Prostitution

Am Hurentag: Berliner Initiative fordert Bestrafung von Freiern

Eine Initiative will das Nordische Modell. Es ist umstritten, auch bei Prostituierten.

Team News Alexander Schmalz dpa/lex
3 Min
Eine Prostituierte beugt sich durch das Beifahrerfenster eines Autofahrers in Berlin (Archivbild). 

Eine Prostituierte beugt sich durch das Beifahrerfenster eines Autofahrers in Berlin (Archivbild). 

© Imago/Rolf Kremming

Schoß, Leiterin der Berliner Städtegruppe von Terre des Femmes, und ihre Mitstreiterinnen fordern die Einführung des sogenannten Nordischen Modells nach dem Vorbild der schwedischen Gesetzgebung von 1999. Das Modell entkriminalisiert Prostituierte, bestraft Freier und bietet Ausstiegsmöglichkeiten für Prostituierte an. Wenn man die Nachfrage bekämpfe, könne man auch die Prostitution eindämmen, so Schoß. Auch auf Bundesebene sind Frauen aktiv.

Laut dem Bündnis wird das Modell bereits auch in Norwegen, Island, Kanada, Frankreich, Irland und Israel umgesetzt. In Deutschland gilt Prostitution seit 2002 als Beruf, seit 2017 existiert ein Prostitutionsschutzgesetz. Aus Sicht des Aktionsbündnisses ist die Prostitutionsgesetzgebung Deutschlands gescheitert. Sie sei nicht in der Lage, den Menschenhandel zu verringern oder der Zwangsprostitution einen Riegel vorzuschieben. Stattdessen werde eine Politik der Liberalisierung verfolgt, die die Lebensbedingungen von Prostituierten nicht verbessere.

Corona-Pandemie könnte Ausstieg aus Prostitution erleichtern 

Die Corona-Pandemie mit den mangelnden legalen Arbeitsmöglichkeiten sei eine gute Gelegenheit auszusteigen. Doch es fehle an flächendeckenden Angeboten. Da die Prostitution legal sei, fühle sich der Staat auch nicht verantwortlich, Angebote zu unterstützen, kritisiert Schoß.

Einzelne Vereine wie etwa Sisters oder das Café Neustart an der Kurfürstenstraße bieten ehrenamtlich Hilfe an. „Die Frauen sind oft verschuldet, haben keine Wohnung oder Krankenversicherung“, berichtet Aussteigerin Mimi vom Verein Sisters. Der Verein unterstütze Aussteigewillige auch mit einem Übergangsgeld. „So können die Frauen erst einmal zur Ruhe kommen“, erläutert sie.

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„Wie viele Prostituierte in Berlin arbeiten, weiß niemand“, so Annemarie Schoß. Laut Café Neustart wird ihre Zahl auf 6000 bis 8000 geschätzt. Demnach dominieren Frauen aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn die Szene.

Berlin: Nur 993 Prostituierte haben eine Arbeitserlaubnis 

Seit Mitte 2017 sind Ausweise für Prostituierte Pflicht – samt Gesundheitsberatung und Rechtsbelehrung. Nur wer einen solchen Ausweis besitzt, darf in einem genehmigten Bordell arbeiten. „Aktuell verfügen 993 Personen über eine gültige Anmeldebescheinigung aus Berlin“, teilt eine Mitarbeiterin des zuständigen Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg mit. Schoß geht davon aus, dass dies nur ein geringer Teil der Prostituierten ist.

Die Corona-Zwangspause habe viele Kolleginnen und Kollegen in Existenznöte und teilweise auch in die Illegalität getrieben. „Viele Sexarbeiterinnen sind durch alle Raster gefallen, zum Beispiel weil sie keinen festen Wohnsitz haben“, sagt Johanna Weber vom Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen. Andere haben Corona-Hilfen oder Arbeitslosengeld bekommen. In Berlin dürfen ab dem 18. Juni wieder sexuelle Dienstleistungen ohne Geschlechtsverkehr angeboten werden.

Am 2. Juni wird am Internationalen Hurentag überwiegend mit Online-Veranstaltungen auf die Situation der Prostituierten aufmerksam gemacht.

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