Iran-Krieg

Neue Iran-Angriffe? US-Kriegsminister trifft Netanjahu heimlich auf Militärbasis

Pete Hegseth reist unangekündigt nach Israel, wo amerikanische Kampfjets stationiert sind. Auch Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate sollen bei den Gesprächen gewesen sein.

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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (l.) und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am 9. Juli 2025 im Pentagon in Washington.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (l.) und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am 9. Juli 2025 im Pentagon in Washington.

© Mehmet Eser/imago

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ist überraschend nach Israel gereist und hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf einem Luftwaffenstützpunkt im Süden des Landes getroffen. Die Begegnung fand am Montag statt, nur acht Tage vor der israelischen Parlamentswahl. Sie erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die USA und Israel nach Medienberichten über eine mögliche Wiederaufnahme größerer Militärangriffe auf den Iran beraten.

Zuerst berichtete das US-Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Quellen über das Treffen. Auch Reuters bestätigte die Begegnung durch einen eigenen Informanten.

Hegseth und Netanjahu trafen sich demnach auf dem Luftwaffenstützpunkt Ovda in der Negev-Wüste. Dort sind auch amerikanische Tankflugzeuge und Kampfjets stationiert. Welche Themen die beiden Politiker konkret besprachen, wurde nicht bekannt.

Netanjahu fliegt heimlich zu Hegseth – auch Vertreter der Emirate dabei?

Nach Informationen der israelischen Nachrichtenseite Ynet reiste Netanjahu eigens mit einem Privatflugzeug zu dem Luftwaffenstützpunkt. Üblicherweise nutzt der Regierungschef für vergleichbare Reisen in den Süden Israels einen Hubschrauber.

Dem Bericht zufolge dauerte die Begegnung ungewöhnlich lange. Netanjahu habe deshalb auch auf den geplanten Besuch eines Fußballspiels zwischen Beitar Jerusalem und Maccabi Tel Aviv verzichtet.

An dem Treffen nahmen laut einem weiteren Bericht von Ynet auch Israels Verteidigungsminister Israel Katz und der nationale Sicherheitsberater Shmuel Ben Ezra teil.

Besonders bemerkenswert ist die mögliche Beteiligung eines weiteren Staates. Nach Informationen der Jerusalem Post berichtete der israelische Armeesender, dass auch Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate anwesend gewesen seien. Ihre Identität und Funktion wurden nicht genannt. Eine unabhängige Bestätigung liegt bislang nicht vor.

Hegseth besuchte auf dem Stützpunkt zudem amerikanische Soldaten. Später veröffentlichte er auf der Plattform X Fotos von dem Besuch.

Es sei eine Ehre gewesen, die Angehörigen des amerikanischen Zentralkommandos Centcom zu treffen, schrieb der Minister. Er bezeichnete sie als „die Besten unseres Landes“ und sprach von einer „historischen Mission“.

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Dass er in Israel gewesen war oder Netanjahu getroffen hatte, erwähnte er in seinem Beitrag nicht. Das Pentagon und die israelische Botschaft in Washington lehnten eine Stellungnahme ab. Auch das Büro des israelischen Ministerpräsidenten gab zunächst keine Auskunft.

USA und Israel erwägen neue Angriffe auf iranische Militär- und Atomanlagen

Die Reise steht im Zusammenhang mit einer seit Tagen diskutierten möglichen Ausweitung des Krieges gegen den Iran.

Bereits am 13. Oktober hatte Axios über Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und Netanjahu berichtet. Demnach erwogen beide eine neue gemeinsame Militäroperation gegen iranische Atom- und Militäreinrichtungen. Die Informationen stammten von mehreren amerikanischen und israelischen Regierungsvertretern sowie einer weiteren mit den Vorgängen vertrauten Person.

Netanjahu soll dabei israelische Geheimdiensterkenntnisse vorgebracht haben, wonach der Iran versuche, Teile seines Atomprogramms wieder aufzubauen. Ob diese Erkenntnisse zutreffen, lässt sich unabhängig nicht überprüfen.

Nach Darstellung eines amerikanischen Regierungsvertreters ermunterte Trump Netanjahu zunächst, sich auf neue Angriffe vorzubereiten. Eine Zusage für eine gemeinsame Operation sei damit allerdings nicht verbunden gewesen.

Das Weiße Haus widersprach dem Axios-Bericht ausdrücklich. Es sei falsch, dass Trump und Netanjahu über eine Wiederaufnahme des Krieges gesprochen hätten. Der US-Präsident habe klargestellt, dass die Vereinigten Staaten vor den Kongresswahlen am 3. November keine neuen Angriffe gegen den Iran beginnen würden.

Auch Netanjahu äußerte sich zurückhaltend. In einem Interview mit dem israelischen Armeesender am 14. Oktober erklärte er, einen Präventivangriff vor der israelischen Wahl nicht anzustreben. „Das kommt für uns nicht gelegen, das ist nicht gut“, sagte er laut Reuters.

Nach Angaben von Axios gehören Hegseth und führende Vertreter des US-Zentralkommandos zu den stärksten Befürwortern einer erneuten Militäroperation. Andere Berater Trumps setzen demnach vorerst auf wirtschaftliche Sanktionen und weiteren Druck auf Teheran.

Dass Hegseth und Netanjahu bei ihrem Treffen auf dem Luftwaffenstützpunkt Ovda konkrete Angriffspläne erörterten, ist nicht bestätigt.

Trump droht dem Iran und unterstützt Netanjahu vor der Wahl

Neue Aufmerksamkeit erhielt die militärische Zusammenarbeit durch eine ungewöhnlich deutliche Wahlempfehlung des US-Präsidenten. Am Sonntag stellte sich Trump öffentlich hinter Netanjahu, der bei der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober um den Verbleib an der Regierung kämpft.

In einem auf Truth Social veröffentlichten Schreiben bezeichnete Trump den Ministerpräsidenten als herausragenden Partner im Kampf gegen den Iran.

„Bitte betrachten Sie diesen Brief als meine vollständige und uneingeschränkte Unterstützung für Bibi Netanjahu bei seiner bevorstehenden Wiederwahl“, schrieb Trump.

Seine Unterstützung verband Trump mit einer Warnung vor einem Regierungswechsel. Sollte Israel einen anderen Ministerpräsidenten wählen, müssten die USA den Kampf gegen den Iran möglicherweise allein fortsetzen. Dazu sei er nicht bereit.

Für den Iran fand Trump ebenfalls deutliche Worte. Sollte Teheran seinen Kurs nicht rasch ändern, würden die Vereinigten Staaten und Israel die militärische Aufgabe „bald zu Ende bringen“, drohte er.

In einem Interview mit Axios erklärte Trump, er habe mit seiner Unterstützung für Netanjahu bewusst bis kurz vor der Wahl gewartet. Auf die Frage, ob er auch mit einem anderen israelischen Regierungschef zusammenarbeiten könne, antwortete er: „Vielleicht werde ich das, vielleicht auch nicht. Wer will dieses Risiko eingehen?“

US-Vizepräsident Vance verweigert Netanjahu die Wahlunterstützung

Allerdings wird Trumps demonstrative Unterstützung innerhalb seiner Regierung nicht von allen Spitzenpolitikern geteilt. US-Vizepräsident JD Vance lehnte es am Montag ab, ebenfalls eine Wahlempfehlung für Netanjahu auszusprechen.

„Ich unterstütze amerikanische Kandidaten, und darauf konzentriere ich mich bei den Zwischenwahlen“, erklärte Vance in einem Interview mit dem Journalisten Mark Halperin, über das die Nachrichtenagentur AP berichtet.

Er werde sich deshalb nicht in die israelische Wahl einmischen. Vance stellte zugleich klar, dass er damit keine ausdrückliche Position gegen Netanjahu beziehe.

Die Zurückhaltung ist bemerkenswert. Der Vizepräsident hatte sich im Frühjahr persönlich für Ungarns damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán eingesetzt. In der Iran-Politik äußerte sich Vance zudem mehrfach kritisch über Vertreter der israelischen Regierung, denen er vorwarf, die amerikanische Öffentlichkeit zugunsten einer Fortsetzung des Krieges beeinflussen zu wollen.

In Israel steht Netanjahu bei der Wahl einer Opposition gegenüber, zu deren führenden Politikern der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot gehört. Umfragen deuten darauf hin, dass Netanjahus bisheriges Regierungsbündnis die Mehrheit seiner Sitze verlieren könnte. Allerdings ist auch bei seinen Gegnern keine gemeinsame Regierungsmehrheit gesichert.

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