Führerscheinreform

Führerschein bis zu 1000 Euro billiger: Was sich ab 2027 für Fahrschüler ändern soll

Führerscheinreform 2027: Verkehrsminister Bilger nennt bis zu 1000 Euro Ersparnis. Theorie per App, weniger Sonderfahrten, Übungsfahrten mit Eltern.

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Theorie per App, keine feste Zahl an Sonderfahrten, kürzere Prüfung: Die geplante Führerscheinreform soll die Ausbildung in der Fahrschule ab 2027 günstiger machen. (Symbolbild)

Theorie per App, keine feste Zahl an Sonderfahrten, kürzere Prüfung: Die geplante Führerscheinreform soll die Ausbildung in der Fahrschule ab 2027 günstiger machen. (Symbolbild)

© Imago/Elke Münzel

Bis zu 1000 Euro weniger für den Führerschein: Diese Zahl nennt Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) erstmals für die geplante Reform der Fahrausbildung. Im Schnitt zahlen Fahrschüler derzeit rund 3400 Euro für die Klasse B, so das Verkehrsministerium.

Der Gesetzentwurf liegt im Bundestag. Er wurde am 24. September in erster Lesung beraten, am 5. Oktober hörte der Verkehrsausschuss Sachverständige an. Was sich für Fahrschüler ändern soll, wann es so weit ist und wer warnt.

Wie viel billiger wird der Führerschein?

Bilger berief sich gegenüber der Welt auf Prognosen von Verbänden: Mehrere Hundert Euro Ersparnis seien realistisch, im besten Fall bis zu 1000 Euro.

Gleichzeitig dämpfte der Minister die Erwartungen. Die regionalen Unterschiede seien groß, und manche Fahrschüler bräuchten mehr Fahrstunden als andere. Wer viele Stunden braucht, spart also weniger.

Angestoßen hatte die Reform noch Bilgers Vorgänger Patrick Schnieder (CDU), das Kabinett beschloss den Entwurf im Mai 2026.

Theorieunterricht per App statt Präsenzpflicht

Die Pflicht, im Schulungsraum der Fahrschule zu sitzen, soll wegfallen. Laut Gesetzentwurf können Fahrschüler sich das Wissen dann vollständig digital aneignen, etwa per App.

Ob eine Fahrschule weiter Präsenzunterricht, Online-Kurse oder beides anbietet, entscheidet sie selbst.

Theorieprüfung: Ein Drittel weniger Fragen

Der Fragenkatalog umfasst nach Angaben des Verkehrsministeriums derzeit mehr als 1100 Fragen. Rund ein Drittel soll wegfallen, Fragen zur Verkehrssicherheit bleiben Schwerpunkt.

Auch das komplizierte Bewertungssystem mit Fehlerpunkten will die Regierung vereinfachen.

Sonderfahrten: Keine Pflichtzahl mehr

Heute sind beim Pkw-Führerschein zwölf Sonderfahrten vorgeschrieben: fünf Überland-, vier Autobahn- und drei Nachtfahrten. Jede kostet laut Autozeitung meist zwischen 60 und 95 Euro.

Künftig steht im Gesetz nur noch, dass Fahrten über Land, auf der Autobahn und bei Dunkelheit stattfinden müssen. Wie viele es werden, entscheidet der Fahrlehrer nach dem Können des Fahrschülers. Deutschland zieht damit beim EU-Recht gleich.

Fahrsimulatoren dürfen zudem einen Teil der Ausbildung übernehmen. Die Fahrstunde auf der Straße ersetzen sollen sie nicht.

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Übungsfahrten mit den Eltern: Was die Laienausbildung bedeutet

Der umstrittenste Punkt steckt in einer sogenannten Experimentierklausel. Fahrschüler sollen zusätzlich zur Fahrschule mit nahestehenden Personen auf öffentlichen Straßen üben dürfen, etwa mit Mutter oder Vater.

Voraussetzung ist die bestandene Theorieprüfung. Die Begleitung muss laut Bundesregierung unentgeltlich sein, für Autobahnfahrten gibt es eine eigene Regelung. Vorbild ist Österreich.

Ausgebildet wird weiter in der Fahrschule, die Prüfung nehmen weiter TÜV oder Dekra ab.

Praktische Prüfung nur noch 25 Minuten

Die reine Fahrzeit in der praktischen Prüfung soll auf die EU-Mindestvorgabe von 25 Minuten sinken. Wie lange der Termin insgesamt dauert, regeln die Verordnungen.

Fahrschulen sollen außerdem ihre Preise offenlegen. Wie der Preisvergleich für Verbraucher konkret aussieht, ist noch nicht geklärt.

TÜV warnt vor „Fahrprüfung light“

An der kürzeren Prüfung entzündet sich die schärfste Kritik. Richard Goebelt vom TÜV-Verband warnte, eine „Fahrprüfung light“ dürfe es nicht geben. In 25 Minuten lasse sich Fahrkompetenz im dichten Verkehr nicht seriös prüfen.

Der Verband hält auch die Ersparnis für gering: Die Prüfungsgebühren machten nur rund ein Prozent der Gesamtkosten aus.

Kritik an der Führerscheinreform: Fahrlehrer warnen, ADAC lobt

In der Anhörung im Bundestag prallten die Lager aufeinander. Jürgen Kopp, Chef der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, forderte einen verbindlichen Präsenzanteil und Lernstandskontrollen vor der Prüfung. Fahrschulinhaber Andreas Dietrich sah die Verkehrssicherheit durch Elternfahrten und reine Online-Theorie „extrem gefährdet“.

Ulrich Chiellino vom ADAC hält dagegen Kostensenkungen um bis zu ein Drittel für möglich. Das Wort Laienausbildung findet er irreführend. Eltern bildeten nicht aus, sie begleiteten Übungsstunden im vertrauten Umfeld.

Ingo Koßmann von der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen nannte den Entwurf „einen richtig guten Wurf“. Studien zum begleiteten Fahren ab 17 hätten gezeigt, dass Begleitung die Sicherheit erhöht und mehr Fahrschüler die Prüfung bestehen.

Ab wann gelten die neuen Führerschein-Regeln?

Angepeilt ist Anfang 2027, sicher ist das nicht. Für die zweite und dritte Lesung im Bundestag gibt es noch keinen Termin, danach muss der Bundesrat zustimmen. Auch die begleitenden Verordnungen müssen rechtzeitig fertig sein.

Lohnt es sich, mit dem Führerschein zu warten?

Eher nicht. Schon Schnieder warnte als Minister, die Preise würden nach der Reform nicht sofort sinken, am Ende regle sie der Markt. Wer jetzt beginne, vermeide zudem lange Wartezeiten, sagte er.

Der größte Sparhebel liegt ohnehin beim Fahrschüler selbst. Laut TÜV-Verband fielen 2025 rund 44 Prozent durch die Theorieprüfung, jeder neue Versuch kostet Gebühren und oft zusätzliche Fahrstunden.

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