Ein kleines Plus, das sofort verpufft: Bei den Gasnetzkosten in Sachsen können sich Haushalte zum Jahreswechsel über eine leichte Entlastung freuen. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox sinken die Gasnetzentgelte 2027 um rund fünf Euro. Für Verbraucher mit Gasheizung ist das allerdings nur ein schwacher Trost. Denn an anderer Stelle rollt eine deutlich größere Welle auf die Kundschaft zu: Die Großhandelspreise für Gas sind seit Beginn des Iran-Kriegs drastisch gestiegen.
Fachleute rechnen deshalb zum Jahreswechsel mit Preisaufschlägen von bis zu 20 Prozent. Für ein Einfamilienhaus können das mehrere Hundert Euro im Jahr sein. Wer in Sachsen heizt, sollte deshalb genau wissen, was sich ändert – und wann sich ein Wechsel lohnt.
Gasnetzkosten in Sachsen: Das ändert sich konkret
Die Netzentgelte sind der Teil der Energierechnung, über den der Transport durch die Leitungen bezahlt wird. Beim Gas machen sie rund ein Fünftel des Endpreises aus, beim Strom etwa ein Viertel.
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MehrFür 2027 berechnet Verivox für eine Familie im Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden ein Gasnetzentgelt von 741 Euro brutto. Das sind etwa fünf Euro oder 0,7 Prozent weniger als zuvor.
Sachsen bewegt sich damit gegen den bundesweiten Trend. Deutschlandweit rechnet das Portal mit einem Anstieg der Gasnetzkosten um rund drei Prozent oder 19 Euro. Allerdings liegt das sächsische Niveau mit 741 Euro weiterhin spürbar über dem Bundesschnitt von 634 Euro.
Strom: Stabil oder doch sinkend?
Bei den Stromnetzentgelten sind sich die Fachleute uneins. Verivox geht in Sachsen von stabilen Gebühren bei 408 Euro aus – berechnet für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch.
Das Verbraucherportal Finanztip kommt dagegen auf Basis von Daten des Dienstleisters Ene't zu einem anderen Ergebnis. Dort erwartet man für Sachsen ein Sinken der Strom-Netzentgelte um rund sechs Prozent. Die Abweichung dürfte an unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen liegen.
Bundesweit steigen die Stromnetzgebühren laut Verivox um 1,9 Prozent von 428 auf 436 Euro. Ein Grund ist der sinkende Bundeszuschuss: Für 2027 sind 5,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds vorgesehen – 2026 waren es noch 6,5 Milliarden Euro.
Diese Kürzung sorgt für politischen Streit. Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD) kritisierte die Pläne im Bundesrat als „widersprüchlich“, weil der Bund einerseits die Stromsteuer senken, andererseits aber über die Kürzung neue Belastungen schaffen wolle.
Der Gaspreis als eigentliches Problem
Die kleine Netz-Entlastung wird von der Preisentwicklung beim Gas selbst überlagert. Verantwortlich dafür sind die Folgen des Iran-Kriegs.
Verivox-Energieexperte Thorsten Storck erwartet zum Jahreswechsel flächendeckende Aufschläge. „Wir erwarten zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen, in denen die Gasversorger die höheren Beschaffungskosten an ihre Kunden weitergeben“, erklärte er. Je nach Tarif rechnet er mit Steigerungen zwischen 10 und 20 Prozent – und für ein Einfamilienhaus mit bis zu 500 Euro Mehrkosten.
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Der Hintergrund liegt an den Beschaffungsmärkten. Laut der Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest blockiert der Iran weite Teile der Straße von Hormus, über die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels läuft. Reuters berichtete, dass der europäische Gas-Benchmarkpreis 2026 um mehr als 150 Prozent gestiegen sei.
Dass die Lage ernst ist, zeigt sich auch am Rückzug einzelner Versorger. Die Stadtwerke Flensburg und Pforzheim stoppten ihre überregionale Neukundengewinnung. Entwarnung gibt es immerhin bei der Versorgungssicherheit: Die Bundesnetzagentur stufte die physische Gasversorgung in Deutschland Mitte Oktober 2026 als stabil ein.
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