Kurz vor dem Importverbot erreichen die LNG-Einfuhren der EU aus Russlands Yamal-Anlage einen neuen Rekord. Von Januar bis September kamen nach Angaben der Umweltorganisation Urgewald 12,18 Millionen Tonnen in europäischen Häfen an – so viel wie noch nie in diesem Zeitraum und 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Grundlage ist eine neue Auswertung von Daten des Analyseunternehmens Kpler. Den Wert der Lieferungen schätzt Urgewald auf rund 7,9 Milliarden Euro.
Damit bleibt Europa mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt des russischen LNG-Projekts in der Arktis: 85 Prozent der erfassten Liefermenge gingen an EU-Häfen. Während Yamals weltweite Lieferungen in den ersten neun Monaten des Jahres um 1,3 Prozent zurückgingen, nahm die EU deutlich mehr ab. Kurz vor dem Embargo ist Europas Bedeutung für das Projekt damit gegenüber dem Vorjahr weiter gewachsen.
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EU erhält alle 1,6 Tage eine Yamal-Lieferung
Insgesamt registrierte Urgewald zwischen Januar und September 167 Yamal-Ladungen für die EU. Im Schnitt traf damit etwa alle 1,6 Tage eine Lieferung ein. „Selbst nach der Abschwächung im Sommer hat Europa mehr abgenommen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres“, erklärt Sebastian Rötters, Sanktionsexperte der Organisation.
Der Rekord über die ersten neun Monate verdeckt allerdings einen Rückgang im Sommer: Im dritten Quartal kamen 2,21 Millionen Tonnen an, 13,6 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Den Wert dieser Lieferungen beziffert Urgewald auf rund 1,92 Milliarden Euro.
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MehrIm September lagen die Lieferungen mit rund 792.440 Tonnen wiederum leicht über dem Vorjahresmonat. Frankreich nahm fast drei Viertel dieser Menge ab. In Spanien und am belgischen Terminal Zeebrugge wurden im September dagegen keine Yamal-Lieferungen erfasst.
Die genannten 7,9 Milliarden Euro sind keine nachgewiesenen Zahlungen. Urgewald berechnet den Wert anhand der monatlichen europäischen TTF-Gaspreise und der gelieferten Mengen. Die tatsächlichen Vertragspreise können abweichen. Die Schätzung entspricht weder Unternehmensgewinnen noch den Einnahmen des russischen Staates.
Zwischen Januar und September 2026 hat die EU laut der Umweltorganisation Urgewald 167 Ladungen aus der russischen Yamal-Anlage (siehe Bild) importiert.
© ITAR-TASS/imago
Teilverbot stoppt den Handel bislang nicht
Dabei gelten bereits Einschränkungen: Seit dem 25. April dürfen dürfen europäische Unternehmen keine sogenannten Spotkäufe und kurzfristigen Lieferverträge für russisches LNG mehr abschließen. Für bestimmte langfristige Altverträge läuft die Übergangsfrist bis zum Jahresende. Ab dem 1. Januar 2027 greift das vollständige Importverbot.
Urgewald sieht bislang wenig Wirkung des Teilverbots. „Erst das vollständige Importverbot ab 2027 wird beginnen, ernsthaften Druck auf Russlands LNG-Geschäft auszuüben“, meint Rötters. Aus den Gesamtmengen allein lässt sich allerdings nicht ablesen, wie sich die Lieferungen unter kurzfristigen Verträgen entwickelt haben.
Europas Bedeutung für Yamal geht über die abgenommenen Mengen hinaus. Die nahe gelegenen europäischen Häfen ermöglichen es den eingesetzten Spezialtankern, das Flüssigerdgas abzuliefern und rasch zur russischen Anlage zurückzukehren. Eine Verlagerung nach Asien würde längere Transportwege bedeuten und die begrenzte Flotte stärker beanspruchen.
Yamal benötigt sogenannte Arc7-Eisbrecher-Tanker, die das Terminal in der russischen Arktis ganzjährig erreichen können. Ihre hoch spezialisierte Technik macht die Schiffe schwer ersetzbar. Wie die Berliner Zeitung bereits berichtete, wartet die dänische Werft Fayard weiterhin solche Tanker. Mehr als hundert europäische Abgeordnete forderten einen Stopp der Arbeiten. Fayard verwies auf deren Legalität und kündigte an, die betreffenden Wartungen noch in diesem Jahr einzustellen.
Urgewald fordert, diese Unterstützung des russischen Handels schon vor dem Jahreswechsel stärker einzuschränken. Die EU solle insbesondere die verbleibenden Schlupflöcher schließen, die den Betrieb der Arc7-Flotte ermöglichen.
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Europa muss Millionen Tonnen LNG ersetzen
Für Europa zeigen die neuen Importzahlen zugleich, welche Größenordnung nach dem Jahreswechsel durch andere Lieferungen ersetzt werden muss. Dabei konkurrieren europäische Käufer auf dem LNG-Weltmarkt mit asiatischen Abnehmern um verfügbare Ladungen.
Der RWI-Umweltökonom Manuel Frondel hatte gegenüber der Berliner Zeitung bereits im September vor zusätzlichen Kosten gewarnt: Der Wegfall der russischen Importe sei „ein zusätzlicher Preistreiber“, sagte er. Höhere Beschaffungskosten könnten zeitversetzt auch Haushalte und Unternehmen treffen.
Die Energieanalystin Ana Maria Jaller-Makarewicz vom Institute for Energy Economics and Financial Analysis warnte zudem davor, den Wechsel der Lieferländer mit größerer Versorgungssicherheit gleichzusetzen. Yamal-LNG durch Flüssigerdgas aus anderen Ländern zu ersetzen, würde die europäische Versorgungssicherheit nicht verbessern, sagte sie. Die Abhängigkeit würde lediglich auf andere Staaten verlagert.
Die EU muss somit zum Jahreswechsel eine Bezugsquelle ersetzen, aus der sie kurz vor dem Verbot noch Rekordmengen bezieht. Allein in den ersten neun Monaten kamen mehr als zwölf Millionen Tonnen Flüssigerdgas aus Yamal in europäischen Häfen an.
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