Es ist das vorläufige Ende der Karriere von Clara von Nathusius im Bundesvorstand der Jungen Union. Ihren letzten Rechenschaftsbericht als Schatzmeisterin begann sie mit einer Finanzpanne, die wenige Tage vor dem diesjährigen Deutschlandtag der JU öffentlich geworden war. Knapp 350.000 Euro musste der CDU/CSU-Nachwuchs an den Staat zurückzahlen und dafür einen Kredit bei der Mutterpartei aufnehmen.
Zuvor war Nathusius bereits mit ihrer Forderung nach roten Linien statt einer Brandmauer zur AfD und mit ihrer Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz in der Jungen Union angeeckt. Unmittelbar vor ihrem Auftritt erteilte JU-Chef Johannes Winkel einer Zusammenarbeit mit der AfD eine deutliche Absage. Anschließend umarmte er die Mitglieder des Vorstands auf der Bühne, auch Nathusius.
Fördermittel ohne Beschluss des Bundesvorstands abgerufen
„Ende 2025 wurden Fördermittel abgerufen, ohne dass dies durch die Beschlüsse des Bundesvorstands gedeckt war“, sagte Clara von Nathusius in ihrer Rede, die sie auf dem Deutschlandtag hiel, mit Blick auf Presseberichte. Nachdem der Vorgang bemerkt worden sei, habe die Junge Union umgehend einen externen Wirtschaftsprüfer eingeschaltet und ihre internen Abläufe geändert.
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Von den rund 1,2 Millionen Euro, die die Junge Union 2025 vom Bundesfamilienministerium für politische Bildungsarbeit erhalten hatte, musste sie 348.509,07 Euro einschließlich Zinsen zurückzahlen. Dafür nahm sie einen Kredit von rund 300.000 Euro bei der CDU auf. Wer die Mittel ohne entsprechenden Vorstandsbeschluss abgerufen hatte, sagte Nathusius nicht.
Kassenprüfer empfehlen Entlastung von Nathusius
Weitere Einzelheiten lieferte der Bericht der Kassenprüfer. Demnach hatte der neu berufene Bundesgeschäftsführer Jakob Kunze die Unregelmäßigkeiten entdeckt. Winkel und Nathusius hätten sofort gehandelt, nachdem sie davon erfahren hatten. Eine „persönlicher Vorteilnahme“ habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben.
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Die Junge Union hatte ihre Finanzkontrollen verschärft und einen stellvertretenden Geschäftsführer mit Schwerpunkt Finanzen berufen. Die Kassenprüfer bescheinigten der JU eine saubere Kassenführung, wobei sie die Unterlagen und Belege „stichprobenartig“ geprüft hatten. Sie empfahlen die Entlastung des Bundesvorstands. Die Delegierten folgten dieser Empfehlung mit großer Mehrheit bei wenigen Enthaltungen.
Nathusius verweist auf gestiegene Spenden
Nathusius verwies in ihrer Rede auch auf ihre finanzielle Bilanz. Das Jahr 2024, in dessen letztem Quartal sie ihr Amt übernommen hatte, schloss mit einem Minus von rund 96.000 Euro ab. 2025 schrumpfte das Defizit auf rund 11.000 Euro. Die Spendeneinnahmen stiegen auf etwa 180.000 Euro. In den ersten drei Quartalen 2026 kamen bereits knapp 210.000 Euro zusammen. Für das laufende Jahr erwartete sie ein positives Ergebnis.
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„Es ärgert mich unfassbar, dass diese Rückzahlung in meiner Amtszeit fällt“, sagte Nathusius. Sie hätte ihrer Nachfolge gerne eine bessere Kasse übergeben. Stolz sei sie hingegen darauf, den Kreis der Unterstützer deutlich vergrößert zu haben. Die Kassenprüfer lobten ihr Engagement bei der Gewinnung von Spenden und Sponsoren.
Zum Abschied ein Zitat von Franz Josef Strauß
Dass Nathusius den Bundesvorstand verließ, war von einem parteiinternen Konflikt begleitet. Ihre Kritik am Kurs von Bundeskanzler Friedrich Merz und ihre Forderung nach einem anderen Umgang mit der AfD hatten Widerstand ausgelöst. Auf eine erneute Kandidatur als Bundesschatzmeisterin verzichtete sie.
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Zum Abschied griff Nathusius auf einen Ausspruch von Franz Josef Strauß zurück. „Everybody’s Darling is everybody’s Depp.“ Sie habe sich diesen Satz in den vergangenen Wochen besonders zu Herzen genommen. „Beliebtheit stand dabei nie im Plan“, sagte sie über ihren Einstieg in die Politik. „Bisher hat das vielleicht etwas zu gut geklappt.“
Den Delegierten gab sie einen Rat mit auf den Weg: „Habt weiterhin keine Angst davor, unbequem zu sein.“ Sie gebe zwar ihr Amt ab, ihre Überzeugungen und ihren Optimismus behalte sie.
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