Die Deckenlampe ist durch, die Leiter steht im Keller. Fast jeder vierte junge Brite würde die Birne nicht selbst wechseln, oft mit der Begründung, der Aufstieg sei zu gefährlich. Das ergab eine Umfrage der britischen Kette Halfords.
Für viele Ältere ist das der Beweis: Die Generation Z habe zwei linke Hände. In Foren und Kommentarspalten klagen Boomer, früher habe jeder einen tropfenden Wasserhahn selbst abgedichtet.
Eine Umfrage aus Deutschland passt allerdings nicht ins Bild. Junge Erwachsene greifen hier sogar häufiger selbst zum Werkzeug als Ältere.
Umfrage: Unter 40-Jährige heimwerken öfter
Im Auftrag der ADAC Zuhause Versicherung wurden 2025 gut 2100 Erwachsene befragt. Von den unter 40-Jährigen erledigen 80 Prozent Handwerksarbeiten gelegentlich selbst, um Geld zu sparen, berichtet die Deutsche Handwerks Zeitung. Bei den über 60-Jährigen sind es 63 Prozent.
Der Unterschied liegt im Lernweg. 71 Prozent der Jüngeren holen sich die Anleitung aus Videos im Internet.
Besonders selbstbewusst ist dabei keine Altersgruppe: Nicht einmal jeder Dritte hält die eigenen handwerklichen Fähigkeiten für gut.
Gen Z zahlt mehr für Handwerker
Die britischen Zahlen sind trotzdem auffällig. 18- bis 27-Jährige gaben laut Halfords im Schnitt rund 1300 Pfund im Jahr, umgerechnet etwa 1500 Euro, für Profis aus, die einfache Arbeiten erledigen. Babyboomer kamen auf 253 Pfund, also rund ein Fünftel.
Jeder Fünfte der Jüngsten wusste nicht, was ein Schraubenschlüssel ist. Elf Prozent würden sogar fürs Bilderaufhängen jemanden bezahlen.
Allerdings verkauft Halfords selbst Montage- und Werkstattleistungen. Und die Gen-Z-Gruppe der Umfrage umfasste nur 323 Menschen.
Deutsche Heimwerker-Studie ist veraltet
Hierzulande wird meist eine Erhebung des Hamburger Instituts Splendid Research zitiert. Im Oktober 2018 hielt sich dort nur einer von zehn 18- bis 29-Jährigen für einen guten Heimwerker, bei den 50- bis 59-Jährigen etwa jeder Fünfte.
Der Haken: Die damals Befragten sind heute Mitte 20 bis Ende 30. Gemessen wurden also vor allem Millennials.
Generationenforscher: Es fehlt das Training
Der Psychologe Rüdiger Maas vom Institut für Generationenforschung sieht vor allem fehlende Übung. „Oft fehlt schlicht die Routine, die Gelegenheit oder die Notwendigkeit“, sagte er der Frankfurter Rundschau.
Ältere erinnerten sich zudem eher an das, was sie konnten, als an das, was sie nie brauchten. Auch die Erziehung spiele mit, sagte Maas der Zeitung. Arbeiten beide Eltern Vollzeit, wird die klemmende Tür schnell selbst repariert. Fürs Zeigen bleibt dann keine Zeit.
Kritisch werde es erst, wenn junge Leute aus Angst, etwas kaputtzumachen, gar nichts mehr ausprobieren.
Berlin: Mieter müssen oft gar nicht reparieren
Ein Faktor kommt in der Debatte zu kurz: das Wohnen. Die britische Journalistin Ellie Muir, selbst Gen Z, erklärt die Halfords-Zahlen vor allem damit, dass ihre Generation zur Miete oder noch bei den Eltern wohnt.
In Berlin gilt das besonders. Nur 16 Prozent der Wohnungen werden von ihren Eigentümern bewohnt, der niedrigste Wert aller Bundesländer, wie die Berliner Zeitung berichtete.
Für Reparaturen in der Mietwohnung ist der Vermieter zuständig. Wer ohne Absprache an der Therme schraubt, bleibt unter Umständen auf den Kosten sitzen und haftet für Schäden.
Fazit: Gen Z heimwerkt anders als ihre Eltern
Die Kritiker haben in einem Punkt recht: Junge Leute trauen sich manche Reparatur weniger zu und zahlen dafür. Das Bild von der Generation mit zwei linken Händen hält dem Faktencheck aber nicht stand.
Wer seinen Kindern das Heimwerken beibringen will, sollte ihnen den Akkuschrauber in die Hand drücken. Und danebenstehen, ohne einzugreifen.
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