Menschenrechtsaktivistin Julia Monro setzt sich in Verhandlungen mit der Bundesregierung für die Selbstbestimmung transidenter Menschen ein. Zur Veranschaulichung, welche Blüten das Gutachterwesen in Deutschland treibt, zeigt sie mir einen geleakten Diskussionsverlauf eines Psychologen-Forums. Eine gelernte Floristin, auf dem zweiten Bildungsweg Psychotherapeutin geworden, plaudert dort aus, ihr früherer Chefarzt hätte ihr einige seiner Gutachten über trans Personen abgetreten. So habe sie „den Fuß in die Tür der Gerichte bekommen“.
Die Begutachtungen, die Julia Monro vorliegen, lesen sich mitunter haarsträubend. Stefanie sollte einen Fragebogen ausfüllen: Wie oft sie eine weibliche Brust oder männliche Genitalien manuell oder oral stimuliert habe? Die Frage „Wie oft masturbieren Sie durchschnittlich innerhalb eines Monats“ beantwortete Stefanie mit der naheliegenden Gegenfrage: „Was soll das?“ Der Gutachter habe ihr daraufhin erklärt, das sei „der Standardfragebogen, den wir immer verwenden“. Ein trans Mann berichtet von einem „Pädophilie-Test“, den er in einer Berliner Klinik durchlaufen sollte. Ihm seien Bilder von nackten Kleinkindern gezeigt worden. Er habe auf einer Skala von 1 bis 5 bewerten müssen, „wie sehr mich diese erregen“.
Auffällig ist, wie oft gewisse Gutachter Transidentität mit sexuellen Abartigkeiten in Verbindung bringen, was viel über ihr Weltbild und Fachwissen verrät. Gerne wird die verstaubte These verfolgt, hinter Transidentität verberge sich eine verkappte Homosexualität. Eine Berliner Gutachterin hatte sich zum Szenegespött gemacht, als sie trans Frauen testweise in die Schwulensauna schickte. Dieselbe Gutachterin erklärte mir übrigens in einem ihrer lichteren Momente: Ob man auf Frauen oder Männer steht, daran ändert die Transition nichts.
Die führenden Trans-Interessensverbände fordern, die Gutachterpraxis abzuschaffen. Doch dagegen stemmt sich die von Monro so genannte „Psycho-Lobby“. Als Anfang 2019 bekannt wurde, dass auch trans Personen das neue Gesetz §45b benutzten, habe sie sich umgehend an das Bundesinnenministerium gewandt. Den Psychologen sei es dabei weniger um das Wohl ihrer Patienten gegangen, meint Monro. Sie hätten vielmehr befürchtet, ihnen ginge fortan viel „Geld flöten“.
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