Protest

109 Millionen Euro weniger, Arbeit ohne Lohn: Medizinstudenten protestieren an der Charité

Weniger Studienplätze, Millionen-Kürzungen und keine Vergütung im Praktischen Jahr: Berliner Medizinstudenten fordern von der Politik ein Umdenken.

3 Min
Bereits 2019 protestierten Medizinstudenten vor der Berliner Charité für bessere Arbeitsbedingungen und eine Vergütung im Praktischen Jahr.

Bereits 2019 protestierten Medizinstudenten vor der Berliner Charité für bessere Arbeitsbedingungen und eine Vergütung im Praktischen Jahr.

© Müller-Stauffenberg/imago

Unter dem Motto „Praktisches Jahr? Praktisch unbezahlbahr!“ protestierten Medizinstudenten am Mittwoch vor der Berliner Charité gegen die Kürzungen im Hochschulbereich und die fehlende Vergütung im Praktischen Jahr (PJ). Die Kundgebung vor dem Bettenhochhaus in Mitte begann um 11 Uhr und ist Teil einer bundesweiten Aktionswoche der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd).

Hintergrund sind die Einsparungen des Berliner Senats. Nach Angaben der Organisatoren erhält die Charité zwischen 2026 und 2028 rund 109 Millionen Euro weniger als ursprünglich vertraglich vorgesehen. Die Zahl der jährlichen Studienplätze in der Humanmedizin wurde von 600 auf 540 reduziert.

Charité zahlt Medizinstudenten keinen Cent

Zugleich erhalten Medizinstudenten im Praktischen Jahr, dem letzten Ausbildungsjahr vor dem Studienabschluss, an der Charité weiterhin keine Aufwandsentschädigung. Nach Angaben der Organisatoren ist die Berliner Universitätsklinik damit inzwischen die einzige in Deutschland, die keine solche Vergütung zahlt.

„Es geht nicht nur um eine angemessene Vergütung, sondern auch um den Erhalt guter Studienbedingungen. Ein Studium ohne Existenzängste kann doch kein Luxus sein“, erklärt Fatima Salih von der Fachschaftsinitiative Medizin. Die Folgen der Kürzungen würden langfristig auch die Berliner Bevölkerung treffen: durch stärker belastete Ärzte und weniger medizinischen Nachwuchs.

Mit Blick auf die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und Linken erinnern die Studenten an die Versprechen der Parteien im Wahlkampf. „Noch vor wenigen Monaten saßen CDU, Linke, SPD und Grüne hier und haben sich gegenseitig überboten, wer mehr von den Kürzungen zurücknimmt und schneller eine Aufwandsentschädigung einführt“, sagt Salih. Alles andere als die Umsetzung dieser Zusagen wäre ein „extremer Vertrauensbruch“.

Tagsüber in der Klinik, nachmittags im Nebenjob

Die Studenten fordern außerdem eine bundesweit einheitliche Mindestvergütung im Praktischen Jahr auf Bafög-Niveau sowie eine Reform der ärztlichen Approbationsordnung. Diese soll verbindliche Standards für die praktische Ausbildung schaffen.

„Es kann nicht sein, dass wir vormittags unbezahlte Hilfskräfte in der Klinik sind und nachmittags arbeiten gehen, um uns das PJ leisten zu können“, kritisiert Bente Bierbaß, die selbst ihr Praktisches Jahr an der Charité absolviert.

Bei der Kundgebung sollen neben Vertretern der Studenten auch der CDU-Abgeordnete Christian Zander, der Linken-Abgeordnete Tobias Schulze sowie Vertreter des Marburger Bundes und der Charité sprechen. Die Demonstration war bis etwa 12.45 Uhr angesetzt.

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