Ukraine-Krieg

Bei einem Sieg Russlands: Selenskyj warnt Europa vor 20 Millionen Flüchtlingen

Sollte die Ukraine zusammenbrechen, könnten nach Selenskyjs Worten 20 Millionen Menschen nach Europa fliehen. In Brüssel wirbt er um weitere Hilfe.

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Wolodymyr Selenskyj beim EU-Gipfel in Brüssel. Der ukrainische Präsident hat vor einer massiven Fluchtbewegung nach Europa im Fall eines russischen Sieges gewarnt.

Wolodymyr Selenskyj beim EU-Gipfel in Brüssel. Der ukrainische Präsident hat vor einer massiven Fluchtbewegung nach Europa im Fall eines russischen Sieges gewarnt.

© dts Nachrichtenagentur/imago

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor einer massiven Fluchtbewegung nach Europa gewarnt, sollte Russland den Krieg gegen sein Land gewinnen. Wie das Nachrichtenportal Politico berichtete, nannte er am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel eine mögliche Größenordnung von 20 Millionen Menschen. Russland töte Ukrainer und dränge sie aus ihrem Land, sagte er.

„Und wenn er [Putin] gewinnt, wie viele Ukrainer werden nach Europa kommen? 20 Millionen?“, fragte Selenskyj. Die Zahl formulierte er damit als mögliches Szenario. Eine Berechnung oder belastbare Prognose legte er in den dokumentierten Äußerungen nicht vor.

Selenskyj verband die Warnung mit einer grundsätzlichen Aussage über Europas Sicherheit. Solange die Ukraine standhalte, begrenze sie auch das Risiko einer weiteren Eskalation mit Russland. Bei einem Zusammenbruch seines Landes drohten Europa größere Gefahren als einzelne Drohnen in seinem Luftraum, erklärte er.

Mehr als vier Millionen Menschen unter EU-Schutz

Seit Beginn der russischen Großinvasion im Februar 2022 haben Millionen Menschen die Ukraine verlassen. Nach den jüngsten Angaben von Eurostat standen Ende August 4,43 Millionen Menschen, die infolge des Krieges aus dem Land geflohen waren, unter vorübergehendem Schutz in der EU. Dieser Status ermöglicht Ukrainern unter anderem den Aufenthalt und Zugang zum Arbeitsmarkt, ohne dass sie ein reguläres Asylverfahren durchlaufen müssen.

Selenskyjs Warnung fällt vor dem fünften Winter seit Beginn der Großinvasion. Russland greift weiter die ukrainische Energieversorgung an. Der Schutz kritischer Infrastruktur und die Unterstützung des Landes vor dem Winter gehörten nach Angaben des Europäischen Rates zu den Themen des Gipfels am Freitag.

Kiew fordert weitere Milliarden

In Brüssel warb Selenskyj zugleich um zusätzliche finanzielle und militärische Unterstützung. Dabei bat er die EU um mindestens 70 Milliarden Euro zusätzlich für das kommende Jahr. Das Geld werde für Verteidigung, Waffen und die Widerstandsfähigkeit der Ukraine gebraucht.

Die EU hatte im Dezember vergangenen Jahres bereits einen Kredit über 90 Milliarden Euro für 2026 und 2027 vereinbart. Estlands Regierungschef Kristen Michal sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die EU werde wahrscheinlich einen weiteren Kredit bereitstellen müssen. Eine entsprechende Entscheidung sei jedoch noch nicht getroffen.

Wie groß die verbleibende Finanzierungslücke genau ausfällt, hängt auch vom Kriegsverlauf und weiteren Zusagen der Partner ab. Der Internationale Währungsfonds verwies Anfang Oktober auf laufende Gespräche über den Bedarf nach 2026. Die umfassenden Verteidigungsforderungen Kiews sind dabei von einer enger gefassten Haushaltslücke zu unterscheiden.

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Streit mit Trump-Regierung belastet die Ukraine

Der Besuch findet in einer Phase wachsender Spannungen mit der US-Regierung statt. US-Präsident Donald Trump hatte die Wiederaufnahme ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien als „Schande“ bezeichnet und einen Machtwechsel in der Ukraine gefordert. Selenskyj begründete das Ende der Angriffspause mit fortgesetzten russischen Attacken auf ukrainische Energieanlagen. 

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt außerdem Sanktionen gegen Moskau gelockert, um russischen Diesel zu kaufen.

Die EU-Spitze stellte sich derweil am Freitag hinter Kiew. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte an Selenskyjs Seite, die EU werde keine Sanktionen aufheben, solange Russland den Krieg nicht beende.

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