Beim Sauerkraut zahlt sich die Marke nicht aus. Im Test der Verbraucherzeitschrift Öko-Test fiel ausgerechnet das „Mildessa Mildes Weinsauerkraut“ von Hengstenberg als einziges von 28 Produkten mit „mangelhaft“ durch. Discounter-Kraut für 76 Cent holte dagegen die Bestnote.
Mildessa bei Öko-Test: Pestizide und BPA in der Dose
Im Mildessa-Kraut fand das Labor Rückstände von zwei Pestiziden. Laut dem Verbraucherportal Utopia war darunter Spirotetramat. Das Insektizid ist seit 2024 in der EU nicht mehr zugelassen und steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.
Noch stärker drückt ein anderer Befund die Note: Bisphenol A (BPA). Die Industriechemikalie kann sich aus der Innenbeschichtung der Dose lösen und ins Kraut übergehen. Öko-Test stuft den Gehalt als „stark erhöht“ ein und zieht dafür zwei Noten ab.
Die Ergebnisse stammen aus dem Novemberheft 2025 und sind der jüngste Sauerkraut-Test des Magazins. Zum Start der neuen Saison bleiben sie die beste Orientierung am Supermarktregal.
BPA im Sauerkraut: Alle vier Dosen betroffen
Hengstenberg ist damit nicht allein. Laut Pressemitteilung von Öko-Test steckte BPA in allen vier getesteten Dosen. Isst ein Erwachsener zwei Portionen pro Woche, überschreiten sie die tolerierbare Tagesdosis der EU-Lebensmittelbehörde Efsa mehrfach.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält eine deutlich höhere Menge für unbedenklich. Öko-Test bleibt aus Vorsorge beim strengeren EU-Wert, denn BPA gilt in der EU als wahrscheinlich fortpflanzungsschädigend.
Ein EU-Verbot von BPA in Lebensmittelverpackungen gibt es seit Ende 2024, die Übergangsfristen laufen aber bis Anfang 2028. Filder Spitzbüble und Barthmann verwenden nach Angaben von inFranken inzwischen Dosen ohne gezielten BPA-Einsatz. Einzelne Produkte im Regal können sich seit dem Testeinkauf im Juli 2025 also geändert haben.
Diese Sauerkraut-Produkte sind „sehr gut“
Elf Produkte bekamen die Bestnote, elf weitere ein „gut“. Die vier konventionellen Testsieger kosteten beim Testeinkauf im Juli 2025 jeweils 76 Cent pro 500 Gramm. Für das Mildessa-Kraut verlangten die Händler damals 1,48 Euro.
Konventionell „sehr gut“
- Ja! Weinsauerkraut (Rewe)
- K-Classic Mildes Weinsauerkraut (Kaufland)
- Greenland Weinsauerkraut mild (Penny)
- Jeden Tag Weinsauerkraut mild
Sieben Bio-Produkte erhielten ebenfalls „sehr gut“. Pestizide fand das Labor in keinem davon:
Bio „sehr gut“
- Bio Bio Sauerkraut (Netto Marken-Discount)
- Dennree Sauerkraut
- Edeka Bio Sauerkraut
- K-Bio Sauerkraut (Kaufland)
- Nur Nur Natur Bio Sauerkraut (Aldi Süd)
- Schweizer Naturkost Sauerkraut (Demeter)
- Thüringer Landgarten Sauerkraut (Demeter)
Vitamin C im Sauerkraut: Was das Erhitzen kostet
Die meisten Produkte enthielten weniger als 20 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm, einige sogar unter fünf. Der Spitzenreiter kam auf etwa das Zehnfache.
Schuld ist die Pasteurisierung bei 72 bis 100 Grad. Sie macht das Kraut im ungekühlten Regal haltbar, zerstört aber Vitamin C und einen Großteil der Milchsäurebakterien, die als gut für den Darm gelten. Mehr davon steckt laut Öko-Test in frischem Kraut aus der Kühltheke oder vom Wochenmarkt.
Sauerkraut kaufen: Glas oder Beutel wählen
Wer BPA meiden will, greift zu Glas oder Beutel, denn nur in Dosen wurde das Labor fündig. Ein Blick auf die Nährwerte lohnt außerdem: Mehr als 1,1 Gramm Salz pro 100 Gramm wertete Öko-Test ab.
Das günstigste Kraut im Regal ist damit oft auch das beste. Der bekannte Name auf der Dose garantiert dagegen nichts.
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