Türkei

4.700 Jahre unter Wasser: Im ältesten Schiffswrack der Welt klebt noch die Fracht

Schiffswrack vor Antalya aus der Frühbronzezeit: Amphoren aus dem Jordantal, Steinanker und Reste von Öl oder Wein. Alle Fakten zum Fund.

3 Min
Antike Keramikladung auf dem Meeresgrund. Vor der Insel Kekova in der Türkei fanden Archäologen mehr als 30 Amphoren aus der Frühbronzezeit, einige noch mit Resten ihres Inhalts. (Symbolbild)

Antike Keramikladung auf dem Meeresgrund. Vor der Insel Kekova in der Türkei fanden Archäologen mehr als 30 Amphoren aus der Frühbronzezeit, einige noch mit Resten ihres Inhalts. (Symbolbild)

© IMAGO/Turkish Culture and Tourism Ministry

Ein Tonkrug mit neun Markierungen und zwei Löchern im Bauch hat 4.700 Jahre auf dem Grund des Mittelmeers gelegen. Jetzt rätseln Forscher, ob Seeleute darin an Bord Butter schlugen.

Der Krug stammt aus dem wohl ältesten Schiffswrack der Welt. Es liegt rund 30 Meter tief vor der Insel Kekova in der türkischen Provinz Antalya.

Als das Handelsschiff sank, bauten die Ägypter an der Cheops-Pyramide.

Butterfass oder Ölkrug?

Der türkische Kulturminister Mehmet Nuri Ersoy hat den Fund am Mittwoch publik gemacht. Die Amphore mit den Löchern könnte laut ihm zum Buttern oder zur Käseherstellung gedient haben, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Stimmt das, hätten Seeleute schon in der Frühbronzezeit auf langen Fahrten Lebensmittel selbst hergestellt. Bewiesen ist das nicht.

Die übrigen Krüge transportierten vermutlich Olivenöl oder Wein. Tonanalysen deuten laut Ersoy auf Töpfereien im Jordantal hin.

Zäher Glanz nach 4.700 Jahren

Einige Amphoren sind noch intakt. Im Inneren fanden die Forscher eine zähe, glänzende Masse, wie die BBC berichtet.

Labore sollen nun klären, was das ist. Infrage kommen Öl, Wein oder Baumharz.

Über 30 Krüge, 3 Anker, kein Holz

Entdeckt hat das Team der Akdeniz-Universität in Antalya das Wrack schon 2024. Vom Rumpf ist kein Span übrig, deshalb funktioniert die Radiokarbonmethode nicht.

Die Archäologen um Hakan Öniz datierten das Schiff über die Form der Krüge. Zwei Henkel, ein Wulst in der Mitte, ein flacher Boden: Solche Amphoren kennt man aus Ägypten, aus Troja und von Kreta.

Auch die Steinanker passen zu bronzezeitlichen Funden. In einem vorläufigen Bericht im „Journal of Maritime Archaeology“ beschreiben Öniz und sein Kollege C. Öztosun ein kleines Schiff, das von Osten nach Westen segelte.

Das Ziel war womöglich Troja oder Kreta. Gestartet sein dürfte das Schiff an der Küste der Levante.

Warum der Rekord noch wackeln kann

Bislang gilt ein rund 4.200 Jahre altes Wrack vor der griechischen Insel Dokos als ältestes der Welt. Der neue Anspruch stützt sich allein auf die Keramik.

Genau da liegt der Haken. Große Amphoren waren wertvoll und wurden oft jahrelang wiederverwendet. Ein Krug kann also älter sein als die Fahrt, auf der er unterging.

Bemerkenswert: Den Superlativ verwenden das Grabungsteam und der Minister öffentlich. Im Fachbericht steht er nicht.

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Was jetzt mit den Funden passiert

Die geborgenen Stücke werden konserviert. Laut Cyprus Mail sollen sie in ein neues Museum für Unterwasserarchäologie in Antalya kommen, das in den nächsten Monaten öffnen soll.

Weitere Grabungen am Fundort sind geplant. Die Ladung des Schiffs ist erst zum Teil geborgen.

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