Der kanadische Anbieter von medizinischem Cannabis Aurora hat seine Produktion im Chemiepark Leuna ausgebaut. Ein zusätzlicher Produktionsbereich mit 500 Quadratmetern wurde vergangene Woche in Betrieb genommen, die Erntemenge soll sich damit verdoppeln. Die Investition beziffert das Unternehmen auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Zehn Arbeitsplätze sind neu entstanden, insgesamt arbeiten nun 55 Menschen am Standort, der künftig „Aurora Horizon“ heißt.
Aurora produziert seit 2022 in Leuna und ist eines von derzeit drei Unternehmen, die in Deutschland medizinisches Cannabis anbauen. Die anderen Standorte liegen in Sachsen und Schleswig-Holstein. Konkrete Mengen nennt Aurora nicht. Zum Start war die Produktion durch die Ausschreibung des Bundes auf eine Tonne pro Jahr begrenzt, seit 2024 gibt es keine Obergrenze mehr.
Importe haben sich fast verdreifacht
Die Nachfrage ist seitdem deutlich gestiegen. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wurden 2024 rund 72,9 Tonnen Cannabisblüten nach Deutschland importiert, 2025 bereits 205,1 Tonnen und im ersten Quartal 2026 allein 67,7 Tonnen.
Der Anstieg fällt in die Zeit nach der Teillegalisierung, die die Ampel aus SPD, Grünen und FDP unter Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) beschlossen hatte. Ziel war, den Schwarzmarkt zurückzudrängen und den Jugend- und Gesundheitsschutz zu stärken. Seit dem 1. April 2024 dürfen Erwachsene begrenzte Mengen Cannabis besitzen und privat anbauen, seit Juli 2024 auch gemeinschaftlich in Anbauvereinigungen. Zugleich gilt Cannabis seither nicht mehr als Betäubungsmittel. Rezepte für medizinisches Cannabis sind seitdem auch über Online-Plattformen erhältlich, teils nur nach einem Fragebogen.
Rekord bei Sicherstellungen in Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt lief die Umsetzung schleppend an. Anträge für Anbauvereinigungen konnten zunächst nicht bearbeitet werden, weil die nötige Landesverordnung fehlte. Bis Ende 2024 genehmigte das Landesamt für Verbraucherschutz sechs von 15 beantragten Clubs, darunter in Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau. Die Rauschgiftkriminalität ging 2025 im Land insgesamt um 22,8 Prozent zurück. Gleichzeitig stellte die Polizei rund 687 Kilogramm Cannabis sicher, so viel wie nie seit 1992. Das sind 17 Prozent mehr als 2024 und laut Landeskriminalamt 177 Prozent mehr als 2023. Zudem wurden zwölf illegale Großplantagen ausgehoben. Das LKA wertet die Teillegalisierung deshalb als Verschärfung des Problems.
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Bundesweit zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Zahl der registrierten Cannabisdelikte sank 2024 um rund 55 Prozent, vor allem weil Besitz in bestimmten Grenzen nicht mehr strafbar ist. 2025 wurden noch 42.909 Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis erfasst. Die sichergestellte Menge Marihuana hat sich 2025 laut Bundeskriminalamt gegenüber dem Vorjahr verdreifacht.
Cannabis-Clubs spielen kaum eine Rolle
Der Konsum hat sich laut wissenschaftlicher Evaluation seit der Teillegalisierung kaum verändert, bei Jugendlichen ging er leicht zurück. Ein wachsender Anteil des konsumierten Cannabis stammt aus legalen Quellen, vor allem aus Eigenanbau und Apotheken. Die Anbauvereinigungen spielen dabei bislang eine kleine Rolle. Bundesweit wurden bis Mitte 2026 rund 455 Clubs genehmigt, 2025 erreichten sie höchstens 3,5 Prozent der Konsumierenden. Häufigste Bezugsquelle blieb die illegale Weitergabe unter Freunden und Bekannten. Die abschließende Evaluation soll im April 2028 vorliegen.
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