erholung gegenüber Juni, doch die Lieferungen bleiben weit unter dem Vorkriegsniveau. Vor dem Krieg verlief rund ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen durch die Meerenge. Entscheidend sei nun, ob sich die Durchfahrten über den Winter aufrechterhalten ließen, sagte S&P-Analyst Eric Yep.
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