Landwirtschaft

Im Osten geht die Sonne(nblume) auf: Warum der Anbau für Landwirte immer lukrativer wird

85 Prozent des Sonnenblumenanbaus findet in den neuen Bundesländern statt. In Sachsen hat sich die Anbaufläche versechsfacht – die Gründe.

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Dieses Sonnenblumenfeld leuchtet im Morgenrot an der B105 bei Ribnitz-Damgarten, Mecklenburg-Vorpommern (Symbolfoto).

Dieses Sonnenblumenfeld leuchtet im Morgenrot an der B105 bei Ribnitz-Damgarten, Mecklenburg-Vorpommern (Symbolfoto).

© Roland Hartig/imago

Es ist die optisch wohl schönste Ackerfrucht des Bauern und sie wird immer beliebter. Neueste Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass der Anbau von Sonnenblumen im Osten der Republik immer mehr zunimmt.

In Sachsen versechsfachte sich die Anbaufläche in den vergangenen zehn Jahren. In diesem Jahr wuchsen demnach auf 7.300 Hektar Sonnenblumen – 3.400 Hektar mehr als noch im Vorjahr. Vor zehn Jahren betrug die Anbaufläche nur 1200 Hektar.

Und auch die Erntemenge versechsfachte sich auf 18.000 Tonnen dieses Jahr im Vergleich zu 2016.

Der Osten hat die meisten Sonnenblumenfelder

Dabei setzen vor allem die ostdeutschen Bauern auf den Sonnenblumen-Trend, denn die Pflanze kommt mit weniger Wasser und Stickstoff aus. Von den 100.700 Hektar Anbaufläche in Deutschland liegen 85.500 Hektar in den fünf neuen Bundesländern. Vorreiter im Anbau von Sonnenblumen ist Brandenburg mit 32.000 Hektar, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 27.800 Hektar. In Thüringen wuchsen die gelben Blumen dieses Jahr, laut Statistischem Bundesamt, auf 12.400 Hektar. Das kleinste Anbaugebiet hat Mecklenburg-Vorpommern mit 6000 Hektar.

Mehr Sonnenblumen, weniger Raps

Vom Raps – der vorherrschenden Ölsaat in Sachsen – bleibt die Sonnenblume damit zwar weit entfernt. Allerdings ging dessen Anbau in den vergangenen zehn Jahren um ein Fünftel auf 103.000 Hektar zurück. Die Erntemenge ging in der gleichen Zeit sogar um ein Drittel auf 313.200 Tonnen zurück.

Der Rapsanbau ist in den vergangenen Jahren von starken Ertragsunsicherheiten geprägt, erläutert Markus Theiß vom Beratungsunternehmen AgUmenda die Entwicklung. Das liege an den veränderten Witterungsbedingungen und einem massiven Schädlingsproblem mit dem Rapserdfloh. „Manche Flächen sind so zerfressen, dass sie umgebrochen werden müssen.“ Sonnenblumen werden in diesem Zusammenhang als Alternative zunehmend interessant.

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Um dem Schädlingsproblem entgegenzuwirken, säen viele Landwirte früher aus, was jedoch den klimatischen Veränderungen zuwiderläuft, so Theiß. „Wenn es wärmer ist, müsste man eigentlich später aussäen, aber dann fallen die jungen Pflanzen dem Erdfloh zum Opfer.“

Die Sonnenblume hat hingegen bislang kaum mit Schädlingen zu kämpfen. Lediglich Blattläuse würden sie befallen, die seien aber gut handelbar – und kommen auch beim Raps vor, erklärt Theiß.

Sonnenblume schneidet in Versuch gut ab

AgUmenda ist im Auftrag des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie an einem Fruchtfolgeversuch im Landkreis Nordsachsen beteiligt, bei dem die Anbaumöglichkeiten in sogenannten Nitratgebieten mit schwieriger Grundwassersituation ausgelotet werden.

Nicht nur Bienen, sondern auch die Bauern fliegen zunehmend auf Sonnenblumen.

Nicht nur Bienen, sondern auch die Bauern fliegen zunehmend auf Sonnenblumen.

© Sebastian Kahnert/dpa

Auf einem Feld in Strelln werden dabei zwei verschiedene Fruchtfolgen direkt nebeneinander getestet – eine mit ortsüblichen Kulturen wie Weizen und Winterraps, eine mit Alternativen, die mit weniger Stickstoff und auch mit der zunehmenden Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen. Dazu zählt die Sonnenblume.

Die Ergebnisse zeigen, dass Sonnenblumen im Vergleich zum Winterraps eine stabilere Ernte bieten. Es werden auch deutlich weniger Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel benötigt.

Rapsanbau ist arbeitsaufwendig

„Je schwächer der Boden ist, desto mehr spielt die Sonnenblume ihre Stärken aus“, sagt Theiß. Sie sei kostengünstiger anzubauen als Raps und relativ gesehen auch zuverlässiger. Zudem ist der Anbau von Raps generell sehr arbeitsaufwendig und bei dann ausbleibenden Erträgen oftmals nicht mehr wirtschaftlich.

Ein Nachteil der Sonnenblumen sind allerdings die schlechteren Marktpreise im Vergleich zum Winterraps. Das hänge auch mit der Verwertung zusammen, sagt Theiß. „Wenn allerdings die Erträge ausfallen, fangen die Betriebe an zu rechnen und sagen, Okay, ich gehe weniger Risiko ein und probiere es mit der Sonnenblume.“

Der Umstieg auf Sonnenblumen funktioniert unkompliziert. Die Aussaat kann mit der oftmals ohnehin vorhandenen Mais-Aussaattechnik erfolgen, wie Theiß erläutert. Aufgrund der tiefen Wurzeln der Sonnenblume ist eine starke Lockerung des Bodens nicht notwendig. Als Nachkultur böte sich beispielsweise der anspruchslose Roggen an (mit dpa).

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