Der Blick in fremde Wohnungen ist faszinierend, keine Frage. Und vermutlich speist sich aus dieser klammheimlichen Genugtuung auch ein Social-Media-Trend, der seit einiger Zeit um sich greift.
Vermieter filmen, in welchem Zustand ihre Ferienwohnungen oder Ferienhäuser von den Gästen hinterlassen werden und teilen die Videos dann auf Plattformen wie TikTok oder Instagram.
Unter Schlagworten wie „So haben unsere Gäste das Airbnb hinterlassen“, sammeln Gastgeber und Reinigungskräfte viele Klicks und Kommentare. User erregen sich über Müllberge, ungewaschenes Geschirr, schmutzige Betten oder Sachbeschädigungen.
Auch ordentliche Wohnungen werden gefilmt
Umgekehrt gibt es inzwischen vermehrt Clips, die zeigen, wie ordentlich und vorbildlich manche Gäste die Unterkunft übergeben. Die Betreiber einer mallorquinischen Finca haben mit solch einem Video, etwas reißerisch angekündigt, dann aber sogar mit abgezogenen Betten im Bild, gerade ordentlich Reichweite bekommen.
Manche Accounts zeigen skurrile oder liegen gelassene Gegenstände („What guests left behind“). Seriöse Creator verzichten zwar darauf, konkrete Buchungsdaten der Gäste zu zeigen, um Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte nicht zu verletzen. Dennoch kritisieren viele Nutzer solche Videos als reines „Shaming“, während andere einen ehrlichen Einblick in den Alltag der Vermietung sehen.
Auch bei der erwähnten Finca mit Pool auf Mallorca, betrieben von einem deutschen Geschwisterpaar aus Hamburg, sorgt das Posting aus den Räumlichkeiten für gemischte Kommentare.
„Tolle Gäste“, loben die einen das sauber hinterlassene Objekt. „Das ist ja für mich selbstverständlich, aber für manche Leute nicht.“ Andere Vermieter melden sich mit ihren Erfahrungen zu Wort: „Wir hatten Ferienwohnungen in Calp bei Alicante. Was wir uns dort teilweise anschauen mussten, war nicht nur unverschämt und kränkend, es war eine Frechheit. Selbst die 60 Euro Endreinigung, die wir beim Einzug genommen haben, haben nicht gereicht. Wir haben nach zwei Jahren alle Wohnungen verkauft.“
Wofür man die Endreinigung bezahlt
Ob denn alle Gäste so ordentlich seien, werden die Gastgeber gefragt. Sie antworten: „Zum Glück machen wir nur sehr selten schlechte Erfahrungen und wir vermieten jetzt im neunten Jahr.“ Allerdings habe es mal ganz schlimme Gäste gegeben, die ihre angeknabberten Fleischknochen im Kühlschrank gelassen hätten. „Da war ich so perplex, da hab ich nicht gefilmt.“
Manche User weisen auf die Endreinigungsgebühr hin, die man als Gast zahle. Daher müsse man die Ferienwohnung nicht porentief rein übergeben: „Klar, soll man alles ordentlich hinterlassen, aber wenn ich 150 Euro für eine Endreinigung bezahle, dann ist es auch okay, wenn der Boden aussieht, als sollte gewischt werden.“
In den Kommentaren liest man auch Kritik daran, solche Videos überhaupt zu zeigen. „Warum postet man sowas?“, fragt ein User. Ein anderer äußert sein Unverständnis ob des um sich greifenden Trends, den Zustand von Behausungen zu posten.
In Italien hatte zuvor bereits ein Fall für Schlagzeilen gesorgt, in dem eine Airbnb-Vermieterin sich öffentlich darüber beschwerte, wie manche Touristen ihre Ferienwohnung hinterlassen. Einen besonders extremen Fall hatte sie auf Video festgehalten.
Bei TikTok zeigte die Italienerin ihre Wohnung nach der Abreise eines Urlaubers, der angeblich ein großes Appartement für sich allein gebucht hatte. „Einer bucht, vier gehen. Ich konnte beim Check-in nicht dabei sein, und als ich zum Auschecken kam, waren sie schon weg.“
Die Bilder aus dem Appartement zeigten stapelweise schmutziges Geschirr in der Spüle, Essensreste im Kühlschrank, eine verdreckte Toilette, Zigarettenstummel.
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Auch das TikTok-Video einer deutschen Auswanderin, die auf Island lebt und dort eine Ferienwohnung vermietet, sorgte für Aufsehen. Mit den Worten „Leute, ich heule“ eröffnete die Frau den rund zweiminütigen Clip. Anschließend führte sie ihre Zuschauer durch die Ferienwohnung und dokumentierte die darin herrschende Unordnung, die die bereits abgereisten Gäste hinterlassen hatten.
Ein weiteres virales Beispiel eines Airbnb-Vermieters, der seine Unterkunft nach dem Auszug eines Mieters in einem katastrophalen, völlig zugemüllten Zustand vorfand, ist der Amerikaner Josiah Roebuck. Der Makler postete Ungeziefer-Content und andere Widerlichkeiten, versehen mit dem Stichwort „tenant from hell“ – Mieter aus der Hölle.
Diese Videos werden millionenfach geklickt und tausendfach kommentiert. Allerdings haben die Reinigungs- und Sanierungsarbeiten, die seine Mieter verursacht haben sollen, nach eigenem Bekunden auch mehrere Zehntausend Dollar verschlungen.
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